Es ist Montag der 06. April 2020. Ich sitze mit einer ersten Tasse Kaffee im Bett und schaue aus dem Fenster in die Welt da draußen.
Heute ist unser letzter Tag in Quarantäne und ich versuche zu reflektieren, was die letzten Tage so passiert ist und vor allem gucke ich nach vorne und freue mich so sehr auf unsere Freiheit!

Obwohl, kann man es so richtig Freiheit nennen?
Ein Grund, wenn nicht sogar einer der Hauptgründe, warum ich in Rostock wohne, ist das Meer vor unserer Haustür. Dieses brauche ich um durchatmen zu können, um mich frei zu fühlen, um zu begreifen dass ich all die Komsumgüter dieser Welt nicht brauche. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass dies vor allem jetzt mein absoluter Sehnsuchtsort ist.
Und dann lese ich in der Verordnung zur Bekämpfung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, dass uns tagestouristische Ausflüge an die Ostseeküste über die Ostertage untersagt werden.

Ach Frau Schwesig, wem wollen Sie denn damit etwas beweisen?
Wer soll denn jetzt noch Ihre politischen Schritte logisch nachvollziehen können?

Wir dürfen uns nach einer Urlaubsrückreise über mindestens zwei Risikogebiete dieser Welt wieder unbeeindruckt in das öffentliche Leben mischen, es dürfen aber nun alle Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns, welche sich seit Wochen an Ihre Vorgaben halten, nicht mal einen Schritt aus ihren gewohnten Umkreis heraus machen!?
Wir haben es doch begriffen! Wir halten in Supermärkten Abstand. Wir halten an meterbreiten Stränden Abstand. Wir sind entweder alleine oder zu zweit in der Öffentlichkeit anzutreffen. Wir besuchen schweren Herzens unsere Großeltern nicht.
Und die, die es nicht begriffen haben, werden sich auch an Ostern nicht an die Regeln halten!

Liebe Frau Schwesig, vergessen Sie bitte nicht, wir sind keine Urlauber, wir leben hier!
Und zu unserem Leben gehören die Ostseeinseln ebenso wie die Ostseeküste!

Am Rande – Was macht man eigentlich 2 Wochen in häuslicher Quarantäne?

Die ersten Tage waren wir noch hochmotiviert unsere Wohnung auf Vordermann zu bringen.
Dann stellte sich aber schnell heraus, wenn man einmal das Chaosgen vererbt bekommen hat, dann ändern auch 2 Woche Quarantäne daran nichts.

Als nächstes war ich hochmotiviert eine neue Sprache zu lernen. Polnisch.
Die Lernapp war mir dann am Ende aber zu teuer und somit ist es bei Tak und Nie geblieben.

Ich habe, wie so viele andere derzeit, puzzeln wieder für mich entdeckt. Warum habe ich das eigentlich seit meiner Kindheit nicht mehr gemacht? Stundenlang habe ich konzentriert die kleinen Teile angestarrt und dabei einfach an gar nichts anderes gedacht.

Als nächstes habe ich mir ein simples Architektenprogramm runter geladen und mich damit in meine Jugendzeit zurückversetzt. Wie damals bei den Sims habe ich vollkommen fasziniert ein Haus nach dem anderen gebaut und eingerichtet. Im amerikanischen Stil. Wenn wir mal ein Haus haben sollten, dann nur mit großer Veranda und einer Hollywoodschaukel neben der Eingangstür.

Die letzten Tage waren aber dann wohl wirklich die produktivsten. Nachdem wir uns an unseren neuen Alltag halbwegs gewöhnt hatten, haben wir unsere Wohnung in ein Kreativstudio verwandelt. Wir haben gegen Mittag angefangen zu arbeiten und erst spät abends aufgehört. Christian hat all unsere Urlaubsbilder in Lightroom und Photoshop bearbeitet und sogleich ein perfekt abgestimmtes Fotobuch erstellt. Ich habe mich mit InDesign vertraut gemacht und endlich mein lang versprochenes Buch fertig gestellt. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Wusste der Eine mal nicht weiter, hatte der Andere schon die Lösung parat. Teamwork makes the dream work!

Und natürlich ist man auch einfach nur faul und träge, liegt zu lange im Bett, langweilt sich tagelang, schaut zu viel Netflix. Wann kommt eigentlich Haus des Geldes Staffel 5 raus?