1610 – 13. Die Luft ist raus!

Hunger! Müde! Kalt!

Ich kann es schwer leugnen, das Jahr hat seine Spuren hinterlassen, so wie es jedes Jahr seine Spuren hinterlässt. Wenn ich zurück blicke, war dieses Jahr ein bunt gemischtes Auf und Ab.
Es gab zahlreiche wunderschöne Momente. Die Zeit zu Zweit in Tromsø, im Winterurlaub, in der Provence, auf Fuerteventura, zum 10. Mal bei Feine Sahne Fischfilet, im Alltag. Die Zeit mit Freunden in der Sommersonne auf unserer Terrasse, auf Festivals, in der Kneipe um die Ecke, beim Mitfiebern im Stadion, zuhause beim Hüten derer Kinder. Die Zeit mit der Familie beim Campen, beim Händchen halten mit Omi auf dem Weg zum Friedhof, an meinem Geburtstag an der großen Geburtstagstafel in unserer Küche.
Es gab neue Herausforderungen. Ich habe einen neuen Job in einer komplett neuen Branchen angefangen. Ich habe mich dazu entschieden nebenbei nochmal ein Studium zu absolvieren.
Und es gab auch Momente die weniger schön waren. Ich habe mir Anfang des Jahres eingestehen müssen, dass ich mich in einer depressiven Episode befinde. Langjährige Freundschaften gingen in die Brüche und auch unsere Beziehung verlief einen kurzen Augenblick etwas stürmisch.

Dazu reiht sich jetzt im kalten, dunklen Winter auch noch der Körper. Alles tut weh, der Rücken ist hart wie ein Brett, ich bin eher erschöpft als sonst, die Gastritis zeigt mir wieder täglich, dass ich sie nach 10 Jahren immer noch nicht abgeschüttelt habe.

Kurzum, die Luft ist raus!
Das Ende des Jahres steht nicht nur für den Wechsel einer Jahreszahl, sondern auch fürs zur Ruhe kommen. In der Besinnlichkeit von Weihnachten ist es an der Zeit zu reflektieren, zu akzeptieren und vor allem Dankbar zu sein.
Zudem ist es die Zeit um unseren Körper das zu geben, was wir ihm bis zum Zeitpunkt der Erschöpfung, der Dunkelheit abverlangt haben.
Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Tiere halten Winterschlaf und auch wir Menschen sind keine Maschinen, sondern sollten uns jetzt ganz bewusst auf eine Entschleunigung einlassen.
Das nächste Jahr kommt ganz bestimmt, mit neuen Herausforderungen, mit neuen Auf und Abs und dem wollen wir doch gewappnet sein!

Am Rande – Dämpfer der Woche

Mit Anfang 30 verspüre ich nun so langsam den Wunsch nach einer eigenen Immobilie. Ich bin zuvor viel rum gekommen und habe herausgefunden, dass Rostock die Stadt ist, in der ich zur Ruhe komme und in der ich alt werden möchte. Wie schön wäre es im Umkreis ein kleines Häuschen mit Garten und Hund zu haben.
Seit einer Weile schauen wir uns also nun schon in den gängigen Immobilienportalen um und haben festgestellt, dass Du entweder weit über 20 km von Rostock weg ziehen musst oder Du Dir als Otto Normalverdiener schlichtweg kein Haus leisten kannst.
Für ein normalgroßes Haus auf einem Grundstück um die 650 qm muss man um die 300.000 EUR auf den Tisch legen und dann ist die letzte Modernisierung aber auch schon weit über 20 Jahre her.
Also wäre die Alternative ein erschlossenes Grundstück zu kaufen und auf diesem ein Haus nach den eigenen Vorstellungen raufzusetzen. Wir haben uns umgesehen und ein Grundstück nach Schema F in einem typischen Neubaugebiet 8 km vom Stadtzentrum entfernt gefunden. Preis auf Nachfrage. Ich habe nachgefragt und mich sogleich nach der versteckten Kamera umgesehen, welche meinen Gesichtsausdruck beim Lesen der Antwort aufgenommen hat. 700qm für 280.000 EUR! Ein Haus können wir uns dann nicht mehr leisten, aber vielleicht können wir ja unseren Bulli darauf parken.
Mir stellt sich die Frage, in was für einer Stadt leben wir eigentlich? Den Tatsachen ins Auge geblickt, können sich doch nur noch Manager in top Führungspositionen einen eigene Immobilie leisten.
Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen! Für ein Haus müssten wir summa summarum um die 1.000.000 DM (EINE MILLION!) in die Hand nehmen!


Ach… eigentlich wohnt es sich in unserer Wohnung doch ganz schön.

1610 – 12. Mir geht es nicht gut! – Ein Repost

Vermutlich liegt es an der dunklen Jahreszeit…
Ich jedenfalls merke, dass meine Gedanken teilweise etwas abdriften und ich wieder mehr Zeit in meine mentale Gesundheit investieren muss, damit ich nicht unzufrieden werde.
Dies möchte ich heute zum Anlass nehmen, um noch einmal meinen Beitrag aus dem März zu veröffentlichen, welcher zum damaligen Zeitpunkt noch nicht Teil dieser Kolumne war und welcher seinen Platz hier mehr als verdient hat.

Mir geht es nicht gut!

Wie oft bekommen wir im Alltag die Frage gestellt „Wie geht es Dir?“ und wie oft antworten wir auf die Frage mit einem kurzen „Mir geht es gut!“, obwohl dem nicht so ist?!

