1610 – 45. Ich bin Claudia und ich bin angstgetrieben!

Um eins vorweg zu nehmen: Mir geht es sehr gut!
Ich habe in den letzten Jahren viel an mir gearbeitet, ich habe mich in Therapie begeben und ich habe wichtige Dinge für mein zufriedenes Leben erkannt. Wenn sich mein Berufsleben zum Beispiel über einen längeren Zeitraum negativ auf mein Privatleben auswirkt, dann muss ich etwas ändern und genauso umgekehrt. Wenn sich mein Privatleben über einen längeren Zeitraum negativ auf mein Berufsleben auswirkt, muss ich auch da etwas ändern. Es gibt einfach unzählige äußere Einflüsse die sich auf die Gefühlslage auswirken. Diese nach und nach zu erkennen und dann mit ihnen umgehen zu können ist ein wichtiger Schritt Richtung Zufriedenheit.

Und dann gibt es aber diesen einen Geruch, dieses eine Wort, diese eine Handlung, diese eine Art Mensch und meine ganze Welt gerät ins Wanken. Trigger. Diese Trigger reißen mir wie von einer Welle erfasst den Boden unter den Füßen weg und drücken meinen Kopf mit voller Kraft ins Weißwasser. Ich werde herumgewirbelt und empfinde auf einmal wieder diesen tiefen Schmerz, welchen ich mittlerweile eigentlich so gut im Griff habe. Mir wird die Luft zum Atmen genommen und ich handle wild und unkontrolliert, um wieder Sauerstoff in meine Lunge zu bekommen und vor allem, um mich selbst zu retten. Was an dieser Sache am allerschlimmsten ist, ist, dass ich mit diesem krampfhaften Versuch über Wasser zu bleiben schwer Rücksicht auf Dritte nehmen kann. Und dies ist in meinem Fall oft meine Beziehung. Ich mache uns das Leben unheimlich schwer und ich kann einfach nicht rational erklären, was da in mir los ist, warum ich gerade so bin wie ich bin. An Christian ist der Trigger unsichtbar vorbeigeschlichen und für ihn ist doch alles gut. Ich habe einfach nur große Verlustängste, Angst davor zurückgewiesen zu werden, Angst davor nicht geliebt zu werden.

Diese Woche war es wieder soweit. Es flossen so gut wie jeden Tag Tränen und dann gab es aber auch diesen einen Silberstreifen am Horizont. Mein Silberstreifen diese Woche war Jean-Pierre Kraemer (40 Jahre). Die Youtube-Ikone aller Autofans, der Strahlemann. Der Strahlemann, der diese Woche unter Tränen vor laufender Kamera von seinen Depressionen und von dem Schmerz erzählt, welcher ihn nicht ’normal‘ sein lässt und welchen ich so gut nachempfinden kann. Als wir uns gemeinsam dieses Video angesehen haben, schoss es wie ein Wasserfall aus mir heraus. Ich habe mich verstanden und NORMAL gefühlt und viel wichtiger, der Mann, den Christian so sehr feiert, hat mit den gleichen Dämonen wie ich zu kämpfen und dadurch, dass er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat er bei uns einen großen Knoten des letzten Jahres gelöst. Manche Gefühle kann man selber schlichtweg nicht verständlich erklären und an dieser Stelle können Außenstehende eine große Hilfe sein. Sei es jemand, der das Gleiche fühlt und es mit anderen Worten erklärt oder auch ein Therapeut oder … .

Es wird immer Menschen geben, die denken, dass ich nicht alle Tassen im Schrank haben, die keine Geduld haben, die nicht verstehen, dass das in gewissen Momenten nicht meine Persönlichkeit sondern ganz einfach meine Angst ist.
Umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder offen über Themen wie Depressionen und Ängste reden und somit ein besseres Verständnis schaffen. Desto schöner, wenn dies auch Menschen mit 2 Millionen Followern und einer großen Reichweite und nicht nur kleine Lichter wie ich tun!

Ich bin Claudia und ich bin angstgetrieben!
Ich bin Claudia und ich bin glücklich, dass ich einen Partner an meiner Seite habe, der dies aushält, der mich mit seiner geduldigen Art von Mal zu Mal besser versteht, der auf dem Weg in ein angstfreies Leben meine Hand hält und mit dem ich am Ende die weitaus überwiegenden, glücklichen Momente teilen kann.

1610 – 44. Mach doch einfach was Du willst!

Im Urlaub habe ich mir ein paar Themen aufgeschrieben, über die ich gerne schreiben möchte und habe mir fest vorgenommen, diese nach und nach abzuarbeiten. Aber irgendwie fiel es mir schwer meine Gedanken zu sortieren, mich vor den Laptop zu setzen, mir die Zeit zu nehmen.

Und dann kam Julias Beitrag „Back to nature“ diese Woche! Mir war sofort glasklar worüber ich als nächstes schreiben will, ich hatte sofort fertige Sätze im Kopf und hier sind meine Gedanken nun für Euch!

Ich empfand diese provokante Einleitung als sehr gelungen, denn ich glaube, dass dies genau das ist, was viele Leute denken. Julia ist extrem! Wir kennen uns schon seit Abi-Zeiten und ja, auch ich finde Julias Entwicklung seit damals auf irgendeine Art und Weise extrem. Barfuß durch die Stadt laufen und auf dem Weg Brennnesseln sammeln, gestern noch nach Leipzig gezogen und heute mit Kind und Kegel für eine Weile nach Rumänien fahren um dort zu lernen, was es heißt autonom zu leben, …
Dies entspricht auf dem ersten Blick nicht wirklich dem Bild einer „normalen“ deutschen Lebensweise und ich möchte einmal die Vermutung in den Raum stellen, dass es einige Menschen gibt, die darüber urteilen.

Früher hätte ich ganz gewiss bei einer Kaffeeklatschrunde das Gleiche getan. Wie kann sie denn nur? Dabei lief doch nach dem Abitur alles so gut? Und heute führt sie kein geordnetes Leben mehr! In diese Richtung wären die Gedanken wohl gegangen.
Doch heute finde ich es einfach nur super und ich wünsche mir viel mehr dieser mutigen Räubertöchter! Die einfach ihren Weg gehen und dazu stehen! Die ihren extremen Lebensstil suchen und verfolgen und dabei glücklich sind. Und dabei ist das Wort extrem doch vollkommen relativ. Für Dich mag extrem ein ganz andere Bedeutung haben als für mich!

Für mich ist Julia ein wenig extrem, für andere mag ich wiederum extrem sein, wenn ich jeden einzelnen Cent für Urlaube ausgebe und mit 31 Jahren kaum einen Pfennig gespart habe. Na und! Die Hauptsache sollte es doch einfach sein, dass man dabei glücklich ist, so wie man sein Leben lebt! Dabei ist es vollkommen egal, was andere denken! Es ist Dein Leben, also mach doch bitte einfach was Du willst! Fahre in die Walachei, wechsle deinen Job so oft bis du angekommen bist, triff radikale Entscheidungen, geh so oft laufen wie Deine Füße Dich tragen, fang nochmal ein Studium an! Egal was, egal wie, egal wo – finde Deinen Weg und sei glücklich!

P.S. Wisst ihr eigentlich noch wie schön es ist barfuß im Regen durch Pfützen zu laufen? – Ist vielleicht gar nicht so extrem!