1610 – 42. Was kann die Welt dafür, dass ich sie liebe!?

Heute vor 6 Wochen habe ich mich von Euch in die Sommerpause verabschiedet und nun sitze ich zurück im Alltag wieder vor meinem Laptop. Mit einem kleinen Grinsen im Gesicht, denn das Einzige was mir gerade durch den Kopf geht, entspricht so ziemlich 1 zu 1 den Zeilen, mit denen ich im letzten Jahr diese Kolumne gestartet habe.

Christian und ich hatten 3,5 Wochen Urlaub zusammen und das war die entspannteste und schönste Zeit, die wir je zusammen hatten. Unsere Urlaube waren bisher immer klasse, aber dieses Mal war einfach alles ein wenig entspannter, ein wenig perfekter, die fehlende Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

(Einige von Euch haben die Berichte auf gintonicgurke.com vermisst. Ich kann Euch beruhigen. Ich habe dieses Mal alles ganz altmodisch in einem Buch festgehalten und werde die Erlebnisse bei nächster Gelegenheit veröffentlichen.)

Mit dem Bulli ging es quer durch Europa bis nach Portugal.
Wir sind morgens um 03:30 Uhr über versiffte Kuhweiden in der Schweiz auf einen 2.137m hohen Gipfel gewandert und rechtzeitig zum Sonnenaufgang oben angekommen. Wir haben in der Provence Sternschnuppen gezählt. Wir waren in der Algarve schnorcheln, haben uns von Meterhohen Atlantikwellen umhauen lassen, sind mit dem Segelboot unter der Ponte 25 de Abril gesegelt, haben uns von Pedro in einem Beetle durch die engsten Gassen Portos fahren lassen, wir saßen 7.740 km im Bulli.
Wir hatten wundervolle Begegnungen, haben an Orten geschlafen, an denen es nie ein 5 Sterne Hotel geben wird, haben bei Wind und Regen auf einem abgeernteten Feld geduscht, haben uns mit regionalen Köstlichkeiten den Bauch vollgeschlagen und die eine oder andere Weinflasche geköpft.

Und was bleibt!? Wundervolle Erinnerungen, die uns noch einmal enger zusammen gebracht haben und der Antrieb, diese Abenteuer auch wieder mehr in den Alltag einfließen zu lassen.
Es ist die alte Leier. Nach dem Urlaub sind wir immer hoch motiviert und irgendwann sind wir wieder drin in dem Trott. Aber nein, dieses Mal wird es anders!

Dieses mal ist der Tag auch im Winter nicht um 20 Uhr vorbei, dieses Mal holen wir uns den Urlaub an den Wochenenden nach Hause, dieses Mal suchen wir uns mit dem Bulli hier in der Umgebung diese 5 Sterneplätze, auch wenn es stürmt und regnet und wir nur eingekuschelt die ganze Zeit Filme schauen, dieses Mal nehmen wir uns die Zeit, die wir wir für uns brauchen, die Stunden nach Feierabend, die Wochenenden und dann ist der nächste Urlaub auf einmal gar nicht mehr so weit weg.

Was kann die Welt dafür, dass ich sie liebe

Ich lieb sie nur wegen dir

Was kann denn ich dafür, dass die Welt so groß ist

Aber heut Nacht mein Schatz, geh ich vor Anker bei dir.

Achim Reichel – Kuddel Daddel Du

Am Rande – Ein Selbstversuch

Bereits seit einer geraumer Zeit ist das Wundergewürz Kurkuma in aller Munde!
Ich habe es hier und da immer mal wieder verwendet. Mal als gesunden Shot in Verbindung mit Ingwer, mal habe ich die frische Wurzel direkt in den Smoothie gemixt. Ich habe es aber nie regelmäßig zu mir genommen und das ändere ich jetzt.

Sabrina hat mich auf ein Instagramprofil aufmerksam gemacht, in dem es hauptsächlich um das Thema „Goldene Milch“ geht und super viele positive Erfahrungsberichte veröffentlicht werden. Mein Mix besteht nun morgendlich aus 2 Löffeln Kurkuma, 1 Löffel Gerstengras und 1 Löffel Ashwagandha. Das ganze löse ich mit etwas Leinöl in Hafermilch auf.

Ich habe seit vielen Jahren immer wieder mit meinem Magen zu tun. Sobald der Herbst ansteht oder ich psychisch zu stark aus dem Gleichgewicht gerate, meldet sich die Magenschleimhautentzündung und ich kann nicht mehr essen, mir ist dauerhaft übel, … Zwei Mal im Jahr sitze ich damit mindestens beim Arzt und zwei Mal im Jahr gibt es immer noch kein Medikament dagegen außer Ruhe!
Die Goldenen Milch wirkt vor allem entzündungshemmend und soll meinem Magenleiden nun auf die Schliche kommen.

Ich bin sehr gespannt, wie mein Magen und ich mit dieser Routine über die dunkle Jahreszeit kommen und halte Euch auf dem Laufenden. Gerne erzähle ich auch beim nächsten Mal ein wenig mehr zu den Inhaltsstoffen.

1306 – 3. Das Faultier in mir!

Hallo und herzlich Willkommen zu Clausi and Friends! Bevor ich mich nächste Woche wieder zurück melde, darf heute noch einmal Julia ran! Da ich bereits zu den letzten Beiträgen von Julia tolles Feedback erhalten habe, freue ich mich jetzt schon, wenn wir dies über den Sommer hinaus beibehalten. Danke Dir!

Das Faultier in mir!