In meinem Alltag treffe ich mich viel mit Freunden. Mein Freundeskreis ist in den letzten Jahren ein wenig geschrumpft. Das ist nicht schlimm, viel eher eine normale Entwicklung. Für mich bedeutet dies nur, dass ich meine Aufmerksamkeit einem kleineren Kreis von Personen schenke, öfter und intensiver. Manchmal besuchen wir zusammen Events in unserer Stadt und haben nebenbei nicht viel Zeit zu reden, andere Male wiederum sitzen wir einfach nur bei einem Glas Wein auf der Terasse und haben umso mehr Zeit uns über die aktuellen Geschehnisse auszutauschen. Die Gespräche verlaufen meistens fröhlich, in größeren Kreisen vermutlich immer. Dies ist durchaus eine schöne Entwicklung, doch entspricht dies auch immer der gegenwärtigen Situation eines Jeden in diesen Kreisen?

Ich habe das Gefühl, dass wir viel zu oft nicht darüber reden, wie es uns wirklich geht. Dies kann aus den ganz unterschiedlichsten Gründen erfolgen. Eventuell will man die Stimmung durch traurige Gedanken nicht vermiesen. Vielleicht hat man auch Angst, dass das Päckchen des Gegenübers schon viel zu groß ist und derjenige die zusätzliche Last nicht mehr tragen kann. Ein Anderer kann sich unter Umständen einfach nicht öffnen.

Mir selber geht es im Moment nicht gut! Nicht physisch, sondern psychisch. Ich bin auf meinem Weg falsch abgebogen und muss mich nun damit auseinandersetzen. Dies ist nicht immer einfach. Erfahrungen tuen weh, Selbstreflektion will gelernt sein und das zuvor gesteckte Ziel muss erst wieder in greifbare Nähe kommen bzw. komplett neu definiert werden. Doch auch wenn meine Grundstimmung gerade eher negativ ist, tut mir eins in diesen Momenten besonders gut. Reden!

Wie oft habe ich in den letzten Wochen bei Gesprächen mit Freunden einfach ehrlich aus dem Bauch heraus auf die Frage „Wie geht es Dir?“ mit „Mir geht es nicht gut!“ geantwortet. Und siehe da! Ich bin nicht alleine. Aus dieser anfangs schwierigen Situation wurden offene Gespräche und es geht im Moment nicht nur mir nicht gut. Aus den unterschiedlichsten Gründen tragen gerade einige meiner engen Freunde ein ähnliches Gefühl mit sich rum, was ich vorher nicht erahnt habe. Die Gespräche sind NIE so geendet, dass wir uns gegenseitig, verzweifelt in den Armen lagen. Viel mehr konnte man sich frei reden, Verständnis erhalten, Erfahrungen teilen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Dies ist manches Mal vielleicht nicht die sehnsüchtige Antwort auf die Verstimmung. Manches Mal bedarf es vielleicht weiterer Hilfe oder auch einfach nur Zeit. Dieses ist aber jedes Mal Balsam für die Seele und ein kleinerer Schritt Richtung Zufriedenheit.

Deswegen wünsche ich mir, lasst uns wieder offener über unsere Gefühle reden! Je nach dem wie es Euren Freunden geht, stecken sie entweder ihre eigenen Bedüfnisse zurück und hören Euch zu oder aber ihnen geht es ähnlich und man findet gemeinsam Halt. Sie sind für Euch da!

Mir geht es nicht gut! Und dir?

1610 – 11. Du musst nicht mehr weinen!

„Es gibt für mich nichts schöneres als zu sehen, wie du da oben glücklich auf meinen Schultern sitzt. Du hast 2 niedliche Zöpfe rechts und links, in der Hand hältst du einen Lolli und strahlst der Welt entgegen. Ab und zu höre ich wie Du Deine Lieblingslieder singst, die Strophen sind nicht immer in der richtigen Reihenfolge, aber das ist vollkommen egal. Dein ansteckendes Lachen zieht alle Menschen um uns herum in den Bann.
Du bist das Sinnbild von unbeschwerter Leichtigkeit!

Du bist so leicht, dass ich in einem unaufmerksamen Moment nicht merke, wie Du in einem tiefhängenden Ast hängen bleibst. Er hält Dich fest. Ich gehe weiter.
Ich merke nicht, dass du nicht mehr auf meinen Schultern sitzt. Doch irgendwann höre ich Dich schreien. Die Menschen um uns herum können Dich nicht hören, nur ich nehme Deine von tiefem Schmerz durchzogenen Schreie wahr. Ich höre Dich flehen, dass ich zurück kommen soll. Ich höre Dich flehen, dass Du noch viel zu klein bist, um alleine zurück zu bleiben. Du schreist und weinst und flehst ununterbrochen und mir schießen die Tränen in die Augen. Ich halte das nicht mehr aus. Verzweifelt suche ich Dich. Ich sehe Dich nicht. Dein Schreien wird lauter, dein Flehen wir dringlicher! Und dann, endlich, da sitzt du winzig klein unter dem großen Baum. Deine Augen zugequollen. Die Verzweiflung auf der Stirn zu stehen. Ich laufe zu Dir!

Ich nehme Dich in den Arm und halte Dich so fest ich kann. Ich trockene Deine Tränen. Während Du langsam zur Ruhe kommst, erzähle ich Dir mit leiser Stimme, dass Du keine Angst mehr zu haben brauchst. Ich weiß, dass Du in Deinem Leben Dinge erlebt hast, die nicht immer schön waren, aber ich versichere Dir, dass Du jetzt erwachsen bist und dass Du Dein Leben jetzt selber in der Hand hast und dass Dir so etwas nie wieder passieren wird.

