„Moin Moin liebe Sportsfreunde!
Herzlich Willkommen zu Werners Sportstudio direkt und live aus dem Kieler Zwietrachtstadion. Im heutigen Spitzenspiel der Oberliga Nord begegnen sich bei bestem Fußballwetter der 1. FC Süderbrarub und der Gastgeber Holzbein Kiel. Es herrscht eine Bombenstimmung ca. 63.664 Zuschauer wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen.“
Nur zu gut habt ihr jetzt wahrscheinlich die obrige Szene aus Werner Beinhart im Kopf. Dann könnt ihr nun auch nachvollziehen, wie ich mich heute beim WM Qualifikationsspiel der neuseeländischen NATIONALMANNSCHAFT gegen Neukaledonien gefühlt habe.
Vorfreudig bin ich am frühen Nachmittag mit sage und schreibe einem weiteren Fan mit dem eigens für dieses Spiel eingesetzten Sonderbus zum QBE Stadion gefahren. Dort angekommen war der Ansturm kaum zu bändigen und ich saß binnen 10 Minuten mit einem Bier und einer Portion Pommes auf meinem Platz. Bis zum Anpfiff war es aber auch noch etwas Zeit und nach und nach füllte sich immerhin eine Tribüne zu schätzungsweise 90%. Da der Wind während des Spiels zunahm, konnte man so auf der gegenüberliegenden Seite ein lustiges Spiel der Klappstühle beobachten. Dies forderte auch den Hausmeister, welcher zwischendurch fix die Banden mit einem Akkuschrauber festzurrte.
90 Minuten später war es ein Spiel voller nicht genutzter Chancen, vielen Fehlpässen und ohne erwähnenswerte Fouls, welche hier andererseits aber auch freundlich und hilfsbereit untereinander geklärt werden. Da ich mich mit dem Schreiben von Spielberichten etwas weit aus dem Fenster lehnen würde, bleibt abschließend nur zu erwähnen, dass Neuseeland am Ende als Gewinner auf dem Spielfeld stand. Die WM Qualifikation läuft in der Ozeaniengruppe aber in Runden und Play-offs ab, somit ist es für die All Whites immer noch ein langer Weg bis nach Russland.
Es waren insgesamt 8.183 Zuschauer im Stadion und damit ihr nicht nur die leeren Ränge seht, habe ich euch noch ein Foto von der niedlichen Supportgruppe gemacht. Die haben aber wiederum alles aus ihren Kehlen rausgeholt.
Schade, dass der Fußball hier drüben so gut wie keine Anerkennung findet. Es gibt nur eine Profimannschaft, welche in der australischen A-League spielt.
Ich würde nämlich liebend gerne öfter ins Stadion gehen und schwelge aus diesem Grund jetzt in Erinnerungen.
Mit Blick auf den Pazifik und Boxer Zoey an meiner Seite sitze ich gerade auf der Terasse meiner Airbnb Unterkunft und möchte euch gerne an meiner letzten Woche teilhaben lassen.
Wie bereits angedeutet ging es am Sonntag für mich zum Cape Reinga. Auf dem Weg dorthin war ich der Ohnmacht schon wieder sehr Nahe. Links von mir die Tasmanische See und rechts von mir der Pazifische Ozean. Zwei offene Weltmeere und ich.
Ich habe mich an diesem Tag früh auf den Weg gemacht und erreichte bei herrlichem Wetter das Cape vor den ganzen Reisebusse. Es waren also nur wenige Menschen unterwegs und ich hatte die Ruhe, diesen atemraubenden Ort in mich aufzunehmen. Wenn man dort einen Moment verweilt und auf die Meere schaut, hat man das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein. Es ist perfekt.
Es fiel mir wirklich schwer dieses Fleckchen Erde zu verlassen, aber ich hatte noch eine etwas längere Fahrt nach Paihia vor mir und machte mich somit gegen Mittag wieder auf den Weg.
Paihia liegt in der Bay of Islands und ist ein gefragter touristischer Anlaufpunkt, da man von dort aus jegliche Art von Ausflüge beginnen kann und zudem wunderschöne Sandstrände vorfindet.
Die ersten beiden Tage befand ich mich fast ausschließlich im Hostel. Es regnete überwiegend und es fehlte mir auch ein wenig an Motivation. Ich habe viel gelesen, geschrieben und nachgedacht. Es ist erstaunlich, wie sich mir beim Schreiben nach und nach vieles erschließt und ich mir meiner Entscheidungen klarer werde.