Ihr alle kennt ja den inneren Schweinehund. Den Schweinehund, der immer überwunden werden muss, wenn man etwas in Angriff nehmen will und gegen den man ankämpfen muss. Zu mir passt eher ein faules Faultier, was die ganze Zeit rumhängen will. Dieses Faultier in Schwung zu bringen, ist echt eine Überwindung. Zur Zeit jedenfalls. Diese Trägheit, Dinge anzugehen, kann echt so stark sein, dass ich gar nichts mache und mich dann selbst über mich ärger, bzw. über das Faultier in mir, was mich so stark runterzieht, dass ich meinen Allerwertesten nicht hochbekomme.

Dabei ist es gar kein Faultier oder Schweinehund, das bin ich selbst. Mein Mindset. Doch ich schiebe die Schuld auf ein anderes „Ding“, das Faultier. Nein, das bin ich selbst. Ich sabotiere mich selbst. Das ist gut zu wissen, denn somit habe ich es selbst in der Hand, alles zu ändern.

Das Problem mit meiner Trägheit, meinem inneren faulen Faultier, ist, dass ich viele Dinge will, sie jedoch nicht umsetze. So schaffe ich es nicht, mein Traumleben zu leben. Ich weiß ziemlich genau, wie ich leben möchte, damit ich mich gut fühle und was meine Werte in diesem Leben sind. 
Es gibt jedoch oft diesen einen Moment, der Überwindung kostet. Ich denke viele Menschen kennen dieses Gefühl. Doch welchen Preis zahlen wir dafür, die Trägheit zuzulassen? Ich komme zu nix und fühle mich schlecht. Viel schlechter als dieser kleine Moment der Überwindung je hätte sein können! Oh man, während ich das jetzt schreibe, finde ich diese Verhaltensweise gar nicht mal so intelligent.

Wie klappt das nun am besten, die Trägheit zu überwinden und ein Momentum aufzubauen, sodass niemand einen stoppen kann? Hat jemand Ideen?
Mein Freund sagt: einfach machen! Immer wieder, Step by Step. Sich innerlich selbst einen Arschtritt geben. Dann gewöhnt sich das System daran und es wird leichter. Das faule Faultier wird aktiver 😉 Allein die Vorstellung davon, wie mein Leben sein würde, wenn ich alles durchziehe, was ich gerne möchte, fühlt sich bombastisch an! 🤩

Und nun die wichtige Frage:
Bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen? Denn auch wenn es sich oft leicht anhört („einfach machen“), ist die Bequemlichkeit noch viel leichter.
Trotzdem JA, ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen und trete mir jetzt in den Allerwertesten. Step by Step. Bei jeder möglichen Situation!

Liebe Grüße vom energiegeladenen Faultier und Julia ♥️

Wenn Euch Julias Zeilen gefallen haben, könnt ihr Julia hier persönlich eine Nachricht zukommen lassen.

1306 – 2. Für unterlassene Hilfestellung!

Hallo und herzlich Willkommen zu Clausi and Friends! Julia hat heute wieder einen super Beitrag für Euch verfasst!

Für unterlassene Hilfestellung!

Ich bin so fasziniert davon, wie viel Neues ich lernen darf seitdem ich Mama bin. Ich mache mir Gedanken, wie mein Sohn am besten aufwachsen kann um sein Potential und seine Persönlichkeit bestmöglichst entfalten zu können. Da klingt die Überschrift auf den ersten Blick eher widersprüchlich.

Doch mein Credo ist: so natürlich wie möglich!

Ich lese grade ein Buch von Jean Liedloff: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“, was mich so umgehauen hat und mir noch radikaler zeigt, was natürliches Leben und natürliche Kindererziehung ist. Hier in der westlichen Zivilisation wissen wir Menschen nicht mehr, was das wirklich bedeutet. Wir sind so sehr von unserer evolutions-biologischen Spur abgewichen, dass wir es gar nicht mal mitbekommen haben. Doch das ist ein anderes Thema. 

Ich möchte hier nur einen Teil anreißen, der im Buch behandelt wird und den, wie ich finde, ich ziemlich gut und intuitiv mit meinem Sohn anwende. Beziehungsweise nicht anwende 😀 Nämlich die unterlassene Hilfestellung! (nicht zu verwechseln mit der Hilfeleistung in Notsituationen)

Wie lernen wir Menschen am besten? Ich denke nicht, indem wir ihnen etwas vorsagen, vorzeigen oder ihnen etwas in die Hand drücken. Oder noch schlimmer: indem wir ihre Körper so bewegen, wie es aussehen und ausgeführt werden sollte. Kinder lernen von älteren Kindern und Erwachsenen durch Nachahmen und durch Selbsterkundung und -erforschung ihrer Umgebung und ihres Körpers. Ganz instinktiv weiß der menschliche Organismus was er kann und lernt neue Fähigkeiten, indem er selbstständig und frei von Vorgaben neue Dinge ausprobiert. 

Hilfestellung von Außen bedeutet dabei Einschränkung der Entwicklung. In dem gleichen Maß wie Hilfe und Vorgaben von Außen hinzugefügt wird, verringert sich die Selbstwirksamkeit und das Selbstbewusstsein des Individuums.

Kennst du das, wenn du von einer anderen Person so viel Arbeit abgenommen bekommst, dass du selbst dafür nichts tun musst? Was passiert dann mit deiner Fähigkeit, die für diese Arbeit benötigt wird?