Wir sitzen eine ganze Weile zu zweit so da und lassen einfach nur die Ruhe auf uns wirken. Ruhe, Liebe und Geborgenheit ist in diesem Moment das Wichtigste.
Es ist sehr spät, als ich es endlich geschafft habe den Platz unter dem Baum zu verlassen, aber das ist egal. In diesem Moment waren nur wir wichtig und das Gefühl, dass wir wieder Eins sind. Du hast den Platz auf meinen Schultern verlassen und bist wieder ein Teil von mir!

Mein geliebtes inneres Kind!“

Auf der Suche nach Antworten zu den vielen Fragen in meinem Kopf bin ich früh auf die Thematik des inneren Kindes gestoßen. Viele Konflikte die wir im erwachsenen Alter austragen, lassen sich darauf zurückzuführen. Manch einer hat vielleicht ein Problem mit Autoritäten, ein anderer kann keine glücklichen Beziehungen führen und wiederum ein anderer reagiert sofort beleidigt auf Kritik. Man reagiert unbewusst impulsiv aus den Bauch heraus und die Situation verkompliziert sich.
Dies sind oft Verhaltensweisen welche sich in der frühen Kindheit entwickelt und sich im späteren Leben durch diverse negative Erfahrung intensiviert haben.

Wir befinden uns heute glücklicherweise in einer Zeit, in der dieses Thema bereits umfassend erforscht wurde und es eine Vielzahl an Literatur dazu gibt, welche auch für Laien gut verständlich und nachvollziehbar ist.
Ich konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, dass ich mich immer auf Männer eingelassen habe, welche diese negativen Erfahrungen verstärken und mich unzureichend haben fühlen lassen, dass ich durch Vorgesetzte mit mangelnder Führungsqualität meine eigene Kompetenz als mangelhaft und schlecht eingestuft habe und diese negativen Gefühle sich auf mein Privatleben ausgewirkt haben.
Meine eigenen Verhaltensweisen, welche aus Erfahrungen entstanden sind, haben dies begünstigt und als ich das erkannt habe, habe ich mich dem Thema zum einen mit meiner Psychologin und zum anderen mit dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl angenommen.

Es ist alles andere als leicht! Man denkt an Erlebnisse, welche schmerzhaft sind und an welche man nie wieder denken wollte, welche man vergessen wollte. Diese Aufarbeitung ist anfangs definitiv nicht frei von Tränen und Schmerz, aber sie lohnt sich! Denn irgendwann kommt auch die Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass Du jetzt erwachsen bist und diese negativen Erfahrungen Dein heutiges Leben nicht mehr zu bestimmen haben. Die Erkenntnis, dass Du frei entscheiden kannst, welche Menschen positiv für Dein Leben sind und dass du die Menschen, die negative Gefühle in Dir auslösen, einfach vor die Tür setzen kannst!

Ich befinde mich derzeit an dem Punkt, an dem mein inneres Kind zwar immer noch da ist, wie eingangs beschrieben macht es sich in seltenen Momenten noch bemerkbar, aber ich habe jetzt jemanden an meiner Seite, der dies aushält, der mich in den Arm nimmt und mir die Geborgenheit schenkt, welche ich in diesen Momenten benötige.
Und für die überwiegenden leichten Lebensphasen war es wichtig, dass ich mit der Vergangenheit meinen Frieden geschlossen habe. Es war nicht immer alles schön. Aber wisst ihr was, mit diesem Frieden lebt es sich in der Gegenwart viel leichter und ist dies nicht das, was wichtig ist!? Auf die Vergangenheit haben wir keinen Einfluss mehr, aber den Augenblick können wir genießen.

Ihr seid nicht alleine! Alles wird gut!

1610 – 10. Frollegen!

Mein kleiner Ausflug nach Fuerteventura in den letzten 2 Wochen hat hier ganz schön für Aufschwung gesorgt. Gerne würde ich Euch viel öfter aus dem Alltag entführen und Euch einen kurzen Gedankenurlaub schenken, aber ich kann und möchte vielleicht auch gar nicht davon leben und deswegen geht es heute wieder zurück in die Arbeitswelt.

Mich beschäftigen derzeit viele Themen, aber leider habe ich noch sehr stark mit der Zeitumstellung zu tun. Mein Körper ist der Meinung, dass er sich direkt nach Feierabend auf die Couch begeben muss und dort dann am frühen Abend in den Ruhemodus übergeht. Jeder Widerstand ist zwecklos und ganz ehrlich, ich lasse es auch gerne und bereitwillig zu. Unser Sommer war hektisch und stressig, da holt sich mein Körper jetzt einfach seine Ruhe zurück und die soll er bekommen.

Aus diesem Grund gibt es nun heute nur einen kleinen, feinen Beitrag zu meinem Wort der Woche!

