Generell komme ich ganz gut durch die derzeitige Corona-Krise.
Ich habe einen Partner an meiner Seite neben dem ich jeden Abend Händchen haltend einschlafe und mit dem ich jeden Morgen gemeinsam den ersten Kaffee des Tages trinke.
Ich arbeite in einer Branche, welche durch die derzeitigen Maßnahmen keine Einschränkungen hat und somit muss ich mir keine Sorgen um meinen Lebensunterhalt machen.
Auch eine Ansteckung mit dem Virus ist weniger wahrscheinlich im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands. Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit den wenigsten Covid-19 Fällen und in Rostock gibt es derzeit sogar keinen einzigen Infizierten. Alle betroffenen Personen sind bereits genesen und es gab keine neue Ansteckungen.
Ich kann mich in meiner Umgebung frei bewegen und bin in 15 Minuten an kilometerlangen, feinen Sandstränden. An diesen habe ich den gesamten vorletzten Sonntag bei strahlendem Sonnenschein verbracht und wurde bei meinem Nickerchen lediglich von zwei vorbeigeloppierenden Pferden gestört.

Ich habe also augenscheinlich keinen Grund zum Klagen und weiß die ganzen Punkte sehr zu schätzen, fühle mich mal wieder darin bestätigt, dass ich Meck-Pomm für meinen Lebensmittelpunkt ausgewählt habe, aber dennoch gibt es dann Tage wie letzten Donnerstag.

Tage an denen ich einfach den ganzen Tag weine und mir denke: Corona ist ein Arschloch!

Auch wenn ich mit milden Umständen gesegnet bin, muss ich mich an die Vorgaben und Einschränkungen der Regierung halten. Dies führt dazu, dass ich nicht allen meinen Bedürfnissen nachkommen kann.

Dies ist zum Beispiel mein Drang nach Freiheit. Heute hier, morgen dort! Frei und spontan entscheiden was ich am nächsten Tag mache, wo ich am nächsten Tag bin.
Ich habe Euch bereits vor zwei Wochen erzählt, dass ich normalerweise immer eine gebuchte Reise in der Hinterhand habe und dies hat einen Grund. Auf Reisen fühle ich mich so richtig lebendig! Neue Kulturen, andere Sprachen, unbekannte Umgebungen. Gestern mit dem Camper durch Kalifornien, morgen mit einem Kaffee in Mailand. Reisen sind meine Inspirationsquelle. Sobald ich unterwegs bin, kann ich meine Gedanken nicht mehr halten und einen Beitrag nach dem anderen aufs Papier bringen.

All dies ist derzeit nicht möglich. Keine Aussichten, keine Planungen, ausharren!

Der komplette Gegensatz dazu ist dann wiederum mein zweites großes Bedürfnis, welches ich derzeit nicht stillen kann. Mein Nest, meine Familie! Je älter ich werde, desto mehr sehne ich mich nach der Nähe meiner Familie. Ich liebe es, wenn ich morgens viel zu früh von meinen Nichten mit einem Strahlen im Gesicht geweckt werde, wenn sie mir meinen heiß geliebten Mittagschlaf rauben, wenn ich nich weiß, wie ich auf ihre neunmalklugen Antworten reagieren soll. Ich genieße es so sehr zu sehen, wie meine Omis und mein Opi meine Anwesenheit komplett aufsaugen, wenn meine Omi, kaum das ich da bin, schon die Flasche Sekt auf hat, wenn meine anderen Großeltern gemeinsam mit mir und Christian an unserem Bulli-Traum arbeiten. Ich bin so glücklich über das Verhältnis, dass ich über die letzten Jahre zu meinem Papi aufgebaut habe. Es gibt nichts schöneres als mit dem Kopf auf dem Schoß meiner Mami zu liegen, wohlwissend, dass ich immer noch ihr kleines Mädchen bin und sie immer für mich da ist.

All dies ist derzeit nicht möglich. Keine Aussichten, keine Planungen, vermissen!

Die momentan Situation fordert uns allen ungemein viel ab. Jeder ist auf seine Art und Weise betroffen. Jeder muss sich mit den Einschränkungen arrangieren. Und am Ende des Tages darf auch jeder seinen Ballast abladen und einfach mal weinen!