Der Wecker klingelt um kurz nach 6. Wenn ich 2 Mal snooze, verbleiben mir ca. 45 Minuten um mich für den Tag fertig zu machen. Ich fahre zur Arbeit und schaue dort 4 Stunden lang auf meinen Bildschirm. Ich bewege die Maus von links nach rechts und oben nach unten. Ich öffne neue Tabs, Excel-Dateien und Programme. Ich schließe sie wieder. Nach einer Stunde Mittagspause beginnt das gleiche Spiel wie am Vormittag für weitere 4 Stunden. Ich fahre nach Hause und treffe mich mit Christian auf der Couch. Wir essen Abendbrot und schauen Netflix. Irgendwann schlafe ich ein und werde nur noch einmal kurz wach, um die Couch zu verlassen und ins Bett zu gehen.

Der Wecker klingelt um kurz nach 6. Wenn ich 2 Mal snooze, verbleiben mir ca. 45 Minuten um mich für den Tag fertig zu machen…

Tagein. Tagaus.

Dies klingt nun ein wenig trist und überzogen. Für einige von Euch würde das eine wunderschöne Routine darstellen. Natürlich genieße auch ich diese Geborgenheit, sei es auf Arbeit oder Zuhause, sehr. Aber so sehr ich diese Stetigkeit in einigen Momenten meines Lebens benötige, so sehr wird sie mir ziemlich schnell auch wieder zur Last.

Ich brauche Abenteuer. Ich bin so wissbegierig und neugierig, dass mir meine normale Umgebung schnell auf die Füße fällt. Ich habe ständig das Gefühl, dass ich meinen Horizont erweitern muss und dass mir mein alltäglicher Radius dahingehend die Grenzen aufzeigt.

Seit dem ich von meiner Weltreise zurückgekommen bin, schreibe ich immer wieder darüber, dass ich mir die Abenteuer im Alltag erhalten will. Das es so einfach ist, wenn man es nur will und dann finde ich mich im nächsten Augenblick antriebslos und unzufrieden auf unserer Couch wieder. Die Gedanken drehen sich dann darum, dass mein Abenteuerbudget gerade nicht ausreicht, dass ich meine Partnerschaft pflegen muss, dass kein Ziel dicht genug für einen Wochenendausflug ist.

Diese Woche war ich dann mal wieder an dem Punkt, an dem ich das alles nicht mehr ertragen konnte und auf einmal lag die Lösung so Nahe!

Ich schreibe Euch diese Zeilen gerade von dem wohl schönsten Schreibtisch der Welt. Dieser befindet sich inmitten auf unserer wunderschönen Ostsee. Wenn ich den Blick von meinem Laptop hebe, sehe ich diese beruhigende, blaue Weite. Rostock habe ich hinter mir gelassen und wenige Seemeilen vor mir heißt mein Ziel Trelleborg/Malmö.

Ich vereine an diesem Wochenende alles, was mir in der letzten Zeit sehr gefehlt hat. Ich begebe mich aus meinem gewohnten Kiez. Ich habe durch die 6stündige Überfahrt unheimlich viel Zeit für mich und am aller besten – mir steht ein Wochenende mit einer meiner besten Freundinnen voller tiefgründiger Gespräche in dem erfrischenden Schweden bevor.

Am Ende kostet mich der Ausflug genauso viel wie ein Wochenende in Rostock mit einem Besuch im Stadion. Am Ende pflege ich meine Beziehung auf diese Weise wohl viel intensiver als die unzufriedene Claudi zuhause auf der Couch es je könnte.

Es ist wie es ist. Irgendwie bin ich wieder drin in „diesem“ Trott. Aber es ist auch wie es ist. Die Gewohnheit lässt sich immer wieder leichter austricksen, als man denkt!

Am Rande – Buch der Woche: Veit Lindau – Seelengevögelt
(2/2020)

Ich habe das Buch vor einer ganzen Weile mal bei einem Freund liegen sehen und mich angesprochen gefühlt, da es in diesem Buch um den Sinn des Lebens geht.
In kurzen Geschichten will Veit Lindau uns aufrütteln unser Leben zu leben, es nicht immer so schwer zu sehen und zu nehmen.

Auch wenn ich großteils vollkommen hinter seinen Geschichten und Gedanken stehe, für mich war das Buch am Ende zu radikal. Auf eine unerschrockene Art wird man immer wieder direkt angesprochen. DU hast es in der Hand. DU kannst es ändern. DU. DU. DU.

Ich bin dann wohl doch eher der Paulo Coelho oder John Strelecky Typ. Der sich auf sanfte, indirekt Art der Einzigartigkeit des Lebens bewusst wird.