Mist! Scheiße! Dreck! Kacke!
Das sind die Worte, die meinen Samstag ziemlich gut beschreiben.

Um es einmal kurz zu sagen, die 23. Kalenderwoche hatte so ganz schön ihre Tücken. Aus diesem Grund habe ich mich riesig gefreut, dass für Samstag Wind angesagt war und wir uns Freitag Abend kurzerhand in den Bulli gesetzt haben und nach Saal gefahren sind. Dort haben wir einen richtig schönen Abend mit Freunden und UNO und Popcorn und dem Sonnenuntergang direkt am Wasser verbracht. Meine Stimmung war wieder auf dem aufsteigenden Ast und zu den Stimmen von ‚ZEIT Verbrechen‘ bin ich noch vor um 12 selig eingeschlummert.

Und dann kam Samstag. Wir haben unser Surfmaterial aufgebaut und die Windvorhersage beobachtet. Der Anfangs noch starke Wind sollte am Vormittag etwas abnehmen. So haben wir uns noch unter der Bettdecke eingekuschelt erst einmal den Kaffee schmecken lassen. Gegen halb 11 ging es dann in die Neoprenanzüge und aufs Wasser. So richtig voller Euphorie war ich schon den ganzen Morgen nicht, aber ich habe mich dann letztendlich überreden lassen. Ich weiß ja selber zu gut, wie guuuuuut so eine Surfsession tut. Leider tut sie das nur nicht, wenn der Kopf nicht frei und der Wind immer noch viel zu kräftig ist. Es funktionierte nichts! Einfach nichts! Das Wasser war zu tief für meinen bisher erst halb perfektionierten Beachstart, die Wellen waren zu kräftig, als dass ich sie auf meinem kleinen Board fürs Segel hochziehen hätte ausbalancieren können. Frustlevel 1. Meine nächste Strategie war abgucken. Wie stellen die anderen es an? Einer nach dem anderen schwang sich neben mir gekonnt und mit voller Leichtigkeit auf sein Brett und war weg. Ich habe mir die Techniken angesehen und es noch einmal versucht. Ich habe nur im Wasser gelegen. Frustlevel 2. Mein Limit war erreicht und der ganze Tag im Eimer.

Ich habe noch eine ganze Weile am Wasser gesessen und den unzähligen Wind- und Kitesurfern zugesehen. Vereinzelt hat einer von ihnen seinen Platz erschöpft neben mir gefunden und sich über die katastrophalen Windbedingungen an diesem Vormittag ausgelassen.

Hat das mein ‚Versagen‘ an diesem morgen aufgewertet? Nicht wirklich. So gerne wäre ich über das Wasser geglitten und hätte mir dabei den Kopf frei pusten lassen. So wie all die anderen…

Mittlerweile bin ich wieder etwas zur Ruhe gekommen und selbstreflektiert wie ich bin, versuche ich zu verstehen, was da eigentlich passiert ist?!
Vielleicht hätte ich mit meiner halben Lust gar nicht erst aufs Wasser gehen sollen. Hätte ich einfach in der Sonne sitzend ein Buch gelesen, wäre ich vielleicht etwas neidisch gewesen, aber bei weitem nicht so deprimiert, wie ich es jetzt bin. Hätte…
Wessen ich mir ziemlich sicher bin: Hör auf zu vergleichen, Dir zu viel Druck zu machen oder was auch immer da in Dich gefahren ist, Claudia! Ich stehe erst seit einem Jahr auf dem Brett. Für Anfänger sind über 20 Knoten einfach nicht geeignet. Ich gehe surfen, weil ich einen Heidenspaß daran habe und nicht, weil ich irgendwo auf dem Treppchen stehen will.

Knoten für Knoten. Windstärke für Windstärke. Beaufort für Beaufort.

Am Rande – Buch der Woche: Yvon Chouinard – Let my people go surfing
(04/2020)

Wem von Euch der Autor bisher kein Begriff war, der kennt vielleicht schon eher sein Outdoor Kleidungs- und Ausrüstungsunternehmen Patagonia.

Ich bin mal wieder durch eine LinkedIn Empfehlung auf das Buch aufmerksam geworden und was soll ich sagen, am liebsten würde ich nur noch Patagonia Kleidung tragen und zudem dort arbeiten.

Im ersten Teil des Buches geht es um die Geschichte von Yvon Chouinard, dem Gründer von Patagonia. Im zweiten Teil wird die Unternehmensphilosophie beschrieben – let my people go surfing!

Was passiert, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht? Wie handelt ein Unternehmen, wenn es sich bei dieser Leidenschaft um einen Sport handelt, welchen man nur in Einklang mit Mutter Erde ausüben kann? Was passiert mit dem Unternehmenserfolg, wenn man erkannt hat, dass die Mitarbeiter der relevanteste Faktor für genau diesen Erfolg sind?

Offen und ehrlich geht es in diesem Buch nicht nur darum, dass die Mitarbeiter sich ihre Zeit frei einteilen können, um auch ja nicht die einzige Stunde der besten Surfmöglichkeit mitten am Tag zu verpassen.

Our policy has always allowed employees to work flexible hours, as long as the work gets done with no negative impacts on others.

This has led to our Let My People Go Surfing flextime policy. Employees take advantage of this policy to catch a good swell, or go bouldering for an afternoon, pursue an education, or get home in time to greet the kids when they climb down from school bus. This flexibility allows us to keep valuable employees who love their freedom and sports too much to settle for the constraints of a more regimented work environment.

Es wird auch aufgezeigt, wie Patagonia beispielsweise über mehrere Jahre konsequent daran gearbeitet hat, seine Textilien nur noch in Fabriken herstellen zu lassen, welche im Einklang mit der Natur agieren.

Das Unternehmen ist ein wunderschönes Beispiel dafür, dass es in der heutigen Welt nicht nur um Profit, sondern auch um den Mensch und die Natur gehen kann.

In 1996, we pledged to give 1 percent of our sales, meaning that wether we made money or not, whether we had a great year or a bad one, we had to give. It became not so much charity as a self-imposed „earth-tax“ for living on the planet, using up resources, and being part of the problem.