1610 – 35. Himmel, Arsch und Zwirn!

Mist! Scheiße! Dreck! Kacke!
Das sind die Worte, die meinen Samstag ziemlich gut beschreiben.

Um es einmal kurz zu sagen, die 23. Kalenderwoche hatte so ganz schön ihre Tücken. Aus diesem Grund habe ich mich riesig gefreut, dass für Samstag Wind angesagt war und wir uns Freitag Abend kurzerhand in den Bulli gesetzt haben und nach Saal gefahren sind. Dort haben wir einen richtig schönen Abend mit Freunden und UNO und Popcorn und dem Sonnenuntergang direkt am Wasser verbracht. Meine Stimmung war wieder auf dem aufsteigenden Ast und zu den Stimmen von ‚ZEIT Verbrechen‘ bin ich noch vor um 12 selig eingeschlummert.

Und dann kam Samstag. Wir haben unser Surfmaterial aufgebaut und die Windvorhersage beobachtet. Der Anfangs noch starke Wind sollte am Vormittag etwas abnehmen. So haben wir uns noch unter der Bettdecke eingekuschelt erst einmal den Kaffee schmecken lassen. Gegen halb 11 ging es dann in die Neoprenanzüge und aufs Wasser. So richtig voller Euphorie war ich schon den ganzen Morgen nicht, aber ich habe mich dann letztendlich überreden lassen. Ich weiß ja selber zu gut, wie guuuuuut so eine Surfsession tut. Leider tut sie das nur nicht, wenn der Kopf nicht frei und der Wind immer noch viel zu kräftig ist. Es funktionierte nichts! Einfach nichts! Das Wasser war zu tief für meinen bisher erst halb perfektionierten Beachstart, die Wellen waren zu kräftig, als dass ich sie auf meinem kleinen Board fürs Segel hochziehen hätte ausbalancieren können. Frustlevel 1. Meine nächste Strategie war abgucken. Wie stellen die anderen es an? Einer nach dem anderen schwang sich neben mir gekonnt und mit voller Leichtigkeit auf sein Brett und war weg. Ich habe mir die Techniken angesehen und es noch einmal versucht. Ich habe nur im Wasser gelegen. Frustlevel 2. Mein Limit war erreicht und der ganze Tag im Eimer.

Ich habe noch eine ganze Weile am Wasser gesessen und den unzähligen Wind- und Kitesurfern zugesehen. Vereinzelt hat einer von ihnen seinen Platz erschöpft neben mir gefunden und sich über die katastrophalen Windbedingungen an diesem Vormittag ausgelassen.

Hat das mein ‚Versagen‘ an diesem morgen aufgewertet? Nicht wirklich. So gerne wäre ich über das Wasser geglitten und hätte mir dabei den Kopf frei pusten lassen. So wie all die anderen…

Mittlerweile bin ich wieder etwas zur Ruhe gekommen und selbstreflektiert wie ich bin, versuche ich zu verstehen, was da eigentlich passiert ist?!
Vielleicht hätte ich mit meiner halben Lust gar nicht erst aufs Wasser gehen sollen. Hätte ich einfach in der Sonne sitzend ein Buch gelesen, wäre ich vielleicht etwas neidisch gewesen, aber bei weitem nicht so deprimiert, wie ich es jetzt bin. Hätte…
Wessen ich mir ziemlich sicher bin: Hör auf zu vergleichen, Dir zu viel Druck zu machen oder was auch immer da in Dich gefahren ist, Claudia! Ich stehe erst seit einem Jahr auf dem Brett. Für Anfänger sind über 20 Knoten einfach nicht geeignet. Ich gehe surfen, weil ich einen Heidenspaß daran habe und nicht, weil ich irgendwo auf dem Treppchen stehen will.

Knoten für Knoten. Windstärke für Windstärke. Beaufort für Beaufort.

Am Rande – Buch der Woche: Yvon Chouinard – Let my people go surfing
(04/2020)

Wem von Euch der Autor bisher kein Begriff war, der kennt vielleicht schon eher sein Outdoor Kleidungs- und Ausrüstungsunternehmen Patagonia.

Ich bin mal wieder durch eine LinkedIn Empfehlung auf das Buch aufmerksam geworden und was soll ich sagen, am liebsten würde ich nur noch Patagonia Kleidung tragen und zudem dort arbeiten.

Im ersten Teil des Buches geht es um die Geschichte von Yvon Chouinard, dem Gründer von Patagonia. Im zweiten Teil wird die Unternehmensphilosophie beschrieben – let my people go surfing!

Was passiert, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht? Wie handelt ein Unternehmen, wenn es sich bei dieser Leidenschaft um einen Sport handelt, welchen man nur in Einklang mit Mutter Erde ausüben kann? Was passiert mit dem Unternehmenserfolg, wenn man erkannt hat, dass die Mitarbeiter der relevanteste Faktor für genau diesen Erfolg sind?

Offen und ehrlich geht es in diesem Buch nicht nur darum, dass die Mitarbeiter sich ihre Zeit frei einteilen können, um auch ja nicht die einzige Stunde der besten Surfmöglichkeit mitten am Tag zu verpassen.

Our policy has always allowed employees to work flexible hours, as long as the work gets done with no negative impacts on others.

This has led to our Let My People Go Surfing flextime policy. Employees take advantage of this policy to catch a good swell, or go bouldering for an afternoon, pursue an education, or get home in time to greet the kids when they climb down from school bus. This flexibility allows us to keep valuable employees who love their freedom and sports too much to settle for the constraints of a more regimented work environment.