Meinem 9 Monate alten Sohn habe ich nie gezeigt, wie man Treppen hochkrabbelt und doch tut er es. Er sieht es an uns und will es nachahmen. Er versucht es, er schafft es nicht, er versucht es wieder, es funktioniert besser, usw…. so lange bis er ganz einfach das Bein auf die nächste Stufe bekommt. Nun hat er den Dreh raus. Und in der Zwischenphase dahin konnte er alles lernen, was gut und was weniger gut funktioniert. Welcher Winkel am besten passt, wie das Gewicht am besten verlagert werden muss, wohin der Arm im Idealfall greifen muss, wie viel Kraft er einsetzen muss, etc. Das alles hätte er in diesem Umfang nicht so gut gelernt, wenn ich ihm so viel vom eigenen Probieren abgenommen hätte und damit vermeintlich geholfen hätte.

Ich bin für konsequentes Selbst-Ausprobieren, ohne Hilfestellung für die Entwicklung wichtiger Fähigkeiten. Denn wie gesagt: jedes Eingreifen in diesen Prozess schmälert die freie Persönlichkeitsentfaltung.

Probier das mal bei deinen Mitmenschen aus und lass sie selbst machen 😉 Bei Kindern sieht man es am allerdeutlichsten! Ich werde das auch weiterhin beobachten und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Alles Liebe,

Julia

Wenn Euch Julias Zeilen gefallen haben, könnt ihr Julia hier persönlich eine Nachricht zukommen lassen.

1306 – 1. Welchen Preis bist Du bereit zu zahlen?

Hallo und herzlich Willkommen zu Clausi and Friends! Ich freue mich riesig, dass Julia heute den Anfang macht und ein wenig Vielfalt in den Blog bringt!

Welchen Preis bist du bereit zu zahlen?

Und das meine ich nicht nur in Bezug auf Geld. Sondern mal ganz allgemein: Was ist es Dir wert so zu leben, wie Du gerne leben möchtest? Und zahlst Du diesen Preis schon? Oder ist Dein Wunschleben Dir doch nicht so wichtig, wie Du es gedacht hast?

Solche Fragen stelle ich mir in letzter Zeit…

Aber erst kurz zu mir! Mein Name ist Julia und ich möchte hier auf Claudis Seite ihr Angebot nutzen und selbst mal etwas loszuwerden 😉 und darüber schreiben, was mich gerade beschäftigt und von dem ich denke, dass es anderen helfen könnte.

Ich bin 31 Jahre alt und wohne mit meinem Freund und unserem 9 Monate alten Sohn seit kurzem in Leipzig. Ich könnte über vieles berichten: Mamasein, Yoga, Ernährung, Freiheit. Doch vorerst beschäftigt mich (wie schon immer) die Frage: Was will ich eigentlich im Leben? Seien es die kleinen Dinge oder die großen.

Früher war es echt schwierig für mich zu wissen, was ich wirklich will. Ich wusste es einfach nicht. Ist doch seltsam oder? Wie kann man das denn nicht wissen? So langsam steige ich jedoch dahinter. Dabei hilft mir u.a. Yoga auch sehr viel… heißt: viel in mich hinein spüren, meine Wahrnehmung erhöhen, meinen Körper reinigen auf grobstofflicher und feinstofflicher Ebene. Und siehe da, ich merke immer mehr, was mir gut tut, in welchen Momenten ich aufblühe und wie ich allgemein mein Traumleben gestalten will.

Was zur nächsten Frage führt: Welchen Preis bin ich bereit für dieses Traumleben zu zahlen?

Kleines aktuelles Beispiel.

Ich liebe WANDERN ❤ Ich möchte unbedingt in die Berge, die frische Luft einatmen, die atemberaubende Aussicht genießen, die Sonne auf meiner Haut spüren und oben auf dem Gipfel mit etwas brennenden Beinen mich einfach glücklich und zufrieden hinlegen. Das alles am liebsten SOFORT! Doch..

Ich habe ein Baby. Mein Freund hat SOFORT keine Zeit mitzukommen. Also bin ich bereit den Preis zu zahlen und wandere alleine mit meinem Baby direkt los? Nein. Ich warte. Wandern gehen wir bald, dann alle zusammen. Hier bin ich bereit den Preis des Wartens zu zahlen.

Und so darf man sich die Frage bei allen Entscheidungen im Leben stellen. Denn wer das eine will, …usw. Zwar ein blöder Spruch, und doch ist er wahr. Jede Entscheidung, jede Handlung zieht Konsequenzen nach sich. Auch Karma genannt. Wenn ich etwas will und mich dafür entscheide diesen Weg zu gehen, darf ich mir der Reaktionen bewusst sein, die nach kurz oder lang kommen werden. Und bin ich bereit diese zu händeln?

Ohh man, hätte man mir das nicht schon viel früher so erklären können? Kommt ja noch hinzu, dass die meisten Konsequenzen nicht abzusehen sind.

Jedenfalls… um das Ganze mal etwas zu verdeutlichen, hier einige weitere Beispiele aus meinem Leben:

– Ich möchte Stoffwindeln für mein Baby benutzen. Bin ich bereit, den Aufwand des häufigen Waschens auf mich zu nehmen? > JA

– Ich möchte gesunde Lebensmittel in guter Qualität essen. Bin ich bereit mehr Geld für Bio Produkte auszugeben? > JA

– Ich hätte gerne ein neues Tattoo. Bin ich bereit dafür Geld zu investieren? > NEIN im Moment nicht

– Ich möchte öfter meine Freunde überall in Deutschland sehen. Bin ich bereit dafür alle paar Tage quer durch Deutschland zu reisen? > NEIN, das wäre mir zu stressig

Welchen Preis bist du bereit zu zahlen?

Für dein Leben? Für deine Freiheit?

Lasst gerne ein paar Zeilen da 😊

Alles Liebe,

Julia

Wenn Euch Julias Zeilen gefallen haben, könnt ihr Julia hier persönlich eine Nachricht zukommen lassen.

1610 – 41. Ich suche Dich!

