Wir haben es die Wochen nach unserem Urlaub tatsächlich ganz gut geschafft unseren Alltag immer mal wieder mit kleinen Highlights zu verschönern. Meistens sah dies dann so aus, dass wir nach der Arbeit so schnell es ging zum Strand gefahren sind und dort in aller Ruhe mit Blick auf die Ostsee Abendbrot gegessen haben.

Dieses Wochenende stand dann endlich wieder ein lang herbeigesehntes größeres Abenteuer an. Eigentlich wollten wir schon im Sommer einen Ausflug nach Dresden machen. Wir hätten diesen Ausflug mit einem Konzertbesuch verbunden. Das Konzert wurde aufgrund von Corona aber leider abgesagt und wir haben einhergehend auch den ganzen Trip bis auf Weiteres verschoben. Nach einem Blick in den Wetterbericht am Donnerstagabend haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen, das jetzt, kurz vor den kommenden, kalten Herbst-/Winternächten, der richtige Zeitpunkt ist, um die Tour nachzuholen. Der Bulli hat uns sowieso schon seit einer Weile vernachlässigte Blicke von der Seite zugeworfen.

Also hat Christian mich am Freitag um 15 Uhr von der Arbeit abgeholt und auf ging die lustige Fahrt durch Berlins Feierabendverkehr. Es war teilweise ganz schön zäh, aber das hatten wir erwartet und mit guter Musik und der richtigen Gesellschaft ist auch der längste Stau ganz passabel. Schlussendlich sind wir kurz nach 20 Uhr in der Sächsischen Schweiz angekommen. Unser erstes Ziel war der Kurort Rathen.

Da man den Ort selber nur zu Fuß durchqueren darf, haben wir uns wenige Kilometer vorher auf einem Parkplatz niedergelassen, auf welchen man über Nacht stehen darf und von welchem aus man direkt mit den bekanntesten Wanderungen starten kann. Am Freitagabend waren wir jedoch nur noch auf der Suche nach einer Kleinigkeit zu essen und wurden nicht fündig. Alle Lokale, es gibt wirklich einige in diesem überschaubaren Ort, schließen ihre Küche um 20 Uhr. Damit hatten wir absolut nicht gerechnet, aber ein Glück befand sich im Bulli noch eine Dose Erbsensuppe und wir mussten nicht hungrig einschlafen.

Der nächste Tag startete sonnig und nach einer wohligen Tasse Kaffee haben wir uns auf den Weg gemacht. Es gibt einige ausgewiesene Wanderwege durch die Bastei. Kürzer und Länger, entspannter und anspruchsvoller. Wir hatten uns im Vorfeld ein paar Sehenswürdigkeit ausgeguckt, welche wir gerne sehen wollten und sind dann einfach querfeldein drauf los gelaufen. Zu so früher Stunde war noch nicht viel los und wir hatten den Wald gefühlt ganz für uns alleine. Schon nach den ersten Schritten mit der Waldluft in der Nase setzte ein kleiner Erholungseffekt ein. Wir liefen bergauf und bergab, über Stock und Stein und erreichten nach ca. 1 Stunde die Schwedenlöcher. Von da aus ging es immer weiter hinauf zur Basteibrücke. Leider ist diese auch mit dem Auto ziemlich gut zu erreichen und war sehr überlaufen, als wir dort angekommen sind. Uns hat ein kurzer Blick gereicht, auf große Menschenansammlungen habe ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich gar keine Lust. Gegen Mittag sind wir nach 12 km wieder in Rathen angekommen und wurden dort noch einmal Zeugen einer multikulturellen Gastfreundschaft.

Gast: „Do you have ice cream?“
Wirt:“ Ja! Was für ice cream? Schwedenbecher? Kirschbecher? Erdbeer-Eisbecher?“ – Hach, dieser Dialog hätte wohl genauso beim Fischbrötchenstand meines Vertrauens stattfinden können.

Schon alleine nach diesem Vormittag und diesen imposanten Naturwundern hatte sich der Ausflug mehr als gelohnt, aber die Reise ging noch weiter….

Unser Nachmittagsziel hieß Dresden. Ich selber war noch nie in Dresden und habe mich riesig gefreut. Als wir dort angekommen sind, machte sich jedoch die morgendliche Wanderung mehr als bemerkbar. Wir waren einfach nur erschöpft und konnte kaum einen Fuß vor den anderen setzen. Und nun?!
Sie sind wohl Fluch und Segen zugleich. Für uns waren sie in diesem Moment der absolute Segen. E-Roller! Wir haben unserer Sightseeingtour komplett auf den kleinen Flitzern verbracht. Es ging quer durch die Altstadt und auch Teile der Neustadt haben wir mitgenommen. Vom Elbufer aus haben wir bei einer Kaffeepause das große Ganze auf uns wirken lassen. Meine Güte! Wie kann denn so viel Kultur auf einem so engen Raum zusammenfinden?! Ich war einfach nur beeindruckt. Im hellen wie im dunklen. Was für eine wunderschöne Stadt!
Am Ende des Abends war dann aber wirklich alles erledigt. Der Körper und der Geist. Noch vor um 9 sind wir selig eingeschlafen. – Die Nacht haben wir übrigens auf einem Stellplatz an der Grenze zur Altstadt verbracht, welche von dort aus fußläufig in 10 Minuten zu erreichen ist.

Wir haben uns im Vorfeld nicht bis ins Detail mit Dresden auseinandergesetzt und hatten am Samstag irgendwie schon alles gesehen, was wir sehen wollten. Zudem zog es uns auch einfach wieder in die Natur. Also machten wir uns Sonntagfrüh spontan auf dem Weg zu einem Ziel, welches ich noch nie im Sinn hatte. Dem Spreewald. Und wie kann man diesen besser erkunden als vom Wasser aus?! Wir starteten unsere 5 stündige Kajaktour in Lübbenau und ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Waren wir im Amazonas? Waren wir in Holland? Waren wir im Wunderland? Wir waren überall! Wir sind auf kleinen Kanälen (Fließen) bei strahlendem Sonnenschein durch diesen urigen Wald gepaddelt, wir paddelten durch den Ort Lehde, welchen ich so auch 1 zu 1 in Holland erwarten würde und zudem gibt es wohl keinen Ort auf dieser Welt, an dem man zu seinem Bier einfach vollkommen selbstverständlich EINE Gurke dazu bestellt. Ich wusste herzlich wenig was mich erwarten würde und ich bin einfach nur baff. Was für ein überwältigendes Fleckchen Erde!

Pünktlich zum Tatort sind wir wieder in Rostock gelandet.
Ich weiß, dass wir generell immer eine hohe Schlagzahl drauf haben. Wir haben drei Ziele in ein Wochenende gepackt. Je nachdem wie man es mag, kann man dies natürlich sehr viel entspannter angehen. Was will ich damit nur sagen: Auch die sächsische Schweiz ist für einen Kurztripp von Rostock aus auf jeden Fall noch im Bereich des Machbaren.

…mein Körper ist geschunden. Arme und Beine brennen und ich werde morgen vermutlich weinend auf allen Vieren ins Büro krabbeln, aber es war einfach nur wundervoll!