Das was ich am allerliebsten mache, ist in der jetzigen Zeit leider nicht möglich. Normalerweise habe ich immer, sobald ich eine Reise antrete, schon wieder die nächste in der Pipeline. Derzeit ist da nur ein nervöses Zittern im Finger. Buchen oder nicht buchen. Lieber nicht….

Christian und ich hatten großes Glück und konnten im März noch unseren langgeplanten Urlaub in die USA antreten und dahin nehme ich Euch jetzt noch einmal mit.
Macht es Euch so bequem wie möglich, vielleicht legt ihr Euch ein Standbild von der Golden Gate Bridge auf den Fernseher, macht das Fenster auf und lauscht der Natur, habt einen Drink in der Hand und schließt die Augen. (Okay, das macht wohl nur als Hörbuch Sinn. Lasst die Augen doch besser auf.)

Guten Morgen, meine Damen und Herren. Kapitänin Niemann und die gesamte Besatzung begrüßen Sie ganz herzlich an Bord Ihres StayAtHomeAir Fluges HRO 130420 nach San Francisco. Unsere Flugzeit ist mit knapp 12 Stunden vorausberechnet und ich darf Sie nun bitten, Ihren Sitzgurt zu schließen und festzuziehen.
Für eine unvergessliche Reise ist es empfehlenswert, dass Sie sich nun in die Person der Kapitänin hineinversetzen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß!

Nach einem sehr angenehmen Flug sind um 14 Uhr Ortszeit in San Francisco gelandet. Ich habe mich zuvor gefragt, wie der Flug in Zeiten von Corona wohl verlaufen wird, davon war aber weder in Hamburg noch in London und San Francisco überhaupt irgendwas zu merken. Mit einer Ausnahme, das Flugzeug war sehr leer. So hatten wir ausreichend Platz um uns auch mal auszustrecken und zudem stand gefühlt alle 5 Minuten die Stewardess mit neuen Drinks und Essen neben uns.

Das nächste Highlight bot uns dann die nette Dame von der Autovermietung. Damit wir auch die ersten zwei Tage in San Francisco flexibel sind, hatten wir bereits im Vorfeld einen Mittelklassewagen gebucht.
Aus diesem wurde dann ein Ford Mustang GT (V8, 450 PS) für insgesamt 120$.
Mit diesem hatten wir eh schon für um die 300$ für einen Tag in Las Vegas oder San Diego geliebäugelt. Dann doch gerne so. Herzlich Willkommen in den USA!

Bevor wir am ersten Abend vollkommen fertig ins Bett gefallen sind, haben wir noch einen kurzen Ausflug zu dem Aussichtspunkt Twin Peaks gemacht. Von dort aus hat man einen Blick über die gesamte Stadt, welcher sich vermutlich auch am Tage, aber vor allem bei Nacht mit den ganzen Lichtern einfach nur lohnt.

Der nächste Tag startete früh. Um 4 Uhr war für uns beide die Nacht vorbei. Während ich noch ein wenig vor mir her schlummerte, machte Christian sich bereits auf die erste Fototour und konnte mit der aufgehenden Sonne ein paar klasse Bilder der California Street mit der Bay Bridge im Hintergrund machen.
Anschließend ging es für uns beide auf zum ersten Rundgang durch die Stadt. Wir bahnten uns den Weg durch China Town und kamen gegen 09:30 Uhr am Pier 39 an. Zu dieser Zeit befanden sich dort kaum andere Touristen und wir hatten die Robben gefühlt ganz für uns alleine.

Weiter ging es durch das Hafengebiet Fishermans Wharf der Golden Gate Bridge entgegen.  Querfeldein durch die Stadt und vor allem steil bergauf und noch mehr steil bergauf  hieß unser Nachmittagszwischenziel „Ruhepause im Hostel“.

Am späten Nachmittag statteten wir dem Schwulen- und Lesbenviertel The Castro einen kurzen Besuch ab und machten uns anschließend auf den Weg zum Marshalls Beach, um von dort zum einen die Golden Gate Bridge aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten und zum anderen den Sonnenuntergang zu bestaunen.

Leider ist es einem Jetlag ziemlich egal, wie müde und erschöpft man am Abend ins Bett gefallen ist. Auch die folgende Nacht war um 03:30 Uhr vorbei.
Da wir uns den Wecker aber sowieso auf um 05:00 Uhr gestellt hatten, war dies dann irgendwie schon wieder erträglich. Früher als geplant sind wir so zu unserem morgendlichen Ziel aufgebrochen. Der Sonnenaufgang über der Golden Gate Bridge.
So fuhr ich uns also in unserem Ford Mustang GT über die Brücke zu dem Aussichtspunkt Battery Spencer (Kneif mich mal!).
Dank der früheren Abfahrt erwischten wir die Golden Gate Bridge noch beleuchtet in der anfangenden Dämmerung und bewunderten folgend einen gigantischen Sonnenaufgang.

San Francisco, danke für diesen warmen Empfang! Danke für all die Sonne die Du uns geschenkt hast! Danke für Deine Vielfalt und Deine Herzlichkeit.

Ich habe ja schon immer gesagt, dass wir beide unter anderem sehr gut zusammen passen, da wir den gleichen Sinn von (Un)ordnung haben. Dies hat sich nach nur zwei Nächten im Hostel wieder einmal bestätigt.

Aus diesem Grund war ich sehr froh, dass wir am Mittwoch (04.03.2020) unseren Camper abgeholt haben und somit nicht jeden morgen von Neuem aufräumen müssen, sondern uns diesem „Elend“ nur einmal am Urlaubsende widmen müssen.

Unsere Reisezeit in die Vorsaison zu legen, stellte sich auch hier als sehr positiv heraus. Bei der Vermietung hat es niemanden interessiert, dass wir zwei Stunden zu früh da waren. Wir haben unseren Camper ohne Wartezeit zwei Stunden früher bekommen und hatten damit die Chance, doch noch im Hellen im Yosemite Nationalpark anzukommen.

Yosemite Nationalpark

Von San Francisco ging es für uns direkt in den Yosemite Nationalpark, welchen wir tatsächlich noch am Nachmittag erreicht haben.
Nachdem wir die Einfahrt in den Nationalpark passiert hatten, konnten wir von dem Aussichtspunkt Tunnel View ein erstes Mal sehen, was da gewaltiges vor uns lag.
Wir sind den kompletten Weg hinunter ins Valley nicht mehr aus dem Staunen heraus gekommen. Links und rechts ragten die Felswände neben uns in die Luft.

Wir haben die Nacht auf dem Upper Pine Campingplatz verbracht und lagen vollkommen richtig damit, den Campingplatz im Voraus zu buchen. Als wir ankamen, war der komplette Platz belegt.
Wir haben uns ebenso im Vorfeld darüber belesen, welcher dieser Stellplätze die beste Aussicht hat und uns für die Nummer 9 entschieden. Von dort aus hatten wir einen freien Blick ins Valley.

Am nächsten morgen habe ich beim Eier braten ungewollt gleich einmal unseren Feuermelder getestet und um halb 7 vermutlich den gesamten Campingplatz geweckt. Er funktioniert!
Nach dem Frühstück haben wir dann eine erste Wanderung zum Mirror Lake gemacht und uns nach einer kurzen Pause noch die Wasserfälle angesehen.
Diese gewaltigen Felswände und unter anderem der Halfdome waren dabei immer in unserem Blickfeld. Einfach nur Wahnsinn.

Da der Aussichtspunkt Glacier Point, von welchem aus man den Halfdome noch einmal richtig gut im Blick hat, im Winter leider geschlossen ist, haben wir uns am früheren Nachmittag auf dem Weg zum Lake Tahoe gemacht.

Lake Tahoe

Auf dem Weg zum Lake Tahoe kam eine meiner Schwächen zum Vorschein, welche ich seit unserem Frankreich Roadtrip nicht mehr gesehen habe. Ich vergesse manchmal einfach abzubiegen, wenn das Navi mir sagt, dass ich abbiegen soll – 20 Minuten Umweg und für mich eine extra Einheit darin, den Camper in engen Kurven bergauf und bergab zu manövrieren.

Wir sind erst im Dunkeln in dem Ort South Lake Tahoe angekommen und konnte nicht wirklich erahnen, was uns am nächsten Tag erwarten wird. Das einzige was wir bemerkten, war, dass wir sehr hoch in den Bergen waren und das auch die Schneedecke immer dichter wurde.
Die Nacht verbrachten wir umgeben von Pinien auf einem freien Parkplatz im Ort.

Am morgen kam der See dann in seiner kompletten Pracht zu Geltung. Glasklar, türkisblau und ringsherum Schneebedeckte Berge.
Im Starbucks standen schon früh die ersten Menschen in Skisachen neben uns, welche sich auf einen tollen sonnigen Tag auf den Pisten freuten.
Für und ging es (leider) nicht auf die Piste, dafür einmal um den See herum. Hier und da machten wir Halt und wanderten auch noch einmal steil bergab zu der Secret Cove im Norden des Sees.
Der Umkehrschluss von steil bergab ist steil bergauf. Bei umgerechnet 13 Stockwerken in knapp 2.000m Höhe wurde mir die Luft ganz schön knapp.

Highway 395

Der Lonely Planet hat den Highway 395 als Highway der Superlative beschrieben und genauso war es. Ganze 227 Meilen kam ein Highlight nach dem anderen. Einer beindruckenden Bergkette folgte eine noch beeindruckendere Bergkette. Dazu gehörte auch der höchste Berg der USA, der Mt. Whitney, welcher 4.421 m hoch ist.
Die Nacht haben wir auf einem tollen Campingplatz in Bishop verbracht. Dort konnten wir unsere Tanks leeren und wieder füllen und uns so auf die kommende Nacht im Death Valley vorbereiten.

Death Valley

Es ging mit Superlativen weiter. Wenn du denkst, da geht nicht noch mehr an gigantischem Ausmaß, dann sei Dir gewiss, das Death Valley hält um jeder Ecke ein neues bereit.
Das Wetter war gestern nicht ganz auf unserer Seite. Es war sehr windig und dazu auch stark bedeckt. So hielten wir auf unserer Fahrt durchs Valley nur bei den Mesquite Flat Sanddunes und suchten anschließend schon unseren Campingplatz in Furnace Creek auf. Wir haben die Nacht inmitten des Nationalparks verbracht. Schon irre. Im Sommer wäre das wohl nicht erträglich gewesen.

Heute (08.03.2020) machten wir uns nach dem Frühstück auf zu dem Ort Badwater. Badwater liegt 85,5 m unter dem Meeresspiegel und ist quasi eine riesige Salzwiese. Dort hatten wir vor der Kamera so unseren Spaß.
Unsere Mittagspause verlegten wir an den Aussichtspunkt Zabriskie Point und nachdem wir mit Hängen und Würgen die nächste Tankstelle außerhalb des Death Valley National Parks erreicht haben, ging es für uns nach VEGAS, Baby!

Hier wollen wir die nächsten zwei Abende unsere Reisekasse wieder auffüllen.


Da uns dies nicht sofort am ersten Abend gelungen ist, verweilen wir nun hier für eine Woche und schauen in der nächsten Woche, ob wir den einarmigen Banditen noch austricksen konnten.