Sommerpause.

Etwas früher als geplant, bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich eine Sommerpause benötige. Das Schreiben geht mir nicht mehr so leicht von der Hand bzw. erlebe ich gerade eine kleine thematische Durststrecke. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, bereits nach diesem Beitrag in die Sommerpause zu gehen.

Ich werde die Zeit nutzen um tief Luft zu holen, eine Routine in meine Yogapraxis zu bekommen, ich habe noch 3 Projekte, welche ich mit InDesign bis spätestens Ende des dritten Quartals umsetzen möchte und vor allem steht auch Urlaub auf dem Plan. Es wird für Christian und mich mit dem Bulli gen Süden gehen und ich hoffe, dass ich wieder ganz viel Inspiration auf der Reise einsammeln kann.

Ich melde mich am 31.08.2020 zurück!

Bis dahin könnt ihr nach wie vor mein Heft 1610 – Alle Beiträge aus 2019 ergattern.
Die bestellten Exemplare gehen auf jeden Fall noch bis zum 05.08.2020 in die Post.

Ich wünsche Euch bis dahin einen wundervollen, sonnigen Sommer und mit etwas Glück, müsst ihr nicht komplett auf die kleine Leseauszeit am Montagnachmittag verzichten, denn …

Ich suche Dich!

Du hast ebenso viel Spaß am Schreiben wie ich und könntest Dir vorstellen Deine Gedanken mit anderen Menschen zu teilen? Du möchtest etwas bewegen und als Inspirationsquelle voran gehen?

Dann freue ich mich, wenn du ein Teil von einehandbreitwasseruntermkiel.com wirst.
Ich möchte diesen Blog, aber vor allem meine Kolumne stetig weiter führen und wöchentlich mit Inhalten füllen. Dies ist für mich alleine nicht immer einfach. Manchmal fehlt die Zeit, manchmal die Ideen.

Thematisch sind Dir keine Grenzen gesetzt. Das was Dir auf der Seele liegt, gehört runter geschrieben und gesagt. Unter Deinem Namen, aber auch anonym. Genau so, wie Du Dich dabei wohl fühlst! Vielleicht hast Du auch nur Lust einmalig etwas zu schreiben? Auch dann bist Du herzlich Willkommen.

Derzeit erzielt einehandbreitwasseruntermkiel.com eine Reichweite von ca. 200-300 Aufrufen pro Woche. Dies reicht Momentan leider nicht, um Dir einen Obolus zu überreichen. Jedoch werde ich mich mit einem schmackhaften Weihnachtsessen für Deine Hingabe und Deinen Einsatz bei Dir bedanken und wer weiß, was wir beide oder auch wir drei oder vier irgendwann gemeinsam erreichen.

Wenn Du also Lust hast, auch einmal etwas zu veröffentlichen, zunächst als meine Urlaubsvertretung und zukünftig vielleicht als meine Dienstags-Deern oder mein Freitags-Flegel, dann schreibe mir doch gerne eine Email an moin@einehandbreitwasseruntermkiel.com oder eine WhatsApp an 0151-20241044.

Ich freue mich auf Dich!

1610 – 40. Der Pakt mit dem Teufel!

Mein liebes Rostock,

heute ist es einmal an der Zeit, dass ich mich persönlich an Dich wende!

Im Jahre 2015 stand ich schon mit einem halben Bein in Berlin und dann hast Du mir noch einmal kurz auf die Schulter geklopft. In Berlin hatte ich ein neues Jobangebot, viele meiner Mädels leben dort und ich hatte mich gedanklich schon sehr mit der Stadt auseinandergesetzt und auch angefreundet. Dich hatte ich noch flüchtig aus der Ausbildung in Erinnerung, welche eventuell durch den Studentenkeller auch noch ein wenig verschwommener war, als sie es unter normalen Umständen gewesen wäre. Ich kannte 1-2 Freunde noch von früher, keinesfalls war die Beziehung so eng wie zu meinen Mädels in Berlin. Doch aus irgendeinem Grund habe ich mich am Ende intuitiv für Dich entschieden.

Und Du warst so gut zu mir! Du hast mir die tollsten Nachbarn geschenkt, ohne die ich hier nie so angekommen wäre, wie ich es jetzt bin. Du hast mir wundervolle neue Kollegen vorgestellt, von denen ich heute eine zu meinen allerbesten Freundinnen zähle. Und du hast mich auch noch einmal dichter ans Meer gebracht, welches ich in regelmäßigen Abständen intravenös für mein Wohlbefinden benötige. Trotzdem habe ich Dir nach nur einem Jahr den Rücken gekehrt und bin in die große weite Welt entflohen.

Nach meiner Rückkehr hast Du nur die zweite Geige gespielt. 4 Monate lang habe ich versucht mich in Hamburg über Wasser zu halten um dann am Ende festzustellen, dass mein Herz nur für eine Stadt schlägt. Voller Demut habe ich meine Sachen gepackt und mich wieder in deinen Armen niedergelassen. Es waren kaum 2 Monate vergangen und Du hattest wieder nichts besseres im Sinn, als mir den Mann meiner Träume vor die Nase zu stellen. Du hast mir eine Wohnung geschenkt, von welcher aus ich meine Freunde binnen weniger Minuten fußläufig erreichen und ich die Warnow meinen Vorgarten nennen kann.

Doch, auch ich werde älter und sehne mich das ein oder andere Mal nach einem ruhigeren Rückzugsort, mit einem kleinen Garten vielleicht. Ich will Dich nicht verlassen und dies macht die Sache zu einem großen Problem. 750.000 EUR für ein Haus am Stadtrand, 623.000 EUR für eine 4-Zimmer-Wohnung in der Stadt, das werden wir uns in diesem Leben als Normalverdiener nicht leisten können. Den Kredit müssten wohlmöglich noch unsere Urenkel abbezahlen.