Frollegen
Ich bin in der letzten Woche zum ersten Mal beim Lesen eines Artikels auf diesen Begriff gestoßen und ich finde ihn ganz wundervoll!
Jeder von uns hat mit zunehmenden Alter die Erfahrungen gemacht, dass Freundschaften leider nicht mehr so intensiv sind, wie sie einmal waren. Jeder baut sich sein eigenes Nest und hat einen Partner/eine Familie. Dazu kommt die Arbeit, welcher man in der Regel 40 Stunden + Fahrtzeiten pro Woche widmet. In vielen Fällen gibt es auch eine räumliche Trennung. Eine meiner besten Freundinnen hat ihren Lebensmittelpunkt in Malmö. Diese Dinge und sicherlich noch einige mehr führen dazu, dass man sich nicht mehr so oft sieht, sich nicht mehr sofort austauschen kann, wenn es Glücksmomente oder Schwierigkeiten im eigenen Leben gibt.
Diese kann man aber, nur weil die Freundin in dem Moment nicht greifbar ist, nicht ausblenden, geschweige denn verschieben und dann kommen die Frollegen ins Spiel!
Wenn aus Kollegen Freunde werden. Wenn man gerne zur Arbeit fährt, auch wenn die Arbeit mal keinen Spaß macht. Wenn man weiß, dass man auch als Mensch im Unternehmen zählt und nicht nur als Produktivitätsfaktor. Wenn die Kollegen da sind, wenn die Freundin keine Zeit hat. Dann hat man Frollegen!

…. und ich habe da ganz tolle Exemplare erwischt. Damals wie heute. Danke!

1610 – 9. Wild’n’Fuerte #2

Was bisher geschah.
Die ersten Tage unseres Urlaubs auf Fuerteventura haben wir auf  2 Rädern, ohne Wind auf SUPs und mit Wind auf  Windsurfboards verbracht. Wer letzte Woche noch nicht dabei war, kann die Details hier noch einmal nachlesen.

Auch wenn ich an diesem Mittwochabend unheimlich erschöpft war, war es dennoch ein wunderschönes Gefühl. Wir haben den ganzen Tag am und im Wasser verbracht und sind dabei unserem Hobby nachgegangen.
Dies machte Vorfreude auf die letzten Tage.

Das Drama erreicht dann jedoch am Donnerstag seinen Höhepunkt. Ein Blick auf die Windvorhersage und auf die Fahnen der Surfschule verriet uns, dass der Wind noch etwas kräftiger war als am Vortag und wir konnten es kaum erwarten unsere Neoprenanzüge anzuziehen und ins kühle Nass zu springen. Dies wurde uns aber  untersagt. Im Gegensatz zum beispielsweise Saaler Bodden ist der Atlantik natürlich kein Stehrevier und an diesem Tag war der Wind so kräftig, dass die Surfschule (zu unserer eigenen Sicherheit) einen Wasserstart für den Verleih von Surfmaterial voraussetze. Man hat uns unsere enttäuschten Gesichter wohl angesehen und uns noch Hoffnung auf einen etwas mäßigeren Wind am Nachmittag gemacht. Somit saßen wir am Ende 3 Stunden lang am Ufer und haben den „Profis“ wehmütig dabei zugesehen, wie sie ihre Runden auf dem Atlantik drehten. Die Windstärke blieb durchweg konstant.
Die Laune war nicht mehr auf ein ertragbares Level zu bringen. Auch das vielfältige Abendbrotbuffet schmeckte an diesem Abend überhaupt nicht.
Die Enttäuschung war zu groß. Wir sind uns natürlich bewusst, dass der Atlantik schon eine große Hausnummer als Anfänger ist, leider erweckte aber der Internetauftritt der Surfschule den Eindruck, dass man den ganzen Tag auf der Lagune fahren kann und dies ist nicht der Fall. Diese füllt sich Gezeitenabhängig und ist max. 2 Stunden am Tag, 4-5 Tage die Woche befahrbar.
Da die Windvorhersage für unseren letzten Tag genauso aussah wie an diesem Tag entschieden wir uns vorab gegen das Surfen und Warten und stattdessen für das, was wir am besten können, einen kleinen Roadtrip.

Und dies war die vollkommen richtige Entscheidung.
Früh ging es für uns zur Autovermietung. Nach Übernahme des Renault Clio und dem Hinweis, dass die Versicherung nur auf Asphaltstraßen greift, ging es direkt die Schotterpiste entlang Richtung Süden.  Der kurvenreiche Anstieg führte uns zunächst nach Cofete. Dies ist ein kleiner, spartanischer Ort an der Westküste. Es ist erstaunlich was den Menschen zum Leben reicht und wie hoch doch unser eigener Standard ist. Landschaftlich haben mich die Berge und der raue Ozean ein wenig an Hawaii erinnert. Hier nur eben nicht saftig grün,  sondern grau in grau. Dennoch mindestens genauso schön und genauso beeindruckend!
Die anschließende Wanderung zu dem Roque del Moro brachte uns zu einem menschenleeren, kilometerbreiten Strand. Wir fühlten uns wie in einer Parallelwelt, konnten nicht glauben, dass wir dieses einzigartige Fleckchen Erde ganz für uns alleine hatten.

Den späten Nachmittag haben wir dann noch einmal komplett im Norden verbracht. In der Nähe des Ortes Corralejo findet man eine riesige Dünenlandschaft vor. Sand soweit das Auge reicht, rechts von einem an der Küste und ebenso links von einem im Landesinneren. Hier haben wir eine Weile die kraftvollen Wellen und die Wellenreiter beobachtet und zum Abschluss des Tages sind wir noch einmal eine Düne für den Sonnenuntergang hinaufgegangen.

Der Urlaub verlief nicht so wie wir es Anfangs geplant hatten, aber ein Glück sind wir improvisieren gewohnt und können den Blick trotz Niedergeschlagenheit schnell in eine Richtung wenden und nach Alternativen suchen. Somit hatten wir am Ende trotz allem einen klasse Urlaub!

