Ich hatte in den letzten Wochen eine Begegnung, welche mich ziemlich wütend gemacht hat. Zwei kleine Wörter waren ausreichend, um die ganze Vielfalt an Schimpfwörtern in meinem Wortschatz zum Ausdruck zu bringen. Ich bin wahrlich kein Freund von Schimpfwörtern, vor allem nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen, aber hinter vor gehaltener Hand wirken sie ziemlich befreiend. Erst Recht, wenn man dies von dir nicht gewohnt ist und die im Raum Anwesenden aus Ehrfurcht nichts anderes mehr machen, als zustimmend zu nicken. 😉

Die Ausgangssituation war ein ganz normaler Arbeitstag. Ich habe einen Geschäftspartner, mit dem ich mich immer mal wieder rum ärgere, worüber ich dann aber auch schnell hinwegsehen kann. Diese Telefonate nehmen meisten nur einen winzig kleinen Teil meiner Arbeit ein und ich habe mittlerweile einfach verstanden, dass diese Person immer was zu meckern haben wird.
Ich hatte schon eine ganze Weile das Gefühl, dass meine Arbeit durch diese Person zwanghaft hinterfragt wird und nach jedem möglichen Fehler mit der Lupe gesucht wird. So auch an dem besagten Tag. Angeblich habe ich mehrere Fehler in einer Abrechnung gemacht. Dies konnte ich so nicht auf mir sitzen lassen und ich bat um die entsprechenden Nachweise, Gegenberechnungen. Ich habe mich kurz eingelesen und nach nur wenigen Klicks in Excel auch die Fehler gefunden. Nur gingen die Fehler nicht aus meiner Abrechnung hervor, sondern es waren einfache Rechenfehler meines Gegenübers. 4 von 5 Angelegenheiten konnte ich so widerlegen, die letzte war mir jedoch tatsächlich zuzuschreiben.
Ich verfasste eine freundliche EMail und erklärte den Sachverhalt, woraufhin binnen weniger Minuten noch einmal mein Telefon klingelte und mir einzig und allein folgender Satz in Erinnerung geblieben ist: „Jetzt hätten Sie junges Mädchen mich doch tatsächlich fast hinters Licht geführt!“

JUNGES MÄDCHEN! – Vielen Dank für das Kompliment!
Wir sind uns noch nie persönlich begegnet, er kennt einzig und allein meine Stimme. Was fällt ihm ein über mich zu urteilen?! Welches Recht hat er, mich auf eine niedrigere Stufe zu stellen? Um es nur einmal rein fachlich zu betrachten: Ich bin 30 Jahre alt, ich habe seit mehr als 10 Jahren Berufserfahrung, ich habe eine Ausbildung, ich habe studiert.
Ich war ausßer mir und habe dann so reagiert, wie ich es wohl zuvor noch nie gemacht habe. Ich habe ihn sachlich darauf hingewiesen, dass dies nicht angebracht war, habe ihm den Sachverhalt erklärt und ihn darum gebeten, mir als FRAU den nötigen Respekt entgegen zu bringen.
Ich hörte nur noch ein kurzes So-war-das-nicht-gemeint-Stottern und habe das Telefonat beendet.

Arschloch! Punkt.

Die Schimpfwörter konnte ich mir dann, wie eingangs beschrieben, nicht verklemmen, nur waren diese meine Kollegen vorbehalten.
Ich war sehr verärgert, aber ich habe mich auch gut gefühlt. Lange Zeit konnte ich überhaupt nicht kontern, habe lieber klein beigegeben und den Frust mit mir ausgemacht. Hätte ich es in dieser Situation so gehandhabt, hätte ich die Zügel vollends aus der Hand gegeben.

Vermutlich, ich wünsche es mir, sind diese Persönlichkeiten (Ich will dieses Verhalten nicht rein Männern zu schreiben) eine Ausnahme. Dennoch gibt es sie und deswegen gilt es in solchen Situation eine Regel zu beachten: Macht den Mund auf!
Ihr seid da, wo ihr gerade in Eurem Leben seid, sei es beruflich oder privat, nicht ohne Grund und darauf könnt ihr stolz sein, dies dürft ihr selbstbewusst präsentieren und dazu steht ihr!