Mein liebes Rostock, ich kann Dir bei Weitem nicht so viel geben, wie Du mir in all den Jahren gegeben hast. Ich kann Dir nur eine Sache bieten, wenn Du mir dafür im Gegenzug einen letzten Gefallen, ein kleines Häuschen mit Garten durch den man auch mal nackig hüpfen kann, erweist. Meine Seele!

Ich freue mich von Dir zu hören.

Deine Claudi

Am Rande – Buch der Woche: Rutger Bregman – Utopia for Realists
(06/2020)

Wer mich ein wenig besser kennt, der weiß, dass er bei dem Thema 15 Stunden Arbeitswoche meine volle Aufmerksamkeit hat.
So ungefähr bin ich auch zu diesem Buch gekommen.

Mein Kumpel Flori hat mir bei einem gemütlichen Kneipenabend im Januar erzählt, dass der Podcast ‚Gemischtes Hack‘ über dieses Buch gesprochen hat. Er hat es noch nicht einmal selber gelesen, ich habe den Podcast nicht gehört und trotzdem lag es 2 Tage später in meinem Warenkorb. Dem Thema 15 Stunden Arbeitswoche sei Dank.

Ich habe das Buch nun durchgelesen und war sehr angetan. Es ist ein Buch für alle Querdenker und Weltverbesserer da draußen und zudem auch noch ein kleines BWL Studium.
Man hat das Gefühl, dass Rutger Bregman alle Publikationen dieser Welt gelesen hat, bevor er dieses Buch geschrieben hat.

Themen wie die 15 Stunden Arbeitswoche oder ein bedingungsloses Grundeinkommen oder die Abschaffung von Landesgrenzen sind nicht nur mit einem gefährlichen Halbwissen träumerisch in den Himmel gemalt, sondern knallhart recherchiert und anhand von Beispielen, welche teilweise schon ihre Anfänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten, argumentiert.

Mit den Worten von Oscar Wilde: „Progress is the realization of Utopias“! – Welcher DDR Bürger hat damals wirklich daran geglaubt, dass man eines Tages nur noch 5 Tage die Woche zur Arbeit gehen würde?! – Lasst uns nie aufhören an eine bessere Welt zu glauben! Alles ist möglich!

Don’t let anyone tell you what’s what. If we want to change the world, we need to be unrealistic, unreasonable, and impossible.
Remember: those who called for the abolition of slavery, for suffrage for women, and for same-sex marriage were also once branded lunatics.
Until history proved them right.

S. 264

1610 – 39. Lass mich nicht verbluten!

Der weibliche Zyklus.
Wer kann sich nicht noch dunkel an den Biologieunterricht in der 5. Klasse erinnern, als man leicht beschämt den weiblichen Zyklus erklärt bekommen hat?!
Auch ich kann mich noch daran erinnern, dass uns erklärt wurde, wie viele Tage er hat, wann der Eisprung ist, welche Verhütungsmethoden es gibt, da man mit Eintritt der Periode geschlechtsreif ist etc.

Woran ich mich nicht erinnern kann, ist, dass meine Lehrerin uns erklärt hat, wie blutig die Periode sein kann, welche Schmerzen man aushalten muss, dass sie mit Blähungen und Durchfall einhergehen kann, welche Gefühlsschwankungen man durchlebt.
An dieser Stelle wird es unzählbare Geschichten geben. Jeden Monat erlebt jede Frau jedes Mal einen vollkommen anders verlaufenden Zyklus. Mal stärker, mal schwächer.

Ich nutze die Periode heute exemplarisch um über die Sinnhaftigkeit von Karenztagen zu sprechen. Die Männer unter Euch denken sich an dieser Stelle jetzt vielleicht einfach die Migräne oder eine andere kurzweilige, steuerbare Krankheit.

Mein Zyklus verläuft jeden Monat anders. Mal geht er schleichend an mir vorüber, mal ist meine Periode so stark, dass ich mich mit Krämpfen zusammengekrümmt in meinem Bett wiederfinde. Dies ist dann ein Phänomen, welches ungefähr 1-2 Tage anhält. Nach ein paar Jahren in meinem eigenen Körper kann ich diesen ziemlich gut lesen und verstehen und das Letzte was ich in diesen Momenten will, ist zum einen zur Arbeit zu fahren und schmerzverzerrt den Tag über mich ergehen zu lassen und zum anderen mit meinen Bauchschmerzen, welche ich zu 100 % einordnen kann, bei einem Arzt im Sprechzimmer zu sitzen, weil ich ganz genau weiß, dass am nächsten Morgen alles wieder gut ist und mich genau aus diesem Grund auch der Arzt mit großen Augen fragend anschauen würde, was ich eigentlich bei ihm will?!

Leider ist es heutzutage noch nicht gang und gäbe, dass Karenztagsvereinbarungen standardisiert in Arbeitsverträgen vereinbart sind und deswegen appelliere ich an alle Arbeitgeber da draußen: Gebt Euren Mitarbeitern die Möglichkeit, max 1-2 Tage ohne Krankenschein Zuhause zu bleiben. Wir bringen Euch an solchen Tagen im Büro, in der KiTa, im Krankenhaus reichlich wenig, wenn wir nur damit beschäftig sind, unsere Schmerzen wegzuatmen. Wir wissen um unsere Verantwortung und wir kennen unsere Körper! Wenn ihr einen Ort geschaffen habt, wo wir uns wohl fühlen, dann sind wir die Ersten, die es nicht abwarten können, wieder im Büro zu sein.