Die Kanarischen Inseln waren bisher nicht unbedingt eines meiner Wunschreisegebiete. Ich habe mich hier sehr gerne und dankend belehren lassen. Trotz der vielen Urlaubsflieger tagtäglich bekommt man von dem Massentourismus abseits der Urlaubsorte absolut nichts mit und findet eine landschaftliche wunderschöne Region, welche sehr viel Ruhe ausstrahlt, vor. Vielleicht auf bald, zum Inselhopping  während des deutschen Winters mit unserem Bulli.

1610 – 8. Wild’n’Fuerte #1

Heute geht es endlich mal wieder zurück zu meinen Ursprüngen. Den Reiseberichten.
Wir waren letzte Woche auf Fuerteventura und davon möchte ich Euch heute erzählen.

Die Idee der Reise war, dass wir noch einmal dem Herbst und dem nahenden Winter entfliehen wollten. Einfach eine Woche lang Sonne, Wärme und surfen. Für dieses Vorhaben bot sich eine Pauschalreise nach Fuerteventura einfach super an. Hotel mit Halbpension und dem Surfspot direkt vor der Haustür.
Als wir die Reise dann vorletzten Samstag angetreten haben, fühlte es sich schon komisch an. Von Hamburg aus ging es knappe 5 Stunden mit dem Flugzeug auf die Insel, wo der Bus zum Hotel bereits auf uns wartete. Dort angekommen checkten wir in unser Zimmer mit einem prägnanten 90er Jahre Charme ein. Frühstück gibts von 08:00 Uhr bis 10:30 Uhr und Abendbrot von 18:30 Uhr bis 21:30 Uhr. Alles war durchdacht. Wir steuerten nach unserer Ankunft etwas neben der Spur zum Pool, zum Surfspot, zurück zur Poolbar. So richtig wohl habe ich mich nicht gefühlt, mir fehlte unser muckliger Bus, die Eigenständigkeit, die Planlosigkeit, die Zweisamkeit.

Da für die ersten Tage noch nicht wirklich Wind angesagt war, habe ich mich zu einer kleinen Roller-Tour überreden lassen. 220 km später auf einer Harley Davidson hat mir mein Po noch nie so weh getan. Bei einer Reisegeschwindigkeit von durchschnittlich 60 km/h habe ich mich sogar halbwegs wohl gefühlt und die Fahrt ein wenig genossen.
Fuerteventura ist karg, es gibt kaum Vegetation und einfach nur wunderwunderschön! Die Landschaft hat mich sehr beeindruckt, die meisten Orte außerhalb der Bettenburgen sich touristisch wenig überlaufen und überall liegt eine unbeschreibliche Ruhe in der Luft. Die Tour brachte uns zu den Höhlen von Ajuy und anschließend weiter in den kleinen Surferort El Cotillo.


Am nächsten morgen haben wir die Harley zurückgebracht. Diese hat uns ein deutscher Auswanderer vermietet. Bei Temperaturen um die 25 Grad und strahlendem Sonnenschein kamen auch bei uns die ersten Überwinterungsspinnereien in den Kopf.
Nach unserer Rückkehr im Hotel wehte immer noch kein Lüftchen. Also haben wir uns 2 SUPs ausgeliehen und auf diesen etwas im Wasser gespielt, versucht ein paar Wellen zu reiten. Der Blick vom Wasser auf die Insel, wieder einmal traumhaft.

Mittwoch ging es für uns früh hoch. Noch im dunklen verließen wir unser Zimmer und schlenderten einfach die Küste entlang Richtung Süden um uns den Sonnenaufgang anzuschauen.
Und dann war da nach dem Frühstück doch tatsächlich Wind. Voller Euphorie stürmten wir mit unserem Equipment in den Atlantik und dann, ging einfach nichts. Es herrschte auflandiger Wind, Weißwasser im gesamtem Stehbereich. Ich bin nicht einen Meter gefahren und lag nach 45 Minuten fix und fertig am Strand.
Am Nachmittag, mit der Flut, war dann die vor dem Haus liegende Lagune mit Wasser gefüllt und wir starteten einen neuen Versuch und nun waren auch endlich Fortschritte zu erkennen. Der mir zuvor nie gelungene Beachstart funktionierte am Ende des Tages ganz gut. Kaputt und glücklich und zufrieden ging für uns der Tag zu Ende.

Fortsetzung folgt….

1610 – 7. Ich hab Geburtstag!

Wie damals, wie ein kleines Kind, freue ich mich wenn dieser Tag im Jahr ansteht.


Indirekt freue ich mich das ganze Jahr über auf diesen Tag. Jedes Mal wenn ich die Zahlenkombination lese, habe ich ein Lächeln im Gesicht. Wenn ich es nicht verpasse, weise ich nach einem Blick auf die Uhr auch frei heraus mein Umfeld darauf hin: „Es ist 16:10 Uhr!“
Direkt steigt die Vorfreude dann wenige Wochen vorher vermutlich stärker an als bei vielen anderen. Dann kommt es schon mal vor, dass ich mich selbst nicht mehr so richtig ernst nehmen kann, wenn ich meine Freunde / Kollegen zum x-ten Mal darauf hinweise, dass es nur noch wenige Tage sind.

Warum ist das so? – Auf der Suche nach einer Erklärung!

