1610 – 40. Der Pakt mit dem Teufel!

Mein liebes Rostock,

heute ist es einmal an der Zeit, dass ich mich persönlich an Dich wende!

Im Jahre 2015 stand ich schon mit einem halben Bein in Berlin und dann hast Du mir noch einmal kurz auf die Schulter geklopft. In Berlin hatte ich ein neues Jobangebot, viele meiner Mädels leben dort und ich hatte mich gedanklich schon sehr mit der Stadt auseinandergesetzt und auch angefreundet. Dich hatte ich noch flüchtig aus der Ausbildung in Erinnerung, welche eventuell durch den Studentenkeller auch noch ein wenig verschwommener war, als sie es unter normalen Umständen gewesen wäre. Ich kannte 1-2 Freunde noch von früher, keinesfalls war die Beziehung so eng wie zu meinen Mädels in Berlin. Doch aus irgendeinem Grund habe ich mich am Ende intuitiv für Dich entschieden.

Und Du warst so gut zu mir! Du hast mir die tollsten Nachbarn geschenkt, ohne die ich hier nie so angekommen wäre, wie ich es jetzt bin. Du hast mir wundervolle neue Kollegen vorgestellt, von denen ich heute eine zu meinen allerbesten Freundinnen zähle. Und du hast mich auch noch einmal dichter ans Meer gebracht, welches ich in regelmäßigen Abständen intravenös für mein Wohlbefinden benötige. Trotzdem habe ich Dir nach nur einem Jahr den Rücken gekehrt und bin in die große weite Welt entflohen.

Nach meiner Rückkehr hast Du nur die zweite Geige gespielt. 4 Monate lang habe ich versucht mich in Hamburg über Wasser zu halten um dann am Ende festzustellen, dass mein Herz nur für eine Stadt schlägt. Voller Demut habe ich meine Sachen gepackt und mich wieder in deinen Armen niedergelassen. Es waren kaum 2 Monate vergangen und Du hattest wieder nichts besseres im Sinn, als mir den Mann meiner Träume vor die Nase zu stellen. Du hast mir eine Wohnung geschenkt, von welcher aus ich meine Freunde binnen weniger Minuten fußläufig erreichen und ich die Warnow meinen Vorgarten nennen kann.

Doch, auch ich werde älter und sehne mich das ein oder andere Mal nach einem ruhigeren Rückzugsort, mit einem kleinen Garten vielleicht. Ich will Dich nicht verlassen und dies macht die Sache zu einem großen Problem. 750.000 EUR für ein Haus am Stadtrand, 623.000 EUR für eine 4-Zimmer-Wohnung in der Stadt, das werden wir uns in diesem Leben als Normalverdiener nicht leisten können. Den Kredit müssten wohlmöglich noch unsere Urenkel abbezahlen.

Mein liebes Rostock, ich kann Dir bei Weitem nicht so viel geben, wie Du mir in all den Jahren gegeben hast. Ich kann Dir nur eine Sache bieten, wenn Du mir dafür im Gegenzug einen letzten Gefallen, ein kleines Häuschen mit Garten durch den man auch mal nackig hüpfen kann, erweist. Meine Seele!

Ich freue mich von Dir zu hören.

Deine Claudi

Am Rande – Buch der Woche: Rutger Bregman – Utopia for Realists
(06/2020)

Wer mich ein wenig besser kennt, der weiß, dass er bei dem Thema 15 Stunden Arbeitswoche meine volle Aufmerksamkeit hat.
So ungefähr bin ich auch zu diesem Buch gekommen.

Mein Kumpel Flori hat mir bei einem gemütlichen Kneipenabend im Januar erzählt, dass der Podcast ‚Gemischtes Hack‘ über dieses Buch gesprochen hat. Er hat es noch nicht einmal selber gelesen, ich habe den Podcast nicht gehört und trotzdem lag es 2 Tage später in meinem Warenkorb. Dem Thema 15 Stunden Arbeitswoche sei Dank.

Ich habe das Buch nun durchgelesen und war sehr angetan. Es ist ein Buch für alle Querdenker und Weltverbesserer da draußen und zudem auch noch ein kleines BWL Studium.
Man hat das Gefühl, dass Rutger Bregman alle Publikationen dieser Welt gelesen hat, bevor er dieses Buch geschrieben hat.

Themen wie die 15 Stunden Arbeitswoche oder ein bedingungsloses Grundeinkommen oder die Abschaffung von Landesgrenzen sind nicht nur mit einem gefährlichen Halbwissen träumerisch in den Himmel gemalt, sondern knallhart recherchiert und anhand von Beispielen, welche teilweise schon ihre Anfänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten, argumentiert.