Wenn es diese Möglichkeit jedoch nicht gibt, dann verbringe ich entweder einen in die Enge getriebenen Tag mit kompletten Unwohlsein oder aber ich gehe zum Arzt, nehme diesem die Zeit für wirklich ernsthaft erkrankte Menschen und bin am Ende wohlmöglich nicht nur einen Tag krankgeschrieben, sondern muss mich aus Sicht des Arztes mal so richtig erholen.

… und wenn es dann auch noch die Option von Home Office gibt, und wir uns mit einer Wärmflasche auf der Couch eingekuschelt vor den Laptop setzen können, dann brauchen wir im besten Fall gar keinen Karenztag.

1610 – 38. „Chef? komm heut nich.“!

Wenn ich mich beschreiben müsste, dann würde der Ausdruck ‚Learning-by-Doing‘ ziemlich genau auf mich zutreffen. Bevor ich mich stundenlang mit einer Theorie auseinandersetze, nehme ich die Dinge lieber gleich in die Hand und schaue, wie ich voran komme, hole mir auf dem Weg zum Ziel links und rechts Hilfe in jeglicher Form.

So ging es mir auch, als ich mein Heft „1610 – Alle Beiträge aus 2019“ designt habe. Nie zuvor hatte ich Berührungspunkte mit einem Layout- und Designprogramm. Dementsprechend saß ich am Anfang planlos vor meinem MacBook. Wo fang ich an? Wo hör ich auf? Farbcodes? Druckeinstellungen? Beschnitt?
Aiaiaiaiai!
Auf viele meiner offenen Fragen habe ich Antworten im Internet gefunden. Es ist ein wunderbarer Ort um sich neue Skills anzueignen. Es gibt Youtube Videos. Leute geben ihr Wissen auf Blogs und in Foren preis. Mit ein wenig Zeit, Geduld und der nötigen Portion Neugierde bin ich schneller voran gekommen, als am Anfang erwartet. Mit der Theorie des Programms.

Doch wie sieht eigentlich ein schickes Design aus? Wie baut man so ein Heft auf? Wo lässt man es drucken?

Für all diese Fragen hatte ich einen stillen Lehrer, welcher all die Stunden in physischer Form neben mir lag und ohne welchen ich am Ende nicht ans Ziel gekommen wäre!

„Chef? Komm heut nich.“
Das Heft ‚Chef? Komm heut nich.“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Freunden, deren große Leidenschaft es ist, all die Fußballstadien dieser Welt zu besichtigen und anschließend Berichte darüber zu schreiben. Wie der Zufall es so will, gehört mein Kumpel Benni diesem Kreis an. Er hat mir Anfang des Jahres ein Exemplar in die Hand gedrückt und so nahm dann meine Geschichte ihren Lauf.

Für mich als Laie ist es eine perfekte Umsetzung. Die Anordnung der Bilder und der Berichte. Keine Seite gleicht der anderen. Für mich war dieses Heft eine riesengroße Inspirationsquelle und wer genau hinschaut, findet vielleicht auch die eine oder andere Übereinstimmung. Ich fand einzelne Details so genial und wollte diese auch unbedingt in meinem Heft haben. Stundenlang habe ich mit InDesign gespielt, bis ich den Dreh am Ende raus hatte.

Am Wochenende durfte ich zu meiner großen Freude einige von den Jungs kennenlernen. Ich kann es nur immer wieder sagen. DANKE!

Was will ich Euch jetzt damit sagen?
Ich will Euch Mut machen! Das was andere können, das könnt ihr auch!
Gibt es etwas, dass ihr unbedingt schon immer einmal ausprobieren wolltet? Etwas das andere in dieser Art und Weise vielleicht schon machen und was ihr unheimlich bewundernswert findet? Dann ran an den Speck.
Probiert Euch aus! Setzt Euch mit der Thematik auseinander! Recherchiert! Macht Euch schlau! Sucht Euch Inspiration! Sucht Euch Lehrer! – Eines kann ich Euch mit Gewissheit sagen, jeder der etwas mit voller Leidenschaft ausführt, der gibt dieses Wissen auch mit voller Leidenschaft ohne Fragen und ohne Forderungen gerne weiter. Denn richtige Leader sind da, um das Beste aus Euch heraus zu holen und die Erfolge feiert man dann am Ende gemeinsam.

P.S. Leider bin ich noch eine kleine Aufgabe vom Wochenende säumig. Sollte einer von Euch Hobbyautoren dies hier lesen und sich dem Heft ‚Chef? Komm heut nich.‘ zugehörig fühlen, dann schick mir doch bitte an moin@einehandbreitwasseruntermkiel.com ein Foto von Dir und 2 Deiner Mitstreiter und ich erweitere anschließend meine Skills in Photoshop.

Am Rande – Let’s get married!

Ich hatte es letzte Woche schon kurz bei Instagram angedeutet.

Ich liebe es Gast auf Hochzeiten zu sein!

Wann gibt es heutzutage noch so durchweg positive Erlebnisse!? Okay, ein bis zwei könnte ich vielleicht noch aufzählen, aber Hochzeiten stehen für mich an erster Stelle.
Diese Liebe die auf Hochzeiten in der Luft liegt, dieses Mitgefühl, die Hingabe, mit welcher sich das Hochzeitspaar ansieht und welche sich zu 100% auf die Gäste überträgt, diese Gelassenheit, dieses Glück, es gibt keinen Platz für negative Einflüsse, Tränen, die mehr Freude nicht ausdrücken könnten.
Ich könnte noch ewig so weitermachen. Es ist einfach jedes Mal ein unheimlich ansteckender Tag. Alle sind glücklich, alle haben ein Lachen im Gesicht, alle freuen sich bedingungslos für das Paar.