In erster Linie bin ich ein Freund davon den Wert nicht auf materielle Dinge zu legen. Trotzdem gibt es aber natürlich immer wieder etwas Materielles, dass ich sooo gerne hätte, weil es schön ist, weil es mein Leben erleichtert, weil ich denke, dass ich es brauche (meistens immerhin für eine Weile), …. Ich versuche nach und nach mir diese Wünsche nicht sofort direkt zu erfüllen, sondern sie mir dann zum Geburtstag oder auch zu Weihnachten zu wünschen. Eine kleine Liste kommt häufig zusammen und so bleibt es dann am Ende immer eine Überraschung, was es gibt.
Ich lasse mich einfach immer noch unheimlich gerne überraschen. In diesem Jahr z.B. von einem mintfarbenen Mini (Klapp) Fahrrad, welches morgens gleich zu einer aufgeregten Probefahrt in unserer Wohnung ran durfte. Zukünftig gehört dieses zur festen Ausstattung auf unseren Bulli-Touren.
Also, seid geduldig! Was auch immer ihr Euch wünscht, kauft es euch nicht sofort, setzt es auf die Liste. Das Glück darüber ist doppelt so groß, wenn Eure Lieben es euch mit Freude schenken können.

Und dann ist da noch ein anderer Punkt, auf den ich mich jedes Jahr riesig freue. Auf alle Gratulanten!
Je älter ich werde, desto wehmütiger werde ich über die fehlende Zeit. Wie des Öfteren erwähnt die fehlende Zeit für meinen Partner, aber auch die fehlende Zeit für meine Freunde, alte Weggefährten. Es ist im Alltag verdammt schwer den Kontakt zu vor allem weit entfernten Freunden aufrecht zu erhalten. Theoretisch ist eine Nachricht schnell getippt, abends ist der Kopf dann aber meistens doch zu voll, die Hände zu schwer.
Deswegen freue ich mich immer sehr über all die Nachrichten zu meinem Geburtstag und nehme mir dann auch ganz bewusst die Zeit, um Danke zu sagen und mal wieder zu erfragen, wie es dem anderen geht. Man kommt wieder bewusst in den Austausch, denkt aneinander und lässt den Kontakt nicht vollends abklingen.
Es mag traurig klingen, dass ich mir „nur“ zu meinem Geburtstag die Zeit nehme, ganz so ist es nicht, ich versuche auch immer wieder übers Jahr hinweg am Ball zu bleiben, aber ich glaube viele von Euch können nachvollziehen, wie schwierig es ist.
Deswegen ist mein 2. Appell für heute, nehmt Euch die Zeit und antwortet! Ihr bedeutet den Menschen etwas und genauso versucht daran zu denken, all denen zu gratulieren, die Euch etwas bedeuten, die ihr aber schon viel zu lange nicht gehört habt.

Mit diesen Worten beende ich meine Geburtstagswoche 2019 und verabschiede mich bis ÜBERNÄCHSTE Woche, denn nächste Woche sind wir im Urlaub.

DANKE! 🙂

1610 – 6. Weil ich ein Mädchen bin ?!


Ich hatte in den letzten Wochen eine Begegnung, welche mich ziemlich wütend gemacht hat. Zwei kleine Wörter waren ausreichend, um die ganze Vielfalt an Schimpfwörtern in meinem Wortschatz zum Ausdruck zu bringen. Ich bin wahrlich kein Freund von Schimpfwörtern, vor allem nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen, aber hinter vor gehaltener Hand wirken sie ziemlich befreiend. Erst Recht, wenn man dies von dir nicht gewohnt ist und die im Raum Anwesenden aus Ehrfurcht nichts anderes mehr machen, als zustimmend zu nicken. 😉

Die Ausgangssituation war ein ganz normaler Arbeitstag. Ich habe einen Geschäftspartner, mit dem ich mich immer mal wieder rum ärgere, worüber ich dann aber auch schnell hinwegsehen kann. Diese Telefonate nehmen meisten nur einen winzig kleinen Teil meiner Arbeit ein und ich habe mittlerweile einfach verstanden, dass diese Person immer was zu meckern haben wird.
Ich hatte schon eine ganze Weile das Gefühl, dass meine Arbeit durch diese Person zwanghaft hinterfragt wird und nach jedem möglichen Fehler mit der Lupe gesucht wird. So auch an dem besagten Tag. Angeblich habe ich mehrere Fehler in einer Abrechnung gemacht. Dies konnte ich so nicht auf mir sitzen lassen und ich bat um die entsprechenden Nachweise, Gegenberechnungen. Ich habe mich kurz eingelesen und nach nur wenigen Klicks in Excel auch die Fehler gefunden. Nur gingen die Fehler nicht aus meiner Abrechnung hervor, sondern es waren einfache Rechenfehler meines Gegenübers. 4 von 5 Angelegenheiten konnte ich so widerlegen, die letzte war mir jedoch tatsächlich zuzuschreiben.
Ich verfasste eine freundliche EMail und erklärte den Sachverhalt, woraufhin binnen weniger Minuten noch einmal mein Telefon klingelte und mir einzig und allein folgender Satz in Erinnerung geblieben ist: „Jetzt hätten Sie junges Mädchen mich doch tatsächlich fast hinters Licht geführt!“

JUNGES MÄDCHEN! – Vielen Dank für das Kompliment!
Wir sind uns noch nie persönlich begegnet, er kennt einzig und allein meine Stimme. Was fällt ihm ein über mich zu urteilen?! Welches Recht hat er, mich auf eine niedrigere Stufe zu stellen? Um es nur einmal rein fachlich zu betrachten: Ich bin 30 Jahre alt, ich habe seit mehr als 10 Jahren Berufserfahrung, ich habe eine Ausbildung, ich habe studiert.
Ich war ausßer mir und habe dann so reagiert, wie ich es wohl zuvor noch nie gemacht habe. Ich habe ihn sachlich darauf hingewiesen, dass dies nicht angebracht war, habe ihm den Sachverhalt erklärt und ihn darum gebeten, mir als FRAU den nötigen Respekt entgegen zu bringen.
Ich hörte nur noch ein kurzes So-war-das-nicht-gemeint-Stottern und habe das Telefonat beendet.