Mittwoch war es dann wieder an der Zeit mich unter Leute zu begeben. Ich hatte für diesen Tag einen Segeltrip in die Bay gebucht und traf gleich zu Beginn in nettes schwedisches Pärchen, mit welchem ich den Törn zusammen verbrachte. Wir hatten einen tollen Tag bei strahlendem Sonnenschein, ausreichend Wind zum segeln und einer Mittagspause auf einer einsamen Insel. Leider haben wir keine Delfine gesehen, aber mit einem leichten Sonnenbrand im Gesicht bin ich am Abend trotzdem zufrieden wieder im Hostel angekommen.
Heute ging es für mich mit zwei Zwischenstopps, bei den Whangarei Falls und der Hundertwassertoilette, welche mir in diesem Moment ganz gelegen kam, dichter an Auckland ran. Eine typisch neuseeländische Momentaufnahme ist mir dabei unterwegs auch noch gelungen.
Morgen Vormittag gebe ich das Auto schon wieder ab und meine zweiwöchige Northland Rundreise ist dann beendet. Ich werde diese Route aber vermutlich nicht das letzte Mal gewählt haben.
Mir geht es von Tag zu Tag zunehmend besser. Ich hab eine Erkenntnis über mich selbst gemacht, welche die meisten von euch nicht überraschen wird. Diese kleinen Tiefpunkte ereilen mich in der Regel immer dann, wenn ich das Wasser aus den Augen verloren habe.
„Life is simple, just add water! „
Ich denke an euch!
Eure Claudi
P.S. Eure Weihnachtsgeschenke könnt ihr nun endlich an folgende Adresse verschicken:
1P/135 Victoria Street West, Auckland Central, 1010, New Zealand
Als ich meine Route durch Northland vor einer Woche grob geplant habe, machte für mich ein Stopp zwischen Piha und Cape Reinga sehr viel Sinn. Die Tour wäre an einem Tag ein ganz schöner Kraftakt geworden. Somit schaute ich mich bei Airbnb um und entschied, aufgrund der guten Bewertungen, zwei anstatt eine Nacht bei Peter und Sara in Ruawei zu bleiben. Wie ihr den nachfolgenden Zeilen entnehmen könnt, war dies die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Ich bin am Donnerstag gegen 15 Uhr auf der Farm angekommen und nach einer kurzen Verschnaufpause nahm Peter mich direkt mit zum Tokatoka Lookout. Mit Bella im Schlepptau bekam ich auf dem Weg nach oben eine Unterrichtsstunde über die neuseeländische Flora und Fauna. Leider war das Wetter nicht ganz auf unserer Seite und der Blick nicht so klar wie erhofft, aber trotzdem war ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich begeistert.
Als wir zurück waren, wollte Peter gerne von mir wissen wo ich herkomme und öffnete Google Streetview. Mit jedem Buchstaben den ich in den Computer eintippte, rollten plötzlich immer mehr Tränen über meine Wangen und als ich das Wort Rostock komplettiert hatte, war ich nicht mehr zu retten. Ich heulte regelrecht, konnte die Tränen nicht steuern… es kam alles raus, was sich in mir angestaut hatte.
Sara eilte sofort ganz liebevoll zu mir, umarmte mich fest und stellte mir ein Glas Rotwein vor die Nase. Peter hatte eine andere brillante Idee um mich abzulenken, welche er mit einer Frage einleitete. Ich habe nicht alles verstanden, aber immerhin das Wort Shotgun. Das erste was mir in den Sinn kam war, dass man doch Shotgun ruft, wenn man im Auto vorne sitzen will. Dies war aber ganz und gar nicht das Shotgun, was Peter meinte!
Bei sternenklarer Nacht brachen wir mit DER Shotgun auf um Opossums zu jagen. Wir fuhren mit dem Quad jeden Baum seiner Ländereien auf der Suche nach diesen kleinen Schädlingen ab. Am Ende fanden wir leider nur ein Opossum, aber dieses gehörte mir. Und wie es mir gehörte! Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Waffe in der Hand hatte und ich war gleich erfolgreich. Unglaublich! Danach waren nun wirklich alle meine Sorgen vergessen und ich bin glücklich ins Bett gefallen.
Ich möchte dazu kurz erwähnen, dass es hier in Neuseeland eine Opossumplage gibt und diese Tiere das natürliche Ökosystem stark gefährden. Aus diesem Grund ist jedes tote Opossum ein gutes Opossum und nicht mit der niedlichen Variante aus Ice Age zu vergleichen.