Hach… heiratet mehr!

1610 – 37. Mach Deine Scheiße Tag!

Die beste Erfindung seit es Finn Kliemann gibt!

Wer kennt es nicht? Man ist frisch in seine Wohnung oder sein Haus eingezogen und verbringt die ersten Wochen damit, alle Kartons auszupacken und alles schick zu machen. Da man aber nicht immer gleich das passende Möbelstück, den passenden Lampenschirm oder die passenden Schrauben parat hat, muss an einigen Baustellen erstmal das Provisorium herhalten bzw. wird dieser Punkt auch erst einmal komplett ruhen gelassen – das machen wir später!
Und wie es dann immer so ist: Nichts hält länger als ein Provisorium und auf einmal ist schon wieder ein Jahr ins Land gezogen.

Und genau dafür hat Finn Kliemann den sogenannten „Mach Deine Scheiße Tag“ ins Leben gerufen. An diesem Tag erledigt man all die Sachen, welche immer liegen bleiben, aber gemacht werden müss(t)en.

Wir haben mit Sicherheit auch in unserer Wohnung genügend von diesen Baustellen, aber, das machen wir später! Am Samstag haben wir den Mach Deine Scheiße Tag unserem Bulli gewidmet.

Wir hatten damals große Umbaupläne. Wir haben am Anfang alles ganz akribisch umgesetzt und dann kam der Zeitpunkt, an dem wir ein Bett hatten. Mit dem Tag, an dem wir so richtig bequem im Bulli schlafen konnten, haben wir nicht mehr so wirklich irgendetwas umgesetzt. Hier ein Provisorium, da ein Provisorium und auf ging die Reise. Ein paar Dinge sind mir schon von Beginn an ins Auge gefallen, welche umbedingt gemacht werden mussten, aber dann war das Wochenende auch wieder vorbei und die Dinge störten nicht mehr. Aus den Augen, aus dem Sinn.

All diesen kleinen Baustellen haben wir uns Samstag gewidmet. Am Anfang sind wir noch ein wenig schwerfällig in den Tag gestartet. Wie soll die Stimmung auch sein, wenn es aus Eimern schüttet? Am frühen Vormittag waren wir dann jedoch startklar und sind zunächst in den Baumarkt gefahren. Ein paar kleine Besorgungen später fanden wir uns vor einem halb leeren Bulli vor und das fröhliche Basteln konnte beginnen.
Wir haben ein längeres Kabel zu unserem Solarpanel verlegt, welches nun unsichtbar hinter unseren Schränken verschwinden und nicht mehr quer, wie ein Wäscheleine, durch den gesamten Raum hängt. Wir haben den Übergang zwischen den Holzpaneelen verfugt und werden nun nicht mehr von unsauberen Übergängen angelacht. Wir haben die Schrankfronten endlich mit den Korpussen verschraubt und diesen noch einen kleinen Anstrich verpasst. Jetzt halten sie endlich auch, wenn das Bett mal nicht im Bulli ist. Zudem kamen noch ein paar kleine Gefahrenquellen dazu, welche nur aufgefallen sind, wenn wir mit meinen Nichten campen waren. Auch diese gibt es jetzt nicht mehr.

Besser hätte dieser verregnete Samstag nicht laufen können. Alle leidigen Baustellen sind weg. Immer wieder haben wir uns gesagt, das machen wir beim nächsten Mal. Jetzt haben wir einmal die Arschbacken zusammengekniffen, haben unsere Zeit nicht in die „schönen Dinge des Lebens“ investiert (surfen, campen, usw.) und waren am Ende des Tages einfach super glücklich und zufrieden.
Auch die lästigen Sachen zu Ende bringen, hat am Ende des Tages etwas super erfüllendes!

Wann finden Dein nächster Mach Deine Scheiße Tag statt?

Am Rande – Buch der Woche: Luca Di Fulvio – Als das Leben unsere Träume fand
(05/2020)

Luca Di Fulvio gehört schon seit einigen Jahren zu meinen Lieblingsautoren. Ich habe bisher jedes seiner Bücher aus dieser Reihe gelesen und somit durfte sein neuestes Werk in meinem Lesestapel nicht fehlen.

Eins muss ich vorwegnehmen: Das Buch ist nichts für sensible Gemüter!
Die Rezensionen auf Amazon sind aufgrund der Brutalität der Geschichte teilweise nur mit einem Stern ausgefallen.
Ich kann mir vorstellen, dass das Buch „Als das Leben unsere Träume fand“ für einige besonders schwer zu verdauen war, da es hier u.a. um Prostitution und Mädchenhandel Anfang des 20. Jahrhunderts geht.
Wer bereits die 3 Bücher zuvor gelesen hat, dem dürfte diese Brutalität jedoch nicht Neu sein. Es ist die Art von Luca Di Fulvio und das macht seine Geschichten am Ende aus.

Ich habe die 763 Seiten ruckzuck verschlungen. Da es i.d.R. immer ein Happy End gibt, wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter geht und konnte das Buch teilweise nicht aus der Hand legen. Es ist spannend und kurzweilig geschrieben und am Ende gab es den erwarteten glücklichen Ausgang.

Besonders gefallen hat mir, dass eine der Protagonistinnen das Schreiben für sich entdeckt und damit am Ende bekannt wurde. Vielleicht habe ich mich ein wenig in dieser Person wiedergefunden… Auf jeden Fall habe ich neuen Mut für meine Kolumne mitgenommen.