Arschloch! Punkt.

Die Schimpfwörter konnte ich mir dann, wie eingangs beschrieben, nicht verklemmen, nur waren diese meine Kollegen vorbehalten.
Ich war sehr verärgert, aber ich habe mich auch gut gefühlt. Lange Zeit konnte ich überhaupt nicht kontern, habe lieber klein beigegeben und den Frust mit mir ausgemacht. Hätte ich es in dieser Situation so gehandhabt, hätte ich die Zügel vollends aus der Hand gegeben.

Vermutlich, ich wünsche es mir, sind diese Persönlichkeiten (Ich will dieses Verhalten nicht rein Männern zu schreiben) eine Ausnahme. Dennoch gibt es sie und deswegen gilt es in solchen Situation eine Regel zu beachten: Macht den Mund auf!
Ihr seid da, wo ihr gerade in Eurem Leben seid, sei es beruflich oder privat, nicht ohne Grund und darauf könnt ihr stolz sein, dies dürft ihr selbstbewusst präsentieren und dazu steht ihr!

1610 – 5. „Ich möchte mehr Zeit!“, sagte sie und ging studieren…

Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere, erinnere ich mich an Mitschüler, welche früh wussten, welchen Job sie einmal ausführen möchten und sogleich alles dafür getan haben.
Einige von diesen Mitschülern sind heute, 11 Jahre nach unserem Schulabschluss, in diesem Job tätig und genauso enthusiastisch wie damals.
Ich zählte nicht zu dieser Gruppe. Ich gehörte zu denen, die alles auf sich zukommen ließen, die lieber unter der Woche bis das Licht anging im Club waren und ohne großen Aufwand, aber auch nicht mit den besten Noten, das Abitur bestanden haben.

Meine „Berufung“ war nie eine frühe Eingebung, meine „Berufung“ ist ein Weg aus Erfahrungen und Erkenntnissen und aus Loslassen.

Auch nach dem Abitur wusste ich immer noch nicht, was ich mit meiner Zunkunft anfangen möchte. Ich habe mich mit der erstbesten Option zufrieden gegeben und eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Ziemlich schnell hatte ich mich an die finanzielle Unabhängigkeit gewöhnt und bin so in die Festanstellung als Beraterin geschlittert. Glücklich war ich damit nie. Die kaufmännische Richtung hat mir durchaus gefallen, aber das Verkaufen von Konten und Versicherungen hat mir unzählige schlaflose Nächte bereitet.
Ich musste etwas ändern, darauf aufbauen und somit befand ich mich in einem berufsbegleitendem BWL Studium wieder. Die erlernten Kenntnisse konnte ich dann auch als Assistentin der Geschäftsleitung anwenden, aber so richtig erfüllt hat mich auch diese Position nicht. Ich war zwar nicht mehr an der Front, aber immer noch in der Bank. Nach nur wenigen Monaten habe ich meine Kündigung eingereicht.
Ich hatte die Hoffnung, dass ich auf meiner anschließenden Weltreise die erwünschte Erleuchtung erlange. Ich habe meinen Horizont erweitert, neue Länder und Kulturen kennengelernt, Unmengen an neuen Erfahrungen gesammelt, aber eine Erleuchtung erfuhr ich nicht. Ich konnte die Vorstellung von meiner Berufung freilich etwas näher einkreisen, einen genauen Weg hatte ich jedoch nicht vor Augen.
Und somit habe ich mich nach meiner Rückkehr wieder ausprobiert. Der erste Job hat mir weniger zugesagt, hat mir aber wiederum die Tür für den Folgenden geöffnet. Als Projektmanagerin in der medizinischen Forschung habe ich mich mit meiner Tätigkeit sehr wohl gefühlt, nur leider machte mir dort die Arbeitsumgebung einen Strich durch die Rechnung…

Und dann kommt irgendwann der Punkt an dem man anfängt zu zweifeln. Wer bin ich und was mache ich hier? Wieso komme ich nicht an? Wieso kann ich mich nicht einfach zufrieden geben?
Ich habe immer mal wieder überlegt, ob ich nochmal ein Studium aufnehme, was ganz anderes. Der Gedanke daran, dass ich ja dann schon Mitte dreißig bin, wenn ich dieses abschließe, hat mich aber jedes Mal davon abgehalten… bis zu dem Zeitpunkt in diesem Jahr, als ich mich mit einer Freundin gestritten habe.

Kurzum ging es darum, dass ich um Rat gebeten wurde, mit meinem psychologischen Alltagswissen/vermutungen reagiert habe und am Ende nicht Ernst genommen wurde, da es sich um Westentaschenwissen und nicht um wissenschaftlich fundiertes Wissen handelte.
Wenn man diesen Sachverhalt näher betrachtet, ist dies volkommen richtig. Ich interessiere mich sehr für psychologische Zusammenhänge, belese mich und versuche dann nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, richtig „gelernt“ habe ich dies aber nicht.
Und dann habe ich mich von dem Gedanken gelöst, dass ich ja schon Mitte dreißig bin, wenn ich jetzt ein Studium beginne und habe mich einfach eingeschrieben. Ich Interessiere mich brennend für dieses Thema, liebe es darüber zu philosophieren, wieso mache ich mir also diese sogenannte intrinsische Motivation nicht zu Nutze?