Mit den Worten von Oscar Wilde: „Progress is the realization of Utopias“! – Welcher DDR Bürger hat damals wirklich daran geglaubt, dass man eines Tages nur noch 5 Tage die Woche zur Arbeit gehen würde?! – Lasst uns nie aufhören an eine bessere Welt zu glauben! Alles ist möglich!

Don’t let anyone tell you what’s what. If we want to change the world, we need to be unrealistic, unreasonable, and impossible.
Remember: those who called for the abolition of slavery, for suffrage for women, and for same-sex marriage were also once branded lunatics.
Until history proved them right.

S. 264

1610 – 13. Die Luft ist raus!

Hunger! Müde! Kalt!

Ich kann es schwer leugnen, das Jahr hat seine Spuren hinterlassen, so wie es jedes Jahr seine Spuren hinterlässt. Wenn ich zurück blicke, war dieses Jahr ein bunt gemischtes Auf und Ab.
Es gab zahlreiche wunderschöne Momente. Die Zeit zu Zweit in Tromsø, im Winterurlaub, in der Provence, auf Fuerteventura, zum 10. Mal bei Feine Sahne Fischfilet, im Alltag. Die Zeit mit Freunden in der Sommersonne auf unserer Terrasse, auf Festivals, in der Kneipe um die Ecke, beim Mitfiebern im Stadion, zuhause beim Hüten derer Kinder. Die Zeit mit der Familie beim Campen, beim Händchen halten mit Omi auf dem Weg zum Friedhof, an meinem Geburtstag an der großen Geburtstagstafel in unserer Küche.
Es gab neue Herausforderungen. Ich habe einen neuen Job in einer komplett neuen Branchen angefangen. Ich habe mich dazu entschieden nebenbei nochmal ein Studium zu absolvieren.
Und es gab auch Momente die weniger schön waren. Ich habe mir Anfang des Jahres eingestehen müssen, dass ich mich in einer depressiven Episode befinde. Langjährige Freundschaften gingen in die Brüche und auch unsere Beziehung verlief einen kurzen Augenblick etwas stürmisch.

Dazu reiht sich jetzt im kalten, dunklen Winter auch noch der Körper. Alles tut weh, der Rücken ist hart wie ein Brett, ich bin eher erschöpft als sonst, die Gastritis zeigt mir wieder täglich, dass ich sie nach 10 Jahren immer noch nicht abgeschüttelt habe.

Kurzum, die Luft ist raus!
Das Ende des Jahres steht nicht nur für den Wechsel einer Jahreszahl, sondern auch fürs zur Ruhe kommen. In der Besinnlichkeit von Weihnachten ist es an der Zeit zu reflektieren, zu akzeptieren und vor allem Dankbar zu sein.
Zudem ist es die Zeit um unseren Körper das zu geben, was wir ihm bis zum Zeitpunkt der Erschöpfung, der Dunkelheit abverlangt haben.
Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Tiere halten Winterschlaf und auch wir Menschen sind keine Maschinen, sondern sollten uns jetzt ganz bewusst auf eine Entschleunigung einlassen.
Das nächste Jahr kommt ganz bestimmt, mit neuen Herausforderungen, mit neuen Auf und Abs und dem wollen wir doch gewappnet sein!

Am Rande – Dämpfer der Woche

Mit Anfang 30 verspüre ich nun so langsam den Wunsch nach einer eigenen Immobilie. Ich bin zuvor viel rum gekommen und habe herausgefunden, dass Rostock die Stadt ist, in der ich zur Ruhe komme und in der ich alt werden möchte. Wie schön wäre es im Umkreis ein kleines Häuschen mit Garten und Hund zu haben.
Seit einer Weile schauen wir uns also nun schon in den gängigen Immobilienportalen um und haben festgestellt, dass Du entweder weit über 20 km von Rostock weg ziehen musst oder Du Dir als Otto Normalverdiener schlichtweg kein Haus leisten kannst.
Für ein normalgroßes Haus auf einem Grundstück um die 650 qm muss man um die 300.000 EUR auf den Tisch legen und dann ist die letzte Modernisierung aber auch schon weit über 20 Jahre her.
Also wäre die Alternative ein erschlossenes Grundstück zu kaufen und auf diesem ein Haus nach den eigenen Vorstellungen raufzusetzen. Wir haben uns umgesehen und ein Grundstück nach Schema F in einem typischen Neubaugebiet 8 km vom Stadtzentrum entfernt gefunden. Preis auf Nachfrage. Ich habe nachgefragt und mich sogleich nach der versteckten Kamera umgesehen, welche meinen Gesichtsausdruck beim Lesen der Antwort aufgenommen hat. 700qm für 280.000 EUR! Ein Haus können wir uns dann nicht mehr leisten, aber vielleicht können wir ja unseren Bulli darauf parken.
Mir stellt sich die Frage, in was für einer Stadt leben wir eigentlich? Den Tatsachen ins Auge geblickt, können sich doch nur noch Manager in top Führungspositionen einen eigene Immobilie leisten.
Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen! Für ein Haus müssten wir summa summarum um die 1.000.000 DM (EINE MILLION!) in die Hand nehmen!