Denn ihr Vater hatte ihr beigebracht, dass jeder Mensch mehr noch das Recht als die Pflicht hat, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Und sie war jetzt hier, weil sie mit ihrem eigenen Kopf einige Entscheidungen getroffen hatte. Dabei spielt es keine Rolle mehr, ob diese Entscheidungen richtig oder falsch gewesen waren.

S. 238

1610 – 36. Heute mach‘ ich blau!

Es gibt Wochen, in denen kreiere ich meine Kolumne fast ohne darüber nachzudenken. Ein kleiner Spaziergang und eine ausgiebige Dusche später weiß ich Wort für Wort, was ihr am kommenden Montag zu lesen bekommt und muss es nur noch fix runter schreiben.
Und dann gibt es so Wochen wie die Letzte. Zuerst war ich krank, dann kamen wundervolle familiäre Verpflichtungen dazu und dann war auch noch Wind. Es ist jetzt Sonntag Abend und die Uhr zeigt 22:32 Uhr an. Wer mich etwas besser kennt, der weiß, dass ich eigentlich schon seit einer halben Stunde schlafen würde/müsste.
Die Verlockung war sehr groß, morgen einfach einmal blau zu machen.

Eine kurze Umfrage in meiner Instagram Story, bei welcher ich von Euch wissen wollte, ob ich lieber noch schnell in die Tasten hauen oder einfach gemütlich Polizeiruf 110 schauen sollte, bestätigte mein Vorhaben. So gut wie alle hatten Verständnis für mein kleines Zeitproblem, obwohl ich die Gründe noch nicht einmal dargelegt hatte. Und dann kam mir ein Zitat aus einem Interview in dem Süddeutsche Zeitung Magazin in den Sinn und nun habe ich den Laptop doch noch mit ins Bett genommen.

Es ist nicht der Einzelne, der gestresst ist, wir leben in einer Kultur, die in sich fragmentiert, zerrissen, anstrengend, eben unruhig ist, in einer Gesellschaft, die sich als ruhe- und rastlos präsentiert. Wenn ich zu einem Nachbarn oder Freund sage: „Ich muss los“, werde ich sofort verstanden, weil wir alle Leute sind, die demnächst losmüssen.

Interview im SZ Magazin mit Ralf Konersmann

Und dem kann ich nichts mehr hinzufügen.
Ich bin die Erste, die absoluten Verständnis hat, wenn jemand zu spät kommt, wenn jemand keine Zeit hat, wenn jemand kurzfristig ein Treffen verschiebt.
Manches Mal bin ich traurig, aber da ich selber zu gut weiß, wie es ist, keine Zeit zu haben, schaue ich drüber hinweg und freue mich auf das nächste Mal.
Manches Mal bin ich erleichtert, weil auch ich nicht so richtig Zeit gehabt hätte, weil der Schuh auch noch an einer anderen Stelle drückt und ich nun so gelassener diese Delle beheben kann.

Aber, sind wir mal ehrlich, es sind doch überwiegend immer nur die fürs eigentliche Leben – Genuss, Freude, Leichtigkeit – nicht relevanten Zeitfresser, die uns die Zeit für die Nachbarn und die Freunde nehmen, die uns rastlos werden lassen.
Manches Mal wünsche ich mir eine 2. Corona Welle, einfach nur, um sich nichts vornehmen zu können und mal wieder Zeit zu haben. Leider habe ich nämlich jetzt schon wieder das Gefühl, dass von diesem Aufbruch oder auch Umdenken nichts hängen geblieben ist.

In diesem Sinne:
Wenn ich das nächste Mal sagen will: „Ich muss los!“, werde ich mich hoffentlich an meine Worte von heute erinnern und anstatt dessen sagen: „Heute mach ich blau!“.

Am Rande (Dazu passend) – Was ich nicht mehr mache:

Studieren.
Wenn die Fernuni Hagen in ihrer Studienbeschreibung schreibt, dass man für ein Halbtagsstudium 20 Stunden Zeitaufwand in der Woche benötigt, dann meint die Fernuni Hagen das auch so.

Anfangs war meine Euphorie noch sehr groß und ich habe die Bearbeitung der Module ganz gut in meinen Alltag integriert bekommen. Jedoch bin ich nach nur wenigen Wochen immer mehr in Verzug geraten.
Ich bin meiner normalen Arbeit (35h) nachgegangen, ich stecke mittlerweile immer mehr Zeit in diesen Blog (15h), ich habe ein wundervolles Privatleben und verbringe liebend gerne Zeit mit meinem Partner, mit meinen Freunden und meinen quirligen Nichten. Noch einmal zusätzliche 20 Stunden haben ich mit all dem nicht vereinbart bekommen.

Zudem gibt es pro Semester immer nur einen Prüfungstermin, an welchem man persönlich anwesend sein muss. Dieser fiel passenderweise immer genau in unseren Urlaub, welchen wir nie einfach zuhause abbummeln.

Ich bin nach wie vor sehr an dem Thema Psychologie und vor allem an dem Teilgebiet Arbeitspsychologie interessiert. Die Fernuni Hagen war für die Erweiterung meiner Kenntnisse aber am Ende nicht der richtige Weg.

Ich halte weiter Ausschau und vielleicht findet sich ja bald für den Einstieg erst einmal eine passende Weiterbildung.

P.S. Ich ziehe meinen Hut vor all Euch Menschen da draußen, die neben der Arbeit solch ein Studium durchziehen. Mit Anfang 20 fiel mir das noch leicht und ich habe das irgendwie abgetan. Mit Anfang 30 merke ich, dass man dies nicht einfach mit links und 40 Fieber durchziehen kann.
Seid stolz auf Euch und erobert Euch Euer Leben zurück, wenn ihr diesen Meilenstein geschafft habt.