Seit dem 01.10.2019 studiere ich nun also Psychologie an der Fernuni Hagen. Nebenberuflich. Ich arbeite nach wie vor in der kaufmännischen Betriebsführung, denn wie Anfangs erwähnt, fühle ich mich grundsätzlich in diesem Gebiet und vor allem bei meinem jetzigen Arbeitgeber gut aufgehoben. Dennoch habe ich mit dem Entschluss das Studium zu beginnen und der Zuversicht, dass ich die beiden Bereiche in der Zukunft vereinen kann, noch mehr Zufriedenheit erlangt. Denn meine Berufung ist keine Eingebung, sondern wie ich herausgefunden habe, ein Weg.
Stück für Stück werde ich diesen gehen und vielleicht in 10 Jahren wieder ein ganz andere Richtung einschlagen, aber was ist daran schlimm, so lange es mich glücklich macht!?

Solltet auch ihr Euch in diesen Zeilen wiederfinden, das Gefühl zu haben, auch nach Jahren noch nicht den passenden Job auszuführen, dann gebt nicht auf, fangt Neues an, scheitert und steht wieder auf, folgt Eurer Intuition und Eurer intrinsischen Motivation.
Es ist vollkommen Okay den Karrierepfad mit Bergen und Tälern und nicht die Karriereleiter zu gehen.



1610 – 4. Tschüssikowski!

Ich bin beeinflussbar. Ich bin glücklich. Ich bin traurig. Ich bin sensibel. Ich bin intelligent. Ich bin naiv. Ich bin stark. Ich bin schwach. Aber vor allem bin ich beeinflussbar!

In der letzten Zeit hatte ich wieder öfter das Gefühl, dass es mir nicht gut geht. Schnell habe ich wieder unserem Urlaub „die Schuld“ gegeben. Diese wundervollen 2 Wochen mit Unmengen an Zeit für uns. Unmengen an Zeit für uns, da wir nicht arbeiten mussten, aber auch weil das Datenvolumen des Smartphones bei so einem Roadtrip begrenzt ist und wir das Handy dann doch die meiste Zeit links liegen lassen haben, unerreichbar waren, für unsere Freunde und für äußere Einflüsse.

Christian und ich haben uns die letzten Tage viel über meine Stimmung unterhalten und am Ende konnte ich für mich immerhin schon mal einen Störfaktor herauskristallisieren.
Social Media – Instagram und Facebook.

Denn seien wir mal ehrlich. Ich jammere über die Zeit, die wir im Alltag für uns nach Feierabend nicht haben, für Social Media habe ich aber Unmengen an Zeit. Ich komme nach Hause, wir treffen uns erschöpft auf der Couch und anstatt uns nochmal aufzuraffen, sei es auch nur für eine kleine Runde um den Block, greifen wir beide zum Handy und scrollen ziellos durch Instagram und Facebook. Unzufrieden schauen wir uns auf dem Weg ins Schlafzimmer an, wieder keine Zeit für uns gehabt!

Und dann ist da noch ein anderer Aspekt, welcher für mich noch viel stärker ins Gewicht fällt.
Wir hatten einen genialen Roadtrip. Frei und ungebunden haben wir uns jeden Tag spontan entschieden, was wir als nächstes machen wollen. Dies ist nun zurück im Alltag nicht mehr der Fall. Wir haben unsere Verpflichtungen, wie jeder andere auch, nur wie alle Leute bei Instagram nicht. Dort leben immer noch alle ihr schönes, freies Leben. Tagtäglich und nicht nur für 2 Wochen. Ach und die, die nicht gerade ihr perfektes Reisepärchenleben zur Schau stellen, die sind gerade in ihr neues Haus gezogen und haben genau die Einrichtung, die ich doch so gerne in meinem Haus hätte, welches ich mir im Speckgürtel von Rostock nie im Leben werde leisten können. Und dann all die Mädels in meinem Alter, mit ihrem ach so süßem Kind beim Kaffee trinken und nebenbei nochmal schnell ein Bild von ihrer Märchenhochzeit hochladen… Ich bin so glücklich wie noch nie, ich möchte die Zeit zu Zweit noch ein wenig länger auskosten, aber irgendwie zwickt es dann doch. 31 werde ich ja in 2 Wochen auch schon!


Für einige von Euch mag dies überspitzt klingen, aber leider beeinflussen mich diese vielen Fotos vom schönen, besseren Leben. An einigen Tagen jucken sie mich wenig, an anderen Tage bin ich labiler und lasse meine Stimmung von diesen Bildern trüben. Ich weiß es besser, aber ich kann es nicht steuern. Selbst wenn ich es steuern könnte, mir nur das anschauen würde, was mir gut tut, kommt Instagram mit einem breiten besserwisserischem Grinsen um die Ecke und präsentiert mir dann doch wieder Werbung von all diesen Menschen, mit ihrem schönen, besseren Leben!

Instagram – Du hast dein Ziel verfehlt!
Ich mag bearbeitete Bilder, mit Photoshop das beste aus einem Landschaftsfoto rausgeholt, für mich ist das Kunst. Ich interessiere mich für das Leben meiner Freunde und deren Erlebnisse.
Aber ich interessiere mich nicht für all die Likes, für all die Werbung, für all die Influencer, die uns Normalos zum kaufen animieren sollen, für all den Fake, für all die Algorithmen und vor allem nicht für ein Geschäftsmodell, welches labilen Persönlichkeiten keine Kontrolle gibt.
Aus diesem Grund habe ich in der letzten Woche mein Konto gelöscht und freue mich nun auf die glückliche, unbeschwerte Zeit im Hier und Jetzt!