Mein Kryptonit

Hey Claudi. Mal wieder ein toller Blogbeitrag. Ich wollte eigentlich schonmal wieder nach dem Beitrag „Mir geht es nicht gut“ mal schreiben. Aber naja, wie das manchmal so ist, bin ich von abgekommen. Es berührt mich immer wieder, soviel Ehrlichkeit zulesen und freue mich das es Menschen wie dich gibt, die es teilen. Danke. Wir brauchen im Alltag mehr davon. Ich habe heute übrigens mein altes Zimmer entrümpelt und ein Hufeisen von Judy gefunden, dass du mir damals geschenkt hattest. Erst schmiss ich es in den Müllsack, weil ich dachte: Ach, komm man muss auch nicht alles aufheben. Nur wenige Augenblicke später holte ich es wieder raus, stellte es richtig rum ins Regal und dachte: Glück kann man immer gebrauchen. Das Hufeisen soll für uns alle Glück sammeln und Glück schenken. Und ich hoffe, dass auch dir noch ganz ganz viel Glück, Liebe und Lebensfreude auf deiner Lebensreise wiederfährt.

Mein Kryptonit

Die Tränen schießen mir in die Augen, dabei könnte das Feedback nicht schöner sein. Ich kann es nicht kontrollieren, ich will es nicht kontrollieren.

Aufmerksam geworden bin ich auf das Wort ‚Kryptonit‘ in Zeiten von Liebeskummer, bei welchem ich dachte, dass ich ihn nie überstehen werde. Im Internet gibt es zahlreiche Artikel zu dem Thema ‚Kryptonit-Mensch‘. Dies sind Menschen von denen man nicht loskommt, Menschen, bei denen man immer wieder schwach wird, egal wie schmerzhaft die vorangegangen Erlebnisse waren. Die einfache Wikipedia Definition sagt, dass ein Kryptonit die Schwachstelle von Superhelden ist. Und so möchte ich es heute betrachten, da mein Kryptonit kein Mensch ist.

Mein Kryptonit ist meine Judy. Die Judy aus dem Zitat.

Judy ist/war eine stolze Mecklenburger-Warmblut Stute, abgestammt von dem Redefiner Elitehengst Juventus. Als Judy 4 Jahre alt war, hat mein Opi sie mir zu meiner Konfirmation geschenkt. Sie war die treuste Seele auf Erden. Sie hat mich durch den verhassten Springunterricht gebracht, sie hat mir in ihrer Box Unterschlupf gegeben, wenn es mir nicht gut ging, sie hat mich auf ihren Rücken über Felder und Wiesen getragen, ihr habe ich heute noch ein Ziehen im großen Zehnagel zu verdanken, welchen sie mir damals ausversehen abgerissen hat.

Ich kann nicht zum Ausdruck bringen, was dieses Pferd für mich war. Sie war immer da. Meine Eltern haben sich zu der damaligen Zeit getrennt, Freundschaften waren lange nicht so gefestigt wie heute, die erste Liebe kam und ging. Aber Judy, Judy war da. Sie hat mich aufgefangen und mir zugehört und mir auf eine unbeschreibliche Art und Weise so viel Liebe und Dankbarkeit übermittelt.

Doch ich wurde älter, meine Zeit wurde weniger, mein Interesse wurde mit 18 Jahren auf andere Dinge verlagert. 2009 habe ich Judy verkauft.

Seit diesem Zeitpunkt ist Judy mein Kryptonit, meine Schwachstelle. Ich schaffe es mit einer Leichtigkeit mich meinen Problemen zu widmen. Ich gehe sie alle an. Wenn ich alleine nicht weiterkomme, hole ich mir Hilfe. Aber nicht bei dem Thema ‚Judy‘. Alleine der Name löst jedes Mal einen tiefen Schmerz in mir aus. Bei dem Gedanken an sie werde ich traurig und nachdenklich.

Vielleicht sind es Schuldgefühle. Ich habe sie vernachlässigt, habe sie gehen lassen, obwohl niemand mir gegenüber treuer war als sie. Dazu kommt, dass ich nicht weiß, was mit ihr passiert ist. Wo sie ist, ob sie überhaupt noch lebt.

Derzeit befinde ich mich in einem Stadium der Akzeptanz. Ich habe mich von diesem Thema lange runterziehen lassen, mittlerweile akzeptiere ich die Schwachstelle und steuere sie. Ich mache mich bewusst verletzlich und angreifbar, ziehe aber aus diesen kurzen Phasen der Trauer wieder ganz viel Kraft um es bei anderen Themen auf den nächsten Gipfel zu schaffen. Das mag für einige von Euch vielleicht masochistisch klingen, für mich ist dies der Umgang mit einem Kapitel, welches ich nicht abschließen will. Ein Kapitel, welches meine größte Schwäche und vielleicht meine größte Stärke ist.