Nachdem ich am folgenden Tage Sara bei den Pferden geholfen habe und die beiden mich einfach so wundervoll in ihren Alltag integriert haben, fiel der Abschied heute früh etwas schwer. Aber man sieht sich ein Glück immer zweimal Leben!
Toka Toka Views Farmstay – mittendrin statt nur dabei, für alle die Interesse an dem alltäglichen Leben der Kiwis haben.
Ich verbringe die jetzige Nacht in einer Unterkunft mit direktem Blick auf das Meer in Ahipara, werde im Schlaf die Daumen für einen Auswärtssieg drücken und starte hier morgen in der Früh mit dem Ziel Cape Reinga. Der Ort, wo sich die Tasmanische See und der Pazifische Ozean treffen.
Wie ihr meinem vorherigen Eintrag entnehmen konntet, bin ich in der letzten Woche gedanklich sehr rastlos gewesen. Aus diesem Grund habe ich mich kurzerhand dazu entschieden Auckland erstmal zu verlassen. Wollte ich dort eigentlich verweilen bis der Sommer im vollen Gange ist und für diese Zeit einen Job finden, war ich einfach nur überfordert. So absolvierte ich also Montagvormittag meine allererste Uberfahrt (günstigere Taxivariante; von Privatpersonen durchgeführt) zum Flughafen, nahm dort einen Mietwagen in Empfang und machte mich anschließend, auf der linken Straßenseite fahrend, auf den Weg gen Westen.
Mein Ziel war das kleine Örtchen Piha. Piha ist nur einen Katzensprung von Auckland entfernt und der Weg dorthin ist spektakulär. Ich musste mir zwischendurch immer wieder bewusst machen, dass meine Konzentration der Straße gehört und nicht diesem wahnsinnigen Ausblick.
Da der Ort inmitten des Nationalparks Waitakere Rangers liegt, gibt es hier umgeben von der unberührten Natur eine Vielzahl von Wanderwegen. Ich habe mich an diesem sonnigen Montagnachmittag zunächst für einen Kürzeren zu den Kitekitefalls entschieden. Als ich irgendwann komplett von Wald umhüllt war und das plätschern des Wasserfalls von Schritt zu Schritt lauter wurde, spürte ich auf einmal wieder dieses Gefühl in mir, welches ich das letzte Mal genau in diesem Land vor 2 Jahren gespürt habe. Ich kann es mit keinem Wort betiteln.. meine Schritte werden langsamer, der Herzschlag wird schneller und ich vergesse fast zu atmen. Es ist irgendetwas zwischen Aufgeregtheit, Faszination und Ehrfurcht. Ich habe in diesen Momenten Angst davor, aufgrund der vollkommenen Schönheit dieser Naturwunder, in Ohnmacht zu fallen und traue mich kaum weiterzugehen. Es ist verrückt… ich weiß! Aber so kennt ihr mich. 😉
Nachdem ich eine Weile an dem Auslauf der Wasserfälle pausiert habe, bin ich noch zu deren Ursprung hinaufgeklettert. Meine Höhenangst hielt mich dann aber doch davon ab einmal über den Rand hinauszuschauen.
Den Abend lies ich am Strand ausklingen. Neben dem Lionrock in den Dünen sitzend, schaute ich den Surfern bei ihren ersten Versuchen im Wellenreiten zu und vervollständigte nebenbei mein Reisetagebuch.
Kitekitefalls
Von Sonnenstrahlen geweckt, startete ich am nächsten Tag früh und fuhr in den benachbarten Ort Karekare. Dort besichtigte ich zunächst die Karekarefalls und folgte anschließend der Beschilderung des Zion Hill Track. Da ich diese 4stündige Wanderung alleine antrat, habe ich Lotti vorher von meinem Plan unterrichtet. Sicher ist sicher.
Auf unbefestigtem Weg ging es zunächst durch den Wald steil bergauf und bergab. Ich musste über Bäche springen und wurde auch das ein oder andere Mal akrobatisch sehr gefordert. Dieser Track ist definitiv nichts für Anfänger, was ich theoretisch in diesem Metier bin, aber mein Fitnesslevel scheint dann doch ganz okay zu sein. Nach ca. 2 Stunden erreichte ich das Pararaha Valley. Dort befinden sich ein Zeltplatz für die Wanderer, die den mehrtägigen Hillary Trail laufen. Ich machte dort eine kurze Pause und versuchte mich mental auf den Tunnel einzustellen, welcher vor mir lag und wessen Länge ich gem. Wanderkarte nicht einschätzen konnte. Mit dem perfekten Plan im Kopf, auf das schlimmste vorbereitet und allen Mut zusammengenommen, setzte ich meinen Weg fort und musste sehr über mich lachen, als ich vor dem Eingang des Tunnels stand und das Ende quasi mit den Händen greifen konnte. Anschließend führte mich der Track am Strand entlang zurück zum Ausgangspunkt.