Ach… eigentlich wohnt es sich in unserer Wohnung doch ganz schön.

Mein Rostock!

Während meiner Vorbereitungen auf diese Reise bin ich auf viele Reiseblogs gestoßen und habe mir einige davon auch näher angesehen. Was viele von ihnen gemeinsam haben, ist, dass die Blogger in der Ferne ihre Heimat gefunden haben und heute ein Leben als sogenannte „Digitale Nomaden“ führen.

38 Tage nach meinem Abflug kann auch ich von mir behaupten, dass ich meine Heimat gefunden habe… nur nicht in der Ferne.

 
Es ist für mich teilweise selbst nicht ganz nachvollziehbar, weil ich gerade mal ein Jahr in dieser Stadt gewohnt habe, aber ich fühle mich Rostock verbundener denn je und kann es kaum erwarten mich dort wieder niederzulassen. Meine Augen füllen sich nach wie vor mit Tränen, wenn ich an diese wundervolle Stadt, welche mich damals mit offenen Armen empfangen hat, denke und über sie rede. Ich liebe das kühle, aber herzliche Norddeutsche, ich liebe den Fußballverein, ich liebe das Schietwetter genauso wie die Sommertage, ich liebe meinen Lieblingseisladen, ich liebe die östliche Altstadt, ich liebe Warnemünde und auch Markgrafenheide, ich liebe den Ostseeradweg und ich liebe die Ostsee, ich liebe das Hanseatische, ich liebe die Warnow und ich liebe die SUP Touren auf dieser, ich liebe den Stadthafen, manchmal liebe ich auch den Studentenkeller, ich liebe die Petrikirche und ich liebe den Blick von Gehlsdorf auf die Stadt… ich bin über beide Ohren in Rostock verliebt und um es mit den Worten von Marteria zu sagen:

 

„Ich zieh‘ los und such‘ mein Glück

Doch dein Licht zieht mich zu dir zurück

Mein Rostock“

 

Auch wenn ich festgestellt habe, dass ich nicht die große Abenteuerin bin, werde ich meine Reise aber nicht von heute auf morgen abbrechen. Ich habe hier gerade die einmalige Möglichkeit mich voll und ganz auf meine Bedürfnisse zu konzentrieren. Seien wir ehrlich, im regulären Alltag nimmt man sich diese wertvolle Zeit viel zu selten. Mit dem Sommer als Muse schmiede ich also Pläne für meine Zukunft und hätte es mit Auckland als vorübergehenden Wohnsitz wirklich schlechter treffen können.

 
Zum Einen haben ich hier das Grostadtflair und fühle mich zwischendurch durchaus wie Carrie Bradshaw, wenn ich nach meiner Laufeinheit mit einem Coffee ToGo durch die Straßen zwischen den Skyscrapern schlendere und zum Anderen bin ich aber auch in nur einem Wimpernschlag in der unbeschreiblich schönen Natur, wie zB am Mittwoch.

 
Mittwoch habe ich mit Lotti und Rabea einen Ausflug nach Waiheke gemacht. Waiheke ist eine paradiesische Insel im Hauraki Golf und 40 Minuten von Auckland entfernt. Bei wolkenlosem Himmel und angenehmen 22 Grad haben wir uns um die Mittagszeit auf die Fähre begeben und sind anschließend mit dem Bus weiter zu einem der schönsten Strände dieser Insel gefahren. Uns erwartete kristallklares Wasser, glitzernder Sand und ein menschenleerer Strand. Wir hatten einen Strandtag wie er im Buche steht und sind Abends glücklich wieder auf die Fähre Richtung Auckland gestiegen.

 

Manchmal sagt ein Bild mehr, als tausend Worte.

 

Mit der Jobsuche war ich leider immer noch nicht erfolgreich, was aber vollkommen okay für mich ist, da ich gerade sehr viel Spaß daran habe meine Arbeitskraft für meine Visionen aufzubringen.

Wenn ihr bald jemanden Berge versetzen seht, könnte das eventuell ich sein. 😉

 

Passt auf euch auf… vor allem der Herr im Krankenhaus, welcher mir etwas Sorgen bereitet!

Eure Claudi