Denn ich habe es geschafft zu erkennen, dass ich alles was mein Leben, meine Gedanken beeinflusst, selber in der Hand habe! Den Abschnitt Judy nur nicht heute und auch nicht morgen.

Sie fehlt mir! Tagein, tagaus.

Vielen Dank an Maybi für das tolle Feedback! Auch wenn es diese Gedanken/Worte in mir ausgelöst hat, habe ich mich riesig darüber gefreut und ich hoffe, dass ihr alle so ein Hufeisen für ein Quentchen Glück bei Euch zuhause habt.

Mir geht es nicht gut!

Wie oft bekommen wir im Alltag die Frage gestellt „Wie geht es Dir?“ und wie oft antworten wir auf die Frage mit einem kurzen „Mir geht es gut!“, obwohl dem nicht so ist?!

In meinem Alltag treffe ich mich viel mit Freunden. Mein Freundeskreis ist in den letzten Jahren ein wenig geschrumpft. Das ist nicht schlimm, viel eher eine normale Entwicklung. Für mich bedeutet dies nur, dass ich meine Aufmerksamkeit einem kleineren Kreis von Personen schenke, öfter und intensiver. Manchmal besuchen wir zusammen Events in unserer Stadt und haben nebenbei nicht viel Zeit zu reden, andere Male wiederum sitzen wir einfach nur bei einem Glas Wein auf der Terasse und haben umso mehr Zeit uns über die aktuellen Geschehnisse auszutauschen. Die Gespräche verlaufen meistens fröhlich, in größeren Kreisen vermutlich immer. Dies ist durchaus eine schöne Entwicklung, doch entspricht dies auch immer der gegenwärtigen Situation eines Jeden in diesen Kreisen?

Ich habe das Gefühl, dass wir viel zu oft nicht darüber reden, wie es uns wirklich geht. Dies kann aus den ganz unterschiedlichsten Gründen erfolgen. Eventuell will man die Stimmung durch traurige Gedanken nicht vermiesen. Vielleicht hat man auch Angst, dass das Päckchen des Gegenübers schon viel zu groß ist und derjenige die zusätzliche Last nicht mehr tragen kann. Ein Anderer kann sich unter Umständen einfach nicht öffnen.

Mir selber geht es im Moment nicht gut! Nicht physisch, sondern psychisch. Ich bin auf meinem Weg falsch abgebogen und muss mich nun damit auseinandersetzen. Dies ist nicht immer einfach. Erfahrungen tuen weh, Selbstreflektion will gelernt sein und das zuvor gesteckte Ziel muss erst wieder in greifbare Nähe kommen bzw. komplett neu definiert werden. Doch auch wenn meine Grundstimmung gerade eher negativ ist, tut mir eins in diesen Momenten besonders gut. Reden!

Wie oft habe ich in den letzten Wochen bei Gesprächen mit Freunden einfach ehrlich aus dem Bauch heraus auf die Frage „Wie geht es Dir?“ mit „Mir geht es nicht gut!“ geantwortet. Und siehe da! Ich bin nicht alleine. Aus dieser anfangs schwierigen Situation wurden offene Gespräche und es geht im Moment nicht nur mir nicht gut. Aus den unterschiedlichsten Gründen tragen gerade einige meiner engen Freunde ein ähnliches Gefühl mit sich rum, was ich vorher nicht erahnt habe. Die Gespräche sind NIE so geendet, dass wir uns gegenseitig, verzweifelt in den Armen lagen. Viel mehr konnte man sich frei reden, Verständnis erhalten, Erfahrungen teilen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Dies ist manches Mal vielleicht nicht die sehnsüchtige Antwort auf die Verstimmung. Manches Mal bedarf es vielleicht weiterer Hilfe oder auch einfach nur Zeit. Dieses ist aber jedes Mal Balsam für die Seele und ein kleinerer Schritt Richtung Zufriedenheit.

Deswegen wünsche ich mir, lasst uns wieder offener über unsere Gefühle reden! Je nach dem wie es Euren Freunden geht, stecken sie entweder ihre eigenen Bedüfnisse zurück und hören Euch zu oder aber ihnen geht es ähnlich und man findet gemeinsam Halt. Sie sind für Euch da!

Mir geht es nicht gut! Und dir?