Es war eine tolle Erfahrung, jedoch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich so eine lange Wanderung noch einmal alleine unternehmen werde. Es kreuzte die ganze Zeit keine einzige Menschenseele meinen Weg und mir war teilweise schon etwas mulmig zumute. Laut Lonely Planet ist an diesem Strandabschnitt auch Eddie Vedder fast ums Leben gekommen, was „witzig“ ist, da mir während des ganzen Tages sein Lied ‚Society‘ (Soundtrack aus dem Film Into the Wild) durch den Kopf ging.
Karekarefalls
Pararaha Valley
Seebär
Mein letzter Tag in Piha startete ruhig. Es regnete stark und somit verbrachte ich den Vormittag auf der Couch. Als gegen Mittag der Himmel aufriss, entschied ich eine entspannte Wanderung zum Anawhata Beach zu machen. Relativ schnell wurde mir jedoch bewusst, das dieser Weg alles andere als entspannt werden wird. Es ging mindestens genauso steil bergauf wie am Tag zuvor und dies sogar über weitere Strecken. Voller Willensstärke gab es für mich aber kein zurück, was am Ende die richtige Entscheidung war. Ich wurde teilweise von einem sehr netten Kiwi (Neuseeländer) begleitet und konnte an meinem Englisch feilen, mir erschlossen sich einmalige Ausblicke, ich hatte die schönsten Strände ganz für mich alleine und die Sonne war bis kurz vor Schluss mein stetiger Begleiter. Ca. 2 km vor meiner Unterkunft setzte starker Regen ein und dann passierte das, was hier in Neuseeland eben so passiert. Neben mir hielt ein Pickup und ein wiederum netter Kiwi fragte mich, ob er mich mit lang nehmen soll. Ohne groß zu überlegen sprang ich ins Auto und wurde bis vor die Haustür gebracht. Vermutlich schlagt ihr jetzt alle die Hände über den Kopf zusammen… aber diese aufrichtige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist hier drüben einfach totale Normalität.
No cars !?
Whitesbeach
Genächtigt habe ich die Tage in einer Airbnb Unterkunft, welche ich zu 100% weiterempfehlen kann.
Piha Beach Hut – kleine, zuckersüße Hütte umgeben von ganz viel grün mit genauso viel Stranddeko und einer wundervollen Gastgeberin namens Claire
Das Alleinreisen fällt mir nach wie vor schwerer als erwartet und ich muss mich jeden Tag aufs Neue motivieren. Gerne würde ich all das Erlebte mit jemand Vertrauten teilen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Aber wie sagt man so schön… aller Anfang ist schwer!
Bereits nach einer Woche in Neuseeland bin ich dabei mich der ersten innerlichen Herausforderungen zu stellen. Hatte ich bis zu meinem Abflug alles genau geplant und die eng bemessene Zeit streng getaktet, bin ich hier in Auckland so planlos wie noch nie in meinem Leben gelandet. Mein Alltag hat plötzlich keine Struktur mehr und ich muss mich der für mich schwierigsten Frage stellen: „Was will ich?“
Was will ich als nächstes machen? Was steht am kommenden Tag auf den Plan? Was ist mein nächstes Reiseziel? Will ich erstmal in Auckland bleiben und arbeiten? Wenn ja, als was will ich arbeiten? Will ich erstmal reisen? Wenn ja, wohin will ich reisen?
Ich bin derzeit mit dieser Situation, nicht zu wissen was kommt, noch etwas überfordert. War mein Leben doch bis hierher einwandfrei organisiert und der nächste Tag hielt in der Regel keine Überraschungen übrig.
Des Weiteren komme ich auch nicht drumrum Entscheidung treffen zu müssen. Dies ist seit jeher eine meiner größten Schwächen.
Zurückblickend auf diese erste Woche habe ich aber wiederum auch schon einiges geschafft. Ich habe mittlerweile ein neuseeländisches Konto bei der Kiwibank (die Eröffnung war um einiges unproblematischer, als ich es von der Arbeit kenne 😉 ) und der Antrag für meine Steuernummer liegt bei der zuständigen Behörde vor.
Mein erstes Probearbeiten verlief hingegen selbstverschuldet nicht ganz nach meiner Vorstellung. Theoretisch hätte mir aber einfach vorher bewusst sein müssen, dass ich vor der Bar besser aufgehoben bin, als dahinter.
Last but not least ziehe ich Mitte November für 3 Monate mit Rabea, welche ich Dank meiner Kollegin Melli noch kurz vor meinem Abflug kennengelernt habe, in eine WG. Das Apartment ist nur 5 Minuten vom Hafen entfernt und ein ziemlicher Glücksgriff.
Okay okay… da auch noch ein wenig Zeit war um die Stadt zu erkunden, ist dies vielleicht alles nicht so schlecht für den Anfang.
Wenn ich über meine zuvor geschriebenen Zeilen nachdenke, hoffe ich einfach, dass mich diese Lebenslage Gelassenheit und Geduld lehren wird. Man muss nicht immer mit der Tür ins Haus fallen.
Voller Euphorie habe ich mich am Samstag in mein Hansa Trikot geschmissen und bin innerlich schon mit Inbrunst die Hymne durchgegangen. „Hier spielt man noch Fußball mit Herz und nicht nur mit den Beinen…“
Je dichter wir dem Stadion kamen, desto mehr verstärkte sich in mir das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die Fans um uns rum waren weder in blau/weiß noch im Zebralook gekleidet. Vielmehr wurden wir von einem fröhlichen schwarz begleitet. Im Stadion angekommen musste ich feststellen, dass ich nicht in Duisburg sondern im Eden Park in Auckland gelandet bin. Hier stand heute auch definitiv kein Fußballspiel auf dem Plan.
Es war Rugbyzeit!
Neuseeland vs. Australien bzw. AllBlacks vs. Wallabies!
Schon Monate vor meinem Abflug habe ich mich auf dieses Ereignis gefreut und gleich mit Beginn des Vorverkaufs 2 Karten für das am Ende ausverkaufte Spiel ergattert. Wir waren nun also dabei, als 50.000 Zuschauer lauthals die Nationalhymne mitgesungen und die AllBlacks vor Beginn des Spiels den Haka (Tanz der Maori) getanzt haben. Dieses Ritual wirkte schon letztes Jahr während der Rugby WM im TV unheimlich beeindruckend auf mich und nun war ich live dabei. Es war ein unbeschreiblich tolles Erlebnis!
Während des Spiels hätte ich dann aber gerne jemanden an meiner Seite gehabt, der mir die Regeln erklärt. Somit bleibt Rugby für mich vorerst ein ziemlich brutaler Sport und mein Herz gehört weiterhin dem Fußball. AHU!
Dies war also ein sehr gelungener Start in mein neuseeländisches Leben. Ich bin dankbar, dass ich Lotti an meiner Seite habe, da sie mir den Einstieg hier verdammt einfach macht. Wir waren über das Spiel hinaus auch schon das ein oder andere Mal richtig gut essen und ich kann euch für euren Aucklandbesuch folgende Restaurants empfehlen:
Bestie – leckeres und gesundes Frühstück; von Müsli mit frischen Früchten und Kokosnusscreme bis hin zu poached Eggs mit Avocado
Little Easy – Burger; 50/50 bacon beef patties… mehr muss ich vermutlich nicht sagen!
Während ich nun Pläne für die nächste Zeit schmiede, wünsche ich euch einen wundervollen Start in den Tag!
Nach einem sehr angenehmen Flug habe ich am Donnerstag um 05:20 Uhr Ortszeit Singapur erreicht. Bis zu meinem Weiterflug nach Auckland hatte ich gute 3 Stunden Zeit, welche ich aber in der Wartelounge vor meinem Gate verbracht habe. Ich war einfach zu müde um diesen gewaltigen Flughafen zu erkunden. Pünktlich zur angesetzten Boardingzeit ertönte das erste Mal die Durchsage, dass sich dieses noch verschieben wird, da es technische Probleme am Flugzeug gibt. Die Durchsage wiederholte sich fortlaufend im Viertelstunde Takt ohne genaue Informationen, wann es weiter geht. 5 Stunden und ein Nickerchen später kam dann die Mitteilung, dass das Flugzeug heute nicht mehr abheben wird. Müdigkeit und Hunger taten ihr übrigens… meine Laune war im Keller.
Kurz innerlich mit mir gehadert stellte ich mir die Frage, warum eigentlich?! Schließlich habe ich keinen Zeitdruck und kann die Gegebenheiten doch nun endlich mal gelassen auf mich zukommen lassen. Nachdem alle Passagiere und ich auf verschiedene Hotels in der Stadt aufgeteilt wurden, habe ich also meine Müdigkeit ignoriert und bei tropischen 30 Grad zu Fuß die Stadt erkundet.
Ich bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen!
Durch Zufall bin ich zeitgenau zur Lichtshow bei den Supertrees gelandet.
Zum Schluss habe ich dann noch einen Abstecher in das Hotel Marina Sands gemacht. Dies ist durch seinen Infinity Pool im 57 Stock bekannt.
Singapur ist eine beeindruckende Stadt und solltet ihr irgendwann einmal hier zwischenlanden, lasst euch nicht auch zu eurem Glück zwingen… bleibt einen Tag länger und schaut sie euch an. 🙂
Freitag um 07:00 Uhr ging mit einem Tag Verspätung sodann mein Anschlussflug nach Auckland, wo ich gestern Abend um 22:00 Uhr gut gelandet bin. Verängstigt durch die deutsche Bürokratie war ich vollkommen irritiert, als die nette Beamtin bei der Einreise noch nicht einmal mein Visum sehen wollte und ich innerhalb von 2 Minuten den Stempel im Reisepass hatte. Fix und fertig habe ich später mein Bett im Hostel bezogen und in diesem Moment Neuseeland einfach Neuseeland sein lassen.
Während ihr den Freitagabend nun noch vor euch habt, sitze ich überglücklich 11 Stunden in der Zukunft am anderen Ende der Welt und freue mich auf einen Tag mit Lotti und den AllBlacks!
Muffensausen… wenn die Nächte kürzer werden, der Appetit nicht mehr vorhanden ist und die Tränen sich unkontrollierbar ihren Weg bahnen. Dies ist der Zustand in welchem ich mich seit Samstag befinde und der Grund, warum mir heute die Worte für einen längeren Beitrag fehlen.
Aufgeregt auf das was kommt und voller Dankbarkeit für die wundervollen Menschen um mich rum, welche die Flausen in meinen Kopf immer unterstützen, sitze ich nun in Hamburg am Flughafen.
Zunächst geht es um 06:40 Uhr nach Amsterdam. Anschließend fliege ich um 11:15 Uhr knapp 13 Stunden weiter nach Singapur und steige dort nochmal für knapp 10 Stunden in das Flugzeug nach Auckland. Gegen 11:30 Uhr deutscher Zeit werde ich Neuseeland am Donnerstag erreichen.
„True enough, this compass does not point north.“
„…Where does it point?“
„It points to the thing you want most in this world.“
Jack Sparrow and Elizabeth Swann
… und wie ihr alle wisst, ist dies bei mir seit Langem nur eins. Neuseeland.
Endlich habe ich meine Segel gehisst und werde im Oktober meiner Kompassrichtung folgen.
Dieses Mal ist es nicht nur beim Träumen geblieben. Dieses Mal habe ich den „Buchen“ Button geklickt! Am 19. Oktober 2016 werde ich mich mit dem Working Holiday Visum in der Tasche auf den Weg machen und für 1 Jahr in dieses wundervolle Land zurückkehren.
Goethe schrieb einst an seinen Sohn: „Nur wünschte ich, daß du als ein fleißiger Heftschreiber auch ein Reiseheft schriebst, nicht um die Gegenden zu beschreiben, sondern nur von manchen Lokalitäten, Menschen, Gasthöfen, Preisen, gegenwärtigen Zuständen, Gesinnungen und so weiter eine feste Notiz zu behalten.
Dergleichen Aufsätze sind für uns und andre sehr belehrend und in der Folge, wenn wir wieder an solche Orte kommen, unschätzbar.“
Für euch alle, die mich virtuell auf meiner Reise begleiten wollen, ist dies die Intention meines Blogs. Wobei ich nicht ausschließen kann, euch auch die atemraubenden Landschaften schmackhaft zu machen.
Bis zum Abflug ist es beileibe noch eine Weile hin, aber ich möchte mein bisheriges Leben wenigstens halbwegs geordnet über Bord werfen. Von nun an heißt es also: organisieren, ordnen, belesen und das ein oder andere Mal die Dinge einfach auf mich zukommen lassen.