Es wird auch aufgezeigt, wie Patagonia beispielsweise über mehrere Jahre konsequent daran gearbeitet hat, seine Textilien nur noch in Fabriken herstellen zu lassen, welche im Einklang mit der Natur agieren.

Das Unternehmen ist ein wunderschönes Beispiel dafür, dass es in der heutigen Welt nicht nur um Profit, sondern auch um den Mensch und die Natur gehen kann.

In 1996, we pledged to give 1 percent of our sales, meaning that wether we made money or not, whether we had a great year or a bad one, we had to give. It became not so much charity as a self-imposed „earth-tax“ for living on the planet, using up resources, and being part of the problem.

1610 – 9. Wild’n’Fuerte #2

Was bisher geschah.
Die ersten Tage unseres Urlaubs auf Fuerteventura haben wir auf  2 Rädern, ohne Wind auf SUPs und mit Wind auf  Windsurfboards verbracht. Wer letzte Woche noch nicht dabei war, kann die Details hier noch einmal nachlesen.

Auch wenn ich an diesem Mittwochabend unheimlich erschöpft war, war es dennoch ein wunderschönes Gefühl. Wir haben den ganzen Tag am und im Wasser verbracht und sind dabei unserem Hobby nachgegangen.
Dies machte Vorfreude auf die letzten Tage.

Das Drama erreicht dann jedoch am Donnerstag seinen Höhepunkt. Ein Blick auf die Windvorhersage und auf die Fahnen der Surfschule verriet uns, dass der Wind noch etwas kräftiger war als am Vortag und wir konnten es kaum erwarten unsere Neoprenanzüge anzuziehen und ins kühle Nass zu springen. Dies wurde uns aber  untersagt. Im Gegensatz zum beispielsweise Saaler Bodden ist der Atlantik natürlich kein Stehrevier und an diesem Tag war der Wind so kräftig, dass die Surfschule (zu unserer eigenen Sicherheit) einen Wasserstart für den Verleih von Surfmaterial voraussetze. Man hat uns unsere enttäuschten Gesichter wohl angesehen und uns noch Hoffnung auf einen etwas mäßigeren Wind am Nachmittag gemacht. Somit saßen wir am Ende 3 Stunden lang am Ufer und haben den „Profis“ wehmütig dabei zugesehen, wie sie ihre Runden auf dem Atlantik drehten. Die Windstärke blieb durchweg konstant.
Die Laune war nicht mehr auf ein ertragbares Level zu bringen. Auch das vielfältige Abendbrotbuffet schmeckte an diesem Abend überhaupt nicht.
Die Enttäuschung war zu groß. Wir sind uns natürlich bewusst, dass der Atlantik schon eine große Hausnummer als Anfänger ist, leider erweckte aber der Internetauftritt der Surfschule den Eindruck, dass man den ganzen Tag auf der Lagune fahren kann und dies ist nicht der Fall. Diese füllt sich Gezeitenabhängig und ist max. 2 Stunden am Tag, 4-5 Tage die Woche befahrbar.
Da die Windvorhersage für unseren letzten Tag genauso aussah wie an diesem Tag entschieden wir uns vorab gegen das Surfen und Warten und stattdessen für das, was wir am besten können, einen kleinen Roadtrip.

Und dies war die vollkommen richtige Entscheidung.
Früh ging es für uns zur Autovermietung. Nach Übernahme des Renault Clio und dem Hinweis, dass die Versicherung nur auf Asphaltstraßen greift, ging es direkt die Schotterpiste entlang Richtung Süden.  Der kurvenreiche Anstieg führte uns zunächst nach Cofete. Dies ist ein kleiner, spartanischer Ort an der Westküste. Es ist erstaunlich was den Menschen zum Leben reicht und wie hoch doch unser eigener Standard ist. Landschaftlich haben mich die Berge und der raue Ozean ein wenig an Hawaii erinnert. Hier nur eben nicht saftig grün,  sondern grau in grau. Dennoch mindestens genauso schön und genauso beeindruckend!
Die anschließende Wanderung zu dem Roque del Moro brachte uns zu einem menschenleeren, kilometerbreiten Strand. Wir fühlten uns wie in einer Parallelwelt, konnten nicht glauben, dass wir dieses einzigartige Fleckchen Erde ganz für uns alleine hatten.

Den späten Nachmittag haben wir dann noch einmal komplett im Norden verbracht. In der Nähe des Ortes Corralejo findet man eine riesige Dünenlandschaft vor. Sand soweit das Auge reicht, rechts von einem an der Küste und ebenso links von einem im Landesinneren. Hier haben wir eine Weile die kraftvollen Wellen und die Wellenreiter beobachtet und zum Abschluss des Tages sind wir noch einmal eine Düne für den Sonnenuntergang hinaufgegangen.

Der Urlaub verlief nicht so wie wir es Anfangs geplant hatten, aber ein Glück sind wir improvisieren gewohnt und können den Blick trotz Niedergeschlagenheit schnell in eine Richtung wenden und nach Alternativen suchen. Somit hatten wir am Ende trotz allem einen klasse Urlaub!

Die Kanarischen Inseln waren bisher nicht unbedingt eines meiner Wunschreisegebiete. Ich habe mich hier sehr gerne und dankend belehren lassen. Trotz der vielen Urlaubsflieger tagtäglich bekommt man von dem Massentourismus abseits der Urlaubsorte absolut nichts mit und findet eine landschaftliche wunderschöne Region, welche sehr viel Ruhe ausstrahlt, vor. Vielleicht auf bald, zum Inselhopping  während des deutschen Winters mit unserem Bulli.