1610 – 33. Du bist nicht Dein Job!

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie sich mein Leben auf Arbeit auf mein Privatleben auswirkt.

Früh wurde mir beigebracht, dass ich nur mit greifbaren Erfolgen etwas wert bin.
In der Bank war es so, je erfolgreicher Du warst, d.h. je mehr Du verkauft hast, desto höher wurdest Du auf das Treppchen gestellt, desto mehr Anerkennung, mehr Geld hast Du bekommen. In jedem Mitarbeitergespräch wurde ich gefragt: „Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?“ – Die Antwort zielte immer auf eine weitaus höhere Position ab, auch wenn es gar nicht das war, was ich wirklich wollte, aber nur dann wurde man wahr genommen. Je ambitionierter das Ziel, desto mehr musst Du dafür machen und desto mehr stellst Du irgendwann Dein Arbeitsleben über Dein Privatleben.
Und was ist, wenn Du aufgrund Deinem natürlichen Wesens diesem Druck gar nicht gewachsen bist? Was ist, wenn Du eine Person bist, die introvertiert lieber in kleinen Schritten voran kommt? – Du kannst Glück haben und unbemerkt Dein Ding machen, viel Wertschätzung wirst Du dafür aber nicht erfahren.

So war die Situation vor knapp 10 Jahren. Vielleicht gab es mittlerweile schon einen Wandel. Ich wünsche es mir sehr.
Ich konnte mich immer irgendwie, man muss es so sagen, durchmogeln. Ich stand mit meinen Kollegen oben auf dem Treppchen und habe die Wertschätzung erhalten, die ohne Ausnahme jedem Einzelnen Mitarbeiter einer Firma zustehen sollte. Denn auch die „Schwächeren“ haben einen Beitrag zu dem Gesamterfolg geleistet. Mir hat dies, je älter ich wurde, mehr und mehr zu schaffen gemacht. Ich merkte, dass ich damit nicht umgehen kann, dass mich diese Wettkampfumgebung unglücklich macht. Ich bin nicht höher, weiter, schneller, Ellenbogen! Ich bin gemeinsam Hand in Hand niemanden auf der Strecke lassen.

Und auch heute erwische ich mich wie beispielweise in meinem Job zuvor noch dabei, wie ich wieder diesen Durst nach Anerkennung verspüre. Nimm mich wahr, schenke mir Lorbeeren, ich arbeite doch so emsig wie es nur geht! Und wenn ich dann nicht das zurückerhalte, was ich mir in diesem Moment so sehr wünsche, bekomme ich schlechte Laune, bin ich enttäuscht und diese Enttäuschung schüttele ich nicht vor der Hauseingangstür ab. Ich rede über nichts anderes und bin traurig, obwohl doch zuhause alles wunderbar ist.

Schauen wir uns mal den Lebenszyklus an. Wir wachsen als Kinder wohl behütet im Kreise unserer Familie auf. Wir spielen sorglos mit unseren Freunden. Sie alle bekommen unsere beste Version zu Gesicht. Und später im Rentenalter, dort gibt es keinen Job mehr! Dort liegt der Fokus wieder auf der Familie, auf dem Genießen, auf dem Glücklich sein.
Wieso machen wir es uns in den Jahren dazwischen so schwer?

Unsere Freunde und unsere Familie sind es, die uns immer den Rücken stärken, die uns auffangen, wenn es uns schlecht geht, die uns aufmuntern, die uns wertschätzen, die uns unterstützen, die mit uns lachen und mit uns weinen, welche wir mit den glücklichsten Momenten unseres Lebens verbinden. Und genau sie haben es verdient, dass wir ihnen mit einem breiten Lächeln entgegen treten und unbeschwert das Leben feiern.

Ich glaube es nimmt sich nicht viel, ob wir einen Job haben, der 100% unserer Leidenschaft entspricht oder ob wir einen Job haben, zu dem wir nur an 4 von 5 Tagen gerne fahren, schlechte Tage wird es immer geben. Das Wichtige ist, dass wir diese schlechten Tage nicht überwiegen und sich auf unser Privatleben auswirken lassen. Denn das ist das, was am Ende wirklich zählt!

Wenn mich heute jemand fragt, wo ich mich in 5 Jahren sehe, dann sage ich: „Ich sehe mich mit einem Gin Tonic in der Hängematte liegend das Leben genießen und habe einen Job, der mir nicht meine Energie raubt und welcher bestenfalls mit diesem Blog zu tun hat!“

Am Rande – Willst Du meine Greencard sein?

Mir ist aufgefallen, dass ich jede Woche eine/n Leser/in aus den USA habe.

(Exkurs: Du kannst Dich jederzeit ganz anonym auf meiner Homepage herumtreiben. Ich sehe lediglich wie viele Personen pro Tag/Woche/Monat/Jahr vorbeigeschaut haben und aus welchen Ländern die Aufrufe erfolgt sind.)

Es gibt so Orte und Länder die ziehen mich in ihren Bann. Dank des Work and Holiday Visums hatte ich bereits die wundervolle Möglichkeit für eine längere Zeit in Neuseeland zu leben. Ich konnte dort arbeiten und gleichzeitig Land und Leute kennenlernen.

Ebenso wie Neuseeland sind auch die USA so ein Land, an welches ich mein Herz verloren habe. Ich fühle mich dort einfach wohl. Die Mentalität, die Offenheit der Einheimischen fasziniert mich. Dazu noch die Vorstellung morgens mit einem Spaziergang am Pazifik in den Tag zu starten…
Ich würde diese Eindrücke gerne auch einmal für einen längeren Zeitraum einfangen wollen. 3 Wochen Urlaub sind dann doch immer viel zu schnell vorbei und ein längerer Aufenthalt ist für mich ohne zu arbeiten nicht finanzierbar. Leider gibt es für die USA kein Work and Holiday Visum. Aus diesem Grund würde ich gerne mehr über Dich erfahren!

Solltest Du nicht über einen Proxy Server auf meine Homepage zugreifen, sondern tatsächlich jede Woche aus den USA meine Beiträge lesen, würde ich mich riesig freuen, von Dir zu hören.
Wer bist Du? Was machst Du? Willst Du meine (& Christians) Greencard sein?

Für mich steht nun eine kleine Pfingstpause an. Wir lesen uns am 08.06.2020 wieder.
Solltest Du in der Zwischenzeit nicht auf meine Beiträge verzichten wollen, kann ich Dir unter dem Menüpunkt Räubern oder direkt in diesem Beitrag mein Heft mit allen Beiträgen des letzten Jahres ans Herz legen.

Heft „1610 – Alle Beiträge aus 2019“

Auf die Hand! In dem Heft findest Du noch einmal alle meine Beiträge aus dem Jahr 2019 zum Nachlesen. 112 Seiten. Recyclingpapier. Limitierte Auflage von 100 Stück. Preis inkl. Verpackung und Versand. Versandfertig in ca. 3-5 Werktagen.

€16,10

1610 – 32. Samthandschuhe, Feingefühl und Rückendeckung!

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie es mich im letzten Jahr komplett aus der Bahn geworfen hat und vor allem wie ich mich in dieser Zeit gefühlt habe. Ich habe eine innere Leere empfunden, ich war antriebslos, ich habe viel geweint, ich konnte meine heimischen 4 Wände kaum verlassen ohne ein komplettes Unwohlsein zu verspüren.

Genauso schlimm wie es für mich war, war es aber auch für Christian, für meine Freunde, für meine Familie. Wie geht man mit jemanden um, der depressiv ist? Für die anderen mag das Problem aus eigener Erfahrung von geringfügigem Wert sein, für sie ist es selbstverständlich, dass alles wieder gut wird. Man selber hat den Silberstreifen am Himmel jedoch aus den Augen verloren.

Folgende drei Punkte haben mir persönlich sehr weitergeholfen wieder nach vorne Schauen zu können.
Es ist in so einer Situation schwer pauschale Aussagen zu treffen, dafür sind wir alle Individuen, aber vielleicht geben sie Euch Anhaltspunkte.

LIEBE, NÄHE UND GEBORGENHEIT
Ich bin in die Depression aufgrund von fehlender Wertschätzung gerutscht. Diese Tatsache löste in mir das Gefühl aus, dass ich nicht wichtig bin, dass ich es nicht wert bin.
Als der Punkt am schlimmsten war, half mir einfach nur Liebe, Nähe und Geborgenheit. Ich wollte keine Fragen beantworten, ich wollte nicht reden, ich wollte nicht hören, dass alles wieder gut wird. Ich wollte einfach nur in den Arm genommen werden. Ich brauchte einfach nur das Gefühl, dass mich jemand liebt.

GRENZEN AKZEPTIEREN
Ich weiß noch, wie wir bei unseren engsten Freunden auf der Couch saßen. Kein Zwang, kein Druck, nur gemütlich beisammen sein. Für mich war die Situation unerträglich. Mir liefen die Tränen und ich konnte sie nicht steuern.
Es ist wichtig die eigenen Grenzen zu kennen und genauso wichtig ist es, dass diese Grenzen wahr genommen und akzeptiert werden. Ich weiß, dass es schwer ist. Es bedeutet Verzicht. Christian hatte sich auf einen geselligen Abend mit Freunden gefreut und ist dennoch nach nur kurzer Zeit wieder mit mir nach Hause gegangen. Mir gab dies zum einen das Gefühl, dass meine Bedürfnisse ernst genommen werden und zum anderen, dass ich die Kontrolle über für mich unangenehme Situationen habe.

UNTERSTÜTZUNG
Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich meinen Silberstreifen am Horizont wieder gefunden hatte. Ich war aber bei Weitem noch nicht wieder die alte Claudi.
Ich war mir bewusst, dass ich etwas an meinem Umfeld ändern muss und dabei hat mir die simple Unterstützung unheimlich geholfen. Dinge, wie Jobangebote raussuchen, Bewerbungen schreiben, welche ich normalerweise mit links mache, waren eine ungeheure Herausforderung. Meine Mama, meine Freunde, alle haben sich die Zeit genommen und sind mit mir Hand in Hand gemeinsam das Thema angegangen. Ohne Druck und Vorwürfe von ihnen kam ich so langsam zu meinem Selbstbewusstsein zurück.

Tatsächlich sind Samthandschuhe, Feingefühl und Rückendeckung das beste Heilmittel.
Es ist für alle Beteiligten eine Herausforderung, aber ich kann Euch versichern, es kommt auch wieder eine Zeit nach der Depression. Gestärkt, unbeschwert und lebenslustig.

Am Rande – Buch der Woche: Kristen Hadeed – Permission to Screw Up

Das Buch habe ich bereits vor 3 Jahren gelesen.
Ich musste in letzter Zeit wieder öfter daran denken und möchte es Euch gerne vorstellen.

Kristen Hadeed beschreibt in diesem Buch auf eine wunderbar authentische Weise, welche Fehler sie bei der Gründung ihres Unternehmens alle begangen hat. Unbewusst. Einfach, weil sie es zu dem Zeitpunkt nicht besser wusste.
Es ist auf der einen Seite ein Begleiter für alle, die unerfahren den Weg in die Selbstständigkeit wagen wollen. Es macht Mut, es treibt an und zeigt einem, es haben alle mit den gleichen Hürden zu kämpfen. Mental, bürokratisch, finanziell.
Auf der anderen Seite ist Kristen Hadeed aber auch ein Vorreiter bei dem Thema Leadership im 21. Jahrhundert. Ein Umdenken der noch viel zu oft vorherrschenden veralteten Strukturen ist heutzutage schier unausweichlich. Sie schafft es die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter in einem, man bemerke, Putzunternehmen (!) auf einem konstant hohen Level zu halten.

Ich verfolge ihren Weg auch heute noch und bin jedes Mal von Neuem inspiriert.

Auch heute bin ich zum Abschluss wieder in eigener Sache unterwegs.
Unter dem Menüpunkt Räubern oder direkt in diesem Beitrag könnt ihr die letzten 75 Exemplare meiner Erstveröffentlichung erwerben.

Heft „1610 – Alle Beiträge aus 2019“

Auf die Hand! In dem Heft findest Du noch einmal alle meine Beiträge aus dem Jahr 2019 zum Nachlesen. 112 Seiten. Recyclingpapier. Limitierte Auflage von 100 Stück. Preis inkl. Verpackung und Versand. Versandfertig in ca. 3-5 Werktagen.

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1610 – 19. Warum? – Ein Repost

Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag veröffentlicht, welcher bereits im März 2019 das erste Mal online ging.
Auf den Beitrag 1610 – 12. Mir geht es nicht gut! – Ein Repost folgte im Mai 2019 der Artikel ‚Warum?‘, in welchem ich die Gründe für meine damalige Situation näher erläutert habe und welcher nun auch Teil dieser Kolumne werden soll.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim (erneuten) Lesen und seid Euch immer bewusst, ihr habt all die Wertschätzung dieser Welt für Euren täglichen Einsatz verdient!

Warum?

Warum ist meine Seele vor 3 Monaten soweit aus den Fugen geraten, dass ich Euch mit dem Artikel Mir geht es nicht gut daran teil lassen habe?

Um eins Vorweg zu nehmen, ich bin ein hochsensibles Lebewesen. Es ist für mich nicht unüblich, dass ich gelegentlich mit einer depressiven Episode zu kämpfen habe. Ich arbeite seit Jahren daran, dass ich mit mir und meinem Leben ein Einklang finde, welcher diesen Episoden keinen Platz bietet. Manches Mal gibt es aber äußere Einflusse, welche diese depressiven Episoden begünstigen und welche ich nicht aktiv steuern kann. So war es auch diese Mal.

Seit dem ich vor 3 Jahren meinen Job bei der Bank aufgegeben habe, befinde ich mich stetig auf der Suche nach dem richtigen Weg. Nach der Rückkehr von meiner Weltreise hatte ich einen kurzen Zwischenstopp in Hamburg und habe schnell festgestellt, dass diese Großstadt, diese vielen Menschen, die weiten Wege, diese gewisse Anonymität meiner Seele nicht gut tun. Ich habe mich in der Probezeit kündigen lassen und mich zurück nach Rostock begeben. Ohne einen neuen Job. Zu diesem Zeitpunkt war mir alles egal, ich wollte einfach nur zurück in meinen sicheren Heimathafen.

Nach einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit bin ich wieder fündig geworden. Ein Job als Projektmanagerin in einem Forschungslabor. Mit der Medizin habe ich mich schon immer irgendwie verbunden gefühlt und war mehr als glücklich, mehr als gespannt auf die neue Herausforderung. Ich habe mich binnen kürzester Zeit in die Aufgaben eingearbeitet, hatte ein wundervolles herzliches Team um mich rum, habe meine ganze Energie in diesen Job gesteckt, mich verantwortlich für den Erfolg der Forschungsprojekte gemacht. Wie konnte meine Seele bei diesen tollen Gegebenheiten aus dem Ruder laufen?

Wertschätzung. Dieses eine Wort war der Auslöser für all die negativen Gefühle, welche ich in den letzten Wochen in mir getragen habe. Mein Arbeitsumfang war über Monate höher als es eine Einzelperson hätte schaffen können. Ich habe in den letzten Jahren gelernt mich stark zu machen, meine Bedürfnisse auszusprechen. Dies fiel mir früher alles andere als leicht. So habe ich es auch diese Mal getan. Ich habe mich für MICH stark gemacht und wurde nicht erhört. Mehrmals. Über Monate. Der Workload wurde immer und immer größer, ich war eine Woche im Urlaub und hatte anschließed über 100 neue Emails, am Tag meiner Rückkehr die mehrfache Rückfrage nach dem Bearbeitungsstand dieser, in Meetings wurde ich mehrfach unbewusst bloßgestellt, weil ich bei der Nachfrage zum Bearbeitungstand zugehöriger Aufgaben passen musste.

Ich habe gekämpft, ich habe mehrmals das Wort für MICh erhoben, aber ich bin gescheitert. Und dieses Gefühl von Scheitern war der Auslöser. Mir ging es lange nicht gut. Das gute jedoch ist, dass ich trotz allem den Blick nach Vorne nicht verliere. Ich wusste, dass es so für mich nicht weiter gehen kann und ich habe nun einen anderen Weg eingeschlagen und einen neuen Job gefunden!

Ihr seid es wert, gehört zu werden. Ihr leistet jeden Tag mit dem was ihr macht einen Mehrwert für unsere Wirtschaft, für unser Gesundheitssystem, für all die anderen Bereiche in denen ihr tätig seid und dafür seid ihr es wert WERTGESCHÄTZT zu werden! Macht Euch für Euch stark und sollte Eure Situation auf einen nie endenden Tunnel zusteuern, dann seid Euch bewusst, dass ihr umdrehen und neu abbiegen könnt! Es geht immer weiter!

1610 – 12. Mir geht es nicht gut! – Ein Repost

Vermutlich liegt es an der dunklen Jahreszeit…
Ich jedenfalls merke, dass meine Gedanken teilweise etwas abdriften und ich wieder mehr Zeit in meine mentale Gesundheit investieren muss, damit ich nicht unzufrieden werde.
Dies möchte ich heute zum Anlass nehmen, um noch einmal meinen Beitrag aus dem März zu veröffentlichen, welcher zum damaligen Zeitpunkt noch nicht Teil dieser Kolumne war und welcher seinen Platz hier mehr als verdient hat.

Mir geht es nicht gut!

Wie oft bekommen wir im Alltag die Frage gestellt „Wie geht es Dir?“ und wie oft antworten wir auf die Frage mit einem kurzen „Mir geht es gut!“, obwohl dem nicht so ist?!

In meinem Alltag treffe ich mich viel mit Freunden. Mein Freundeskreis ist in den letzten Jahren ein wenig geschrumpft. Das ist nicht schlimm, viel eher eine normale Entwicklung. Für mich bedeutet dies nur, dass ich meine Aufmerksamkeit einem kleineren Kreis von Personen schenke, öfter und intensiver. Manchmal besuchen wir zusammen Events in unserer Stadt und haben nebenbei nicht viel Zeit zu reden, andere Male wiederum sitzen wir einfach nur bei einem Glas Wein auf der Terasse und haben umso mehr Zeit uns über die aktuellen Geschehnisse auszutauschen. Die Gespräche verlaufen meistens fröhlich, in größeren Kreisen vermutlich immer. Dies ist durchaus eine schöne Entwicklung, doch entspricht dies auch immer der gegenwärtigen Situation eines Jeden in diesen Kreisen?

Ich habe das Gefühl, dass wir viel zu oft nicht darüber reden, wie es uns wirklich geht. Dies kann aus den ganz unterschiedlichsten Gründen erfolgen. Eventuell will man die Stimmung durch traurige Gedanken nicht vermiesen. Vielleicht hat man auch Angst, dass das Päckchen des Gegenübers schon viel zu groß ist und derjenige die zusätzliche Last nicht mehr tragen kann. Ein Anderer kann sich unter Umständen einfach nicht öffnen.

Mir selber geht es im Moment nicht gut! Nicht physisch, sondern psychisch. Ich bin auf meinem Weg falsch abgebogen und muss mich nun damit auseinandersetzen. Dies ist nicht immer einfach. Erfahrungen tuen weh, Selbstreflektion will gelernt sein und das zuvor gesteckte Ziel muss erst wieder in greifbare Nähe kommen bzw. komplett neu definiert werden. Doch auch wenn meine Grundstimmung gerade eher negativ ist, tut mir eins in diesen Momenten besonders gut. Reden!

Wie oft habe ich in den letzten Wochen bei Gesprächen mit Freunden einfach ehrlich aus dem Bauch heraus auf die Frage „Wie geht es Dir?“ mit „Mir geht es nicht gut!“ geantwortet. Und siehe da! Ich bin nicht alleine. Aus dieser anfangs schwierigen Situation wurden offene Gespräche und es geht im Moment nicht nur mir nicht gut. Aus den unterschiedlichsten Gründen tragen gerade einige meiner engen Freunde ein ähnliches Gefühl mit sich rum, was ich vorher nicht erahnt habe. Die Gespräche sind NIE so geendet, dass wir uns gegenseitig, verzweifelt in den Armen lagen. Viel mehr konnte man sich frei reden, Verständnis erhalten, Erfahrungen teilen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Dies ist manches Mal vielleicht nicht die sehnsüchtige Antwort auf die Verstimmung. Manches Mal bedarf es vielleicht weiterer Hilfe oder auch einfach nur Zeit. Dieses ist aber jedes Mal Balsam für die Seele und ein kleinerer Schritt Richtung Zufriedenheit.

Deswegen wünsche ich mir, lasst uns wieder offener über unsere Gefühle reden! Je nach dem wie es Euren Freunden geht, stecken sie entweder ihre eigenen Bedüfnisse zurück und hören Euch zu oder aber ihnen geht es ähnlich und man findet gemeinsam Halt. Sie sind für Euch da!

Mir geht es nicht gut! Und dir?

1610 – 11. Du musst nicht mehr weinen!

„Es gibt für mich nichts schöneres als zu sehen, wie du da oben glücklich auf meinen Schultern sitzt. Du hast 2 niedliche Zöpfe rechts und links, in der Hand hältst du einen Lolli und strahlst der Welt entgegen. Ab und zu höre ich wie Du Deine Lieblingslieder singst, die Strophen sind nicht immer in der richtigen Reihenfolge, aber das ist vollkommen egal. Dein ansteckendes Lachen zieht alle Menschen um uns herum in den Bann.
Du bist das Sinnbild von unbeschwerter Leichtigkeit!

Du bist so leicht, dass ich in einem unaufmerksamen Moment nicht merke, wie Du in einem tiefhängenden Ast hängen bleibst. Er hält Dich fest. Ich gehe weiter.
Ich merke nicht, dass du nicht mehr auf meinen Schultern sitzt. Doch irgendwann höre ich Dich schreien. Die Menschen um uns herum können Dich nicht hören, nur ich nehme Deine von tiefem Schmerz durchzogenen Schreie wahr. Ich höre Dich flehen, dass ich zurück kommen soll. Ich höre Dich flehen, dass Du noch viel zu klein bist, um alleine zurück zu bleiben. Du schreist und weinst und flehst ununterbrochen und mir schießen die Tränen in die Augen. Ich halte das nicht mehr aus. Verzweifelt suche ich Dich. Ich sehe Dich nicht. Dein Schreien wird lauter, dein Flehen wir dringlicher! Und dann, endlich, da sitzt du winzig klein unter dem großen Baum. Deine Augen zugequollen. Die Verzweiflung auf der Stirn zu stehen. Ich laufe zu Dir!

Ich nehme Dich in den Arm und halte Dich so fest ich kann. Ich trockene Deine Tränen. Während Du langsam zur Ruhe kommst, erzähle ich Dir mit leiser Stimme, dass Du keine Angst mehr zu haben brauchst. Ich weiß, dass Du in Deinem Leben Dinge erlebt hast, die nicht immer schön waren, aber ich versichere Dir, dass Du jetzt erwachsen bist und dass Du Dein Leben jetzt selber in der Hand hast und dass Dir so etwas nie wieder passieren wird.

Wir sitzen eine ganze Weile zu zweit so da und lassen einfach nur die Ruhe auf uns wirken. Ruhe, Liebe und Geborgenheit ist in diesem Moment das Wichtigste.
Es ist sehr spät, als ich es endlich geschafft habe den Platz unter dem Baum zu verlassen, aber das ist egal. In diesem Moment waren nur wir wichtig und das Gefühl, dass wir wieder Eins sind. Du hast den Platz auf meinen Schultern verlassen und bist wieder ein Teil von mir!

Mein geliebtes inneres Kind!“

Auf der Suche nach Antworten zu den vielen Fragen in meinem Kopf bin ich früh auf die Thematik des inneren Kindes gestoßen. Viele Konflikte die wir im erwachsenen Alter austragen, lassen sich darauf zurückzuführen. Manch einer hat vielleicht ein Problem mit Autoritäten, ein anderer kann keine glücklichen Beziehungen führen und wiederum ein anderer reagiert sofort beleidigt auf Kritik. Man reagiert unbewusst impulsiv aus den Bauch heraus und die Situation verkompliziert sich.
Dies sind oft Verhaltensweisen welche sich in der frühen Kindheit entwickelt und sich im späteren Leben durch diverse negative Erfahrung intensiviert haben.

Wir befinden uns heute glücklicherweise in einer Zeit, in der dieses Thema bereits umfassend erforscht wurde und es eine Vielzahl an Literatur dazu gibt, welche auch für Laien gut verständlich und nachvollziehbar ist.
Ich konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, dass ich mich immer auf Männer eingelassen habe, welche diese negativen Erfahrungen verstärken und mich unzureichend haben fühlen lassen, dass ich durch Vorgesetzte mit mangelnder Führungsqualität meine eigene Kompetenz als mangelhaft und schlecht eingestuft habe und diese negativen Gefühle sich auf mein Privatleben ausgewirkt haben.
Meine eigenen Verhaltensweisen, welche aus Erfahrungen entstanden sind, haben dies begünstigt und als ich das erkannt habe, habe ich mich dem Thema zum einen mit meiner Psychologin und zum anderen mit dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl angenommen.

Es ist alles andere als leicht! Man denkt an Erlebnisse, welche schmerzhaft sind und an welche man nie wieder denken wollte, welche man vergessen wollte. Diese Aufarbeitung ist anfangs definitiv nicht frei von Tränen und Schmerz, aber sie lohnt sich! Denn irgendwann kommt auch die Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass Du jetzt erwachsen bist und diese negativen Erfahrungen Dein heutiges Leben nicht mehr zu bestimmen haben. Die Erkenntnis, dass Du frei entscheiden kannst, welche Menschen positiv für Dein Leben sind und dass du die Menschen, die negative Gefühle in Dir auslösen, einfach vor die Tür setzen kannst!

Ich befinde mich derzeit an dem Punkt, an dem mein inneres Kind zwar immer noch da ist, wie eingangs beschrieben macht es sich in seltenen Momenten noch bemerkbar, aber ich habe jetzt jemanden an meiner Seite, der dies aushält, der mich in den Arm nimmt und mir die Geborgenheit schenkt, welche ich in diesen Momenten benötige.
Und für die überwiegenden leichten Lebensphasen war es wichtig, dass ich mit der Vergangenheit meinen Frieden geschlossen habe. Es war nicht immer alles schön. Aber wisst ihr was, mit diesem Frieden lebt es sich in der Gegenwart viel leichter und ist dies nicht das, was wichtig ist!? Auf die Vergangenheit haben wir keinen Einfluss mehr, aber den Augenblick können wir genießen.

Ihr seid nicht alleine! Alles wird gut!

1610 – 5. „Ich möchte mehr Zeit!“, sagte sie und ging studieren…

Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere, erinnere ich mich an Mitschüler, welche früh wussten, welchen Job sie einmal ausführen möchten und sogleich alles dafür getan haben.
Einige von diesen Mitschülern sind heute, 11 Jahre nach unserem Schulabschluss, in diesem Job tätig und genauso enthusiastisch wie damals.
Ich zählte nicht zu dieser Gruppe. Ich gehörte zu denen, die alles auf sich zukommen ließen, die lieber unter der Woche bis das Licht anging im Club waren und ohne großen Aufwand, aber auch nicht mit den besten Noten, das Abitur bestanden haben.

Meine „Berufung“ war nie eine frühe Eingebung, meine „Berufung“ ist ein Weg aus Erfahrungen und Erkenntnissen und aus Loslassen.

Auch nach dem Abitur wusste ich immer noch nicht, was ich mit meiner Zunkunft anfangen möchte. Ich habe mich mit der erstbesten Option zufrieden gegeben und eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Ziemlich schnell hatte ich mich an die finanzielle Unabhängigkeit gewöhnt und bin so in die Festanstellung als Beraterin geschlittert. Glücklich war ich damit nie. Die kaufmännische Richtung hat mir durchaus gefallen, aber das Verkaufen von Konten und Versicherungen hat mir unzählige schlaflose Nächte bereitet.
Ich musste etwas ändern, darauf aufbauen und somit befand ich mich in einem berufsbegleitendem BWL Studium wieder. Die erlernten Kenntnisse konnte ich dann auch als Assistentin der Geschäftsleitung anwenden, aber so richtig erfüllt hat mich auch diese Position nicht. Ich war zwar nicht mehr an der Front, aber immer noch in der Bank. Nach nur wenigen Monaten habe ich meine Kündigung eingereicht.
Ich hatte die Hoffnung, dass ich auf meiner anschließenden Weltreise die erwünschte Erleuchtung erlange. Ich habe meinen Horizont erweitert, neue Länder und Kulturen kennengelernt, Unmengen an neuen Erfahrungen gesammelt, aber eine Erleuchtung erfuhr ich nicht. Ich konnte die Vorstellung von meiner Berufung freilich etwas näher einkreisen, einen genauen Weg hatte ich jedoch nicht vor Augen.
Und somit habe ich mich nach meiner Rückkehr wieder ausprobiert. Der erste Job hat mir weniger zugesagt, hat mir aber wiederum die Tür für den Folgenden geöffnet. Als Projektmanagerin in der medizinischen Forschung habe ich mich mit meiner Tätigkeit sehr wohl gefühlt, nur leider machte mir dort die Arbeitsumgebung einen Strich durch die Rechnung…

Und dann kommt irgendwann der Punkt an dem man anfängt zu zweifeln. Wer bin ich und was mache ich hier? Wieso komme ich nicht an? Wieso kann ich mich nicht einfach zufrieden geben?
Ich habe immer mal wieder überlegt, ob ich nochmal ein Studium aufnehme, was ganz anderes. Der Gedanke daran, dass ich ja dann schon Mitte dreißig bin, wenn ich dieses abschließe, hat mich aber jedes Mal davon abgehalten… bis zu dem Zeitpunkt in diesem Jahr, als ich mich mit einer Freundin gestritten habe.

Kurzum ging es darum, dass ich um Rat gebeten wurde, mit meinem psychologischen Alltagswissen/vermutungen reagiert habe und am Ende nicht Ernst genommen wurde, da es sich um Westentaschenwissen und nicht um wissenschaftlich fundiertes Wissen handelte.
Wenn man diesen Sachverhalt näher betrachtet, ist dies volkommen richtig. Ich interessiere mich sehr für psychologische Zusammenhänge, belese mich und versuche dann nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, richtig „gelernt“ habe ich dies aber nicht.
Und dann habe ich mich von dem Gedanken gelöst, dass ich ja schon Mitte dreißig bin, wenn ich jetzt ein Studium beginne und habe mich einfach eingeschrieben. Ich Interessiere mich brennend für dieses Thema, liebe es darüber zu philosophieren, wieso mache ich mir also diese sogenannte intrinsische Motivation nicht zu Nutze?

Seit dem 01.10.2019 studiere ich nun also Psychologie an der Fernuni Hagen. Nebenberuflich. Ich arbeite nach wie vor in der kaufmännischen Betriebsführung, denn wie Anfangs erwähnt, fühle ich mich grundsätzlich in diesem Gebiet und vor allem bei meinem jetzigen Arbeitgeber gut aufgehoben. Dennoch habe ich mit dem Entschluss das Studium zu beginnen und der Zuversicht, dass ich die beiden Bereiche in der Zukunft vereinen kann, noch mehr Zufriedenheit erlangt. Denn meine Berufung ist keine Eingebung, sondern wie ich herausgefunden habe, ein Weg.
Stück für Stück werde ich diesen gehen und vielleicht in 10 Jahren wieder ein ganz andere Richtung einschlagen, aber was ist daran schlimm, so lange es mich glücklich macht!?

Solltet auch ihr Euch in diesen Zeilen wiederfinden, das Gefühl zu haben, auch nach Jahren noch nicht den passenden Job auszuführen, dann gebt nicht auf, fangt Neues an, scheitert und steht wieder auf, folgt Eurer Intuition und Eurer intrinsischen Motivation.
Es ist vollkommen Okay den Karrierepfad mit Bergen und Tälern und nicht die Karriereleiter